Amerikanische Fliegerbombe beim Tannenwäldle gefunden - Evakuierung am Samstag 

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Vor der Baggerschaufel wird die Bombe vermutet. Sandsäcke dienen zur Abschirmung.
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Die Stadt informierte über die aktuellen Erkenntnisse. Bombe größer als erwartet. Evakuierungsbereich bleibt unverändert.

Aalen. Seit Donnerstagmittag herrscht Gewissheit: Es liegt tatsächlich eine Fliegerbombe im Aalener Baugebiet Tannenwäldle. Darüber informierte die Aalener Stadtverwaltung in einer Pressekonferenz im Rathaus. Am Donnerstagvormittag haben die Experten des Kampfmittelbeseitungsdienstes gemeinsam mit einem Baggerfahrer die Bombe in viereinhalb Metern Tiefe freigelegt. Damit ist jetzt klar: Die Evakuierung von rund 3300 Personen am Samstag findet statt. Ab 8 Uhr müssen die betroffenen Gebiete menschenleer sein. Es ist die größte Evakuierungsaktion in der jüngeren Geschichte Aalens.

Fliegerbombe ist größer als erwartet

Laut Ralf Vendel, dem Leiter des Kampfmittelbeseitungsdienstes, verlief die Freilegung der Bombe im recht sandigen Boden relativ problemlos und zügig. Auf der Schwäbischen Alb müsse man auch schonmal eine Bombe aus Gestein regelrecht herausmeißeln. Dann jedoch die Überraschung: Die Bombe ist größer als erwartet. Etwa eine Tonne schwer mit einer Sprengkraft von etwa 500 Kilogramm. "Eine so große Bombe habe ich nur etwa zwei oder drei Mal im Jahr", sagte Vendel, der im Schnitt 15 bis 25 Bombenentschärfungen in Baden-Württemberg pro Jahr vornimmt. 

Es handelt sich demnach um eine amerikanische Fliegerbombe, die laut Vendel aus etwa 1000 Metern Höhe abgeworfen wurde. Sie besteht aus zwei mechanischen Zündern, einer vorne, einer hinten. Das Leitwerk der Bombe haben die Experten in einem Abstand von einem Meter ebenfalls gefunden. 

Was die Entschärfung angeht, ist Vendel verhalten optimistisch. Die Zünder, "amerikanischer Standard", so Vendel, seien äußerlich in gutem Zustand. Doch erst wenn es am Samstag an die tatsächliche Entschärfung geht, wisse man mehr. Schließlich komme es darauf an, wie leicht sich der Zünder entfernen lässt. 

Mittlerweile ist die freigelegte Bombe von dicken Stahlplatten links und rechts eingehaust. An der Oberfläche bieten mehr als 200 Big-Packs aus Sand einen hufeisenförmigen Schutzwall, dessen Öffnung in Richtung des unbebauten Tannenwäldles zeigt. Ziel sei es, die Druckwelle einer unwahrscheinlichen Explosion in diese Richtung zu lenken.  

Evakuierungsbereich rund um die Fliegerbombe bleibt unverändert

Die gute Nachricht laut Bürgermeister Karl-Heinz Ehrmann, der den erkrankten Oberbürgermeister Frederick Brütting vertrat: Sowohl Evakuierungsbereich, als auch Gefahrenzone müssen trotz der größeren Bombe nicht erweitert werden und bleiben wie geplant bestehen. Das bedeutet: 3300 Menschen in rund 1650 Haushalten müssen in Sicherheit gebracht werden und etwa 1800 Personen in rund 1000 Haushalten dürfen in der Gefahrenzone ab 11 Uhr nicht mehr nach draußen. 

Bitte um Rückmeldung aus dem Evakuierungsbereich

Ehrmann appelliert an die Kooperationsbereitschaft der betroffenen Personen. "Je schneller das Gebiet menschenleer ist, desto zügiger kann die Entschärfung starten", sagte er. Und umso schneller könne man wieder zurück in seine Wohnung. Ehrmann bittet auch noch dringend um die Rücksendung der mit den Anschreiben übersandten Rückmeldebögen bis Freitag, 4. März, an die E-Mail-Adresse: evakuierung@aalen.de. Bislang hätten sich 2600 Personen zurückgemeldet, eine Quote von etwa 80 Prozent. 

Polizei auch mit Drohnen im Einsatz

Ab 6 Uhr morgens wird die Stadt mit Lautsprecherdurchsagen auf das ab 8 Uhr geltende Betretungs- und Aufenthaltsverbot in der Evakuierungszone hinweisen. Eine Wiederholung erfolgt ab 7 Uhr. 

Die Polizei ist mit starken Kräften im Einsatz, informiert Holger Bienert, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Aalen. Mehr als 200 Kräfte der Polizei kümmern sich um den sogenannten Raumschutz. "Wir werden den Streifendienst in diesem Bereich auch verstärken und sicherstellen, dass sich dort dann niemand mehr aufhält", sagt Bienert und warnt: "Dort herrscht dann Lebensgefahr." Unterstützt wird die Polizei mit mehreren Drohnen aus der Luft. "Wir gehen dann davon aus, dass das Gebiet menschenleer ist", sagt Bienert. 

Auch nach der erfolgten Entwarnung wird im Gefährdungsbereich wieder Lautsprecherdurchsagen geben. Die Warn-Apps "Katwarn" und "NINA" informieren über die geglückte Entschärfung. Die Stadt schaltet außerdem eine Bandansage per Telefon, die über den aktuellen Status informiert. 

 Rund 500 Helfer von DRK, Maltesern, Johannitern und THW sind im Einsatz, berichtet, Jürgen Scherer, Leiter des Führungsstabs Ostalbkreis, der auch die Transporte von Hilfebedürftigen mit den Hilfsorganisationen koordiniert.

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Informationen zur Entschärfung und Evakuierung

  • Die Stadt hat ein Bürgertelefon eingerichtet unter der Nummer (07361) 52-1025, das am Freitag, 4. März, von 8 bis 12 und 14 bis 18 Uhr und am Samstag, 5. März, ab 6 Uhr bis zwei Stunden nach Abschluss der Entschärfung besetzt ist. Zudem ist am Samstag ab 8 Uhr eine Bandansage geschaltet unter der Nummer (07361) 52-2535. Auch die Schwäbische Post informiert mit einem Ticker ab Samstagmorgen online unter www.schwaepo.de über den aktuellsten Stand. 
Ralf Vendel vom Kampfmittelbeseitungsdienst vor der freigelegten 1000-Kilogramm-Bombe im sandigen Untergrund des Baugebiets Tannenwäldle.
Umleitungen während der Bombenentschärfung.

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