Als in Aalen Bücher brannten

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SA-Sturmbannführer Fridolin Schmid. Repros: -afn

Am 24. Juni 1933 traf sich die Hitlerjugend auf dem Osterbuch – was geschah.

Aalen. Nach wie vor ist der Osterbuch auf dem Weg nach Tauchenweiler ein beliebtes Ausflugsziel. Einst befand sich hier ein stattlicher Gutshof, an den freilich nichts mehr erinnert. Die von Gestrüpp überwucherten Steine dort haben eine ganz andere Bewandtnis.

Zum "Tag der Jugend" marschierten am 24. Juni 1933 die Aalener Verbände der Hitler-Jugend zu einer Kundgebung auf dem Osterbuch. Es waren mit dem Jungvolk alle Verbände der Hitler-Jugend, als da waren die Nachrichten-HJ, die Flieger-HJ, die Motor-HJ und die Marine-HJ, die man spöttisch als "Kocher-Marine" bezeichnete.

Alle schleppten Steine den Berg mit hinauf – als "Beweis, dass sie zu den Willigen gehörten, die rastlos am Wiederaufbau unserer Nation mitarbeiten wollen", wie der damalige Chef des heutigen Schubart-Gymnasiums bei seinem "Vaterländischen Appell" feststellte. Die vielen Steine dienten der Errichtung eines "Denkmals der Jugend" in Hakenkreuzform.

Die Kocherzeitung berichtete anderntags: Hut ab vor einer Jugend müsse man sich im stillen sagen, wenn man die Mädels und Buben sah, wie sie einen 10- bis 15-Pfünder, wenn auch mühsam, doch stolz erhobenen Hauptes daher schleppten. Gesunder Gemeinschaftsgeist herrschte in ihr. Rasch sprang der Kamerad für den andern ein, wenn dessen Kräfte nicht mehr ausreichten.

Während drunten die Stadt in Ruhe und Arbeit lag, scharten sich ihre Kinder, Söhne und Töchter auf der Höhe um die Osterbuchhütte zu einer würdigen vaterländischen Feierstunde. Der Nationalsozialismus, so der Festredner, hat eine Volksgemeinschaft gegründet, in die auch ihr mit ganzem Wollen und Können euch eingliedern sollt. Ihr habt ein leuchtendes Vorbild in unserem Führer Adolf Hitler. Suchet ihm nachzueifern! Ihn grüßen wir von der Höhe des Osterbuchs mit einem dreifachen Sieg-Heil!"

Am Abend dieses Tages fand dann auf dem damaligen MTV-Platz (heute Hochschule) eine Sonnwendfeier statt, bei welcher SA-Sturmbannführer Fridolin Schmid in seiner Rede von "Opferbereitschaft in einer Welt voller Feinde" sprach. Er forderte die Jugendlichen auf, "aus der Glut der Flammen die Kraft zu ziehen, damit wir stark genug sind, unsere Überzeugung durchzufechten".

Damit wurde von dem SA-Boss der zerstörerische Höhepunkt des Abends eingeleitet: die Bücherverbrennung. "Den Irrlehren des Marxismus gilt unser Kampf. Helft alle mit an diesem Werk. Vernichtet die Lügenschriften dieser hysterischen Weltanschauung. Ins Feuer mit dem Schmutz und Schund, der eine Giftpille unserer deutschen Kultur ist."

Danach warfen die Jugendlichen Werke von Thomas Mann, Hermann Hesse, Mark Twain, Romain Rolland und anderer Literaten in die auflodernden Flammen. Nach dem Deutschlandlied, einem Sprechchor des Jungvolks, Märschen der Feuerwehr- (Stadt-) und SA-Kapelle fiel auch die bis zuletzt wehende Fahne der "Eiseren Front" dem Feuer zum Opfer. Die Abzeichen, Wimpel und Protokolle des Arbeiter-Turnvereins Jahn (Vorgänger des SSV) und der Naturfreunde waren zuvor vom Feuer vernichtet worden.

Das "Denkmal der Jugend" auf dem Osterbuch.

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