Als Pfarrer auf dem Sprung

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Jan Langfeldt in der Aalener Stadtkirche. Der 33 Jahre alte Pfarrer springt immer dann ein, wenn ein Kollege oder eine Kollegin im Urlaub ist. "Pfarrer zur Dienstaushilfe beim Dekan" heißt seine 50-Prozent-Stelle, die er seit Juli begleitet.
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Jan Langfeldt ist als Theologe "Mädchen für alles" im Aalener Dekanat. Eine Aufgabe, die dem 33-Jährigen liegt – was ihn sonst noch antreibt.

Aalen

Mit Schwung öffnet er die schweren Holztüren am Hochzeitsportal der evangelischen Stadtkirche. Zügigen Schritts bewegt er sich auf den Altar zu. Während auf der Empore die Orgel erklingt, zündet er die großen Kerzen an. Dabei strahlt er eine Atmosphäre aus, als wär's schon lange seine Kirche. Pfarrer Jan Langfeldt allerdings ist neu in Aalen. Der 33-Jährige steht dem Dekan zur Seite und ist "Mädchen für alles". So beschreibt der Theologe seine Stelle, die kirchlich den eher sperrigen Titel "Pfarrer zur Dienstaushilfe beim Dekan" trägt.

Dabei muss Langfeldt flexibel sein. Muss im gesamten Aalener Dekanat Kolleginnen und Kollegen während ihres Urlaubs vertreten. Muss Kranke besuchen, Menschen in Lebenskrisen begleiten und darf Jubilaren bei runden Geburtstagen gratulieren. Zudem steht er dem Dekan zur Seite; etwa in strukturellen Dingen.

"Gerade gibt es jede Menge Möglichkeiten, mich einzubringen", freut sich Jan Langfeldt. Als Beispiel nennt er die neu geschaffene Gesamt-Kirchengemeinde Aalen, seit Juli ein Zusammenschluss von mehreren Aalener Pfarrbezirken. "Im Gegensatz zu anderen Kirchengemeinden ist das hier alles ganz harmonisch gelaufen, sehr kommunikativ und geordnet", lobt Langfeldt das Prozedere und den enormen Umbruch, den der Zusammenschluss für die gesamte Kirchengemeinde bedeutet.

Auf die Aalener Kirchengemeinde hat er den unverstellten Blick von außen. Bis Mitte dieses Jahres war Langfeldt in Lauchheim und Westhausen Pfarrer – gemeinsam mit seiner Frau Damaris, die er beim Studium in Norddeutschland kennengelernt hat. Die hat die Stelle nun alleine inne und der geborene Lübecker wohnt mittlerweile – aus rein privaten Gründen, wie der Vater zweier Söhne betont – in Unterrombach. Die Weststadt ist jedoch nur Wohnort. Einsatzorte für den Seelsorger ist derzeit überwiegend das Ostalb-Klinikum, wo er momentan Ursula Schütz ersetzt, die seit Sommer im Ruhestand ist. Ebenso ist das ökumenische Gemeindezentrum Peter und Paul auf der Heide, der Ort, an dem er zurzeit vermehrt Gottesdienste feiert.

Zunächst habe ich ernsthaft darüber nachgedacht, Mönch zu werden.

Jan Langfeldt evangelischer Pfarrer in Aalen

Die Ökumene – ein Stichwort, das für Langfeldt besondere Bedeutung hat. Ihm gehe es um "das uns Verbindende, Gemeinsame", das ja auch ein Teil der landeskirchlichen Tradition sei. "Ich verknüpfe damit Werte, wie sie in der Antike und im Mittelalter Bestand hatten", sagt er. Diese fänden sich heute in der anglikanischen Kirche und bei den Orthodoxen. "Messgottesdienste sind meine Welt", bekennt der in Lübeck mit der Thomasmesse Großgeworde. In diesem besonderen Schutzraum, so bezeichnet er die kirchliche Feier, werde man als spiritueller Mensch besonders geerdet.

Spiritualität habe hin schon sehr früh beschäftigt. Ein Grund dafür, weshalb er sich für das Theologiestudium entschieden habe und sich heute noch viel mit philosophischen Fragen und Texten befasse. Aber auch seine Pfarrerin, bei der er Konfirmandenunterricht hatte, Petra Kallies, habe ihn auf diesen Weg geführt. Damals habe er begonnen, Mystiker zu lesen und Gott als etwas zu begreifen, das das menschliche Verstehen übersteigt. "Der mir aber selbst dabei näher ist, als ich es selbst bin", sagt der Theologe.

Vor diesem Hintergrund hatte Langfeldt zunächst eine für einen Evangelischen äußerst unübliche Zukunftsplanung "Ich habe ernsthaft darüber nachgedacht, Mönch zu werden.", sagt Langfeldt, der sich "mehr Weihrauch – im wortwörtlichen wie auch im übertragenen Sinne – in unseren Kirchen" wünscht und der einer kirchlichen Bruderschaft angehört.

Die intensive Selbstreflexion, die tiefe Auseinandersetzung mit dem Glauben und die empathische Betrachtung der Menschen hat Langfeldt auch auf 128 Seiten zu Papier gebracht. "Drei Stufen" heißt seine Novelle, die den "Kopfmenschen" Heinrich auf seinem Roadtripp begleitet. Sie ist im Selbstverlag erschienen und in allen Buchhandlungen erhältlich.

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