Anwohner im Sauerbach sind sauer

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Am Sauerbach, gegenüber des Gewerbegebiets Aalen-West, ist der Standort für den Bahnhalt-West geplant. Archivfoto: opo
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Ärger über eine von der Stadt angekündigte Bürgerbeteiligung, in deren Mittelpunkt aber die Information über technische Details stand. Teilnehmer fühlen sich vorgeführt.

Aalen

Die Stimmung der Bürgerinnen und Bürger im Sauerbach geht deutlich in Richtung Ärger.“ Mit diesen Worten spiegelte Norbert Rehm (FDI) in der jüngsten Ausschusssitzung des Aalener Gemeinderats unter dem Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“ seinen persönlichen Eindruck der jüngsten digitalen Bürgerbeteiligung zum Bahnhalt West.

Der Auslöser für den Ärger: Die Aalener Stadtverwaltung hatte die am vergangenen Dienstag stattgefundene digitale Veranstaltung als Bürgeranhörung angekündigt; mit dem Ziel, Anregungen aus der Bürgerschaft einzuholen, „um die Planungen noch besser justieren zu können“. Teilnehmende Bürgerinnen und Bürger konnten im Chat Fragen stellen und ihre Kritik äußern. Von dieser Möglichkeit machten einige der rund 60 Teilnehmenden auch regen Gebrauch. Zentrales Anliegen dabei war laut Rehm die Frage nach dem an- und abfließenden Verkehr, nach Verkehrs- und Lärmbelastung in Nägeleshof- und Sauerbachstraße, und die Forderung eines Verkehrskonzepts.

„Antworten allerdings gab es keine“, kritisierte Rehm. „Die Teilnehmenden fühlen sich vorgeführt.“ Weil sie sich aufgrund der von der Stadtverwaltung formulierten Ankündigung anderes von der Veranstaltung versprochen hatten. Im Vordergrund habe dann aber stattdessen die Information über technische Details des geplanten Bahnhalts gestanden. Rehm schloss mit der Bitte, die Stadtverwaltung möge „jede einzelne Frage“ im Nachgang beantworten und die Antworten transparent machen.

Das sagt die Stadtverwaltung: Aalens Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle, der die Ausschusssitzung leitete, räumte ein, dass es sich um eine Veranstaltung der Deutschen Bahn zum Bahnhalt-West gehandelt habe - „die Stadtverwaltung war Kooperationspartner“. Jeglicher in der digitalen Veranstaltung geäußerten Kritik begegnete Steidle im Ratsausschuss mit der Feststellung: Der Bahnhalt-West stärke den Umweltverbund, er sei ein wichtiger Beitrag zur Mobilitätswende. Davon profitierten nicht nur die Studierenden der Hochschule, sondern auch die rund 10 000 Bewohner der Weststadt und das gesamte Gewerbegebiet Aalen-West. Die Bürger-Fragen „werden sicher im Nachgang zur Veranstaltung beantwortet“, versprach Steidle.

Die Bürger haben keine Antworten auf ihre Fragen erhalten!“

Norbert Rehm, FDI-Stadtrat

Das sagen die Fraktionen: Der Beschluss für den Bahnhalt-West fiel bereits 2016. Hinter diesem Beschluss stehen die Gemeinderatsfraktionen nach wie vor. „Mir fehlt das Verständnis, wenn Bundestagsabgeordneter Roderich Kiesewetter uns in den Rücken fällt, indem er sagt, der Bahnhalt soll in Essingen realisiert werden“. sagt Grünen-Fraktionssprecher Michael Fleischer. Für ihn ist der Bahnhalts-West als „nachhaltiges Projekt zum Klimaschutz“ von großer Bedeutung. Fleischer hatte zwar selbst nicht an der digitalen Bürgerinfo teilgenommen. Dennoch ist ihm wichtig, dass die Stadtverwaltung die Fragen der Bürgerinnen und Bürger beantwortet.

Auch Weststadt-Bürger Hartmut Schlipf (CDU) bekräftigt die Notwendigkeit des Bahnhalt-West im Hinblick auf die Mobilitätswende. Von der Lage her wäre er sowohl zu Fuß, als auch mit dem Rad und mit dem Bus gut erreichbar. Um dem an- und abfließenden Autoverkehr vorzubeugen und mit Rücksicht auf die Anwohner der Nägeleshof- und Sauerbachstraße aber sollten begleitende Projekte wie Carsharing oder Park + Ride nicht am Sauerbach realisiert werden, sondern jenseits der Bahnlinie, im Gewerbegebiet West.

Für die SPD-Fraktion ist Timo Lorenz froh, dass der Bahnhalt im Aalener Westen geplant ist und nicht in Essingen. „Hier in Aalen ist er sinnvoll.“

Kieserwetter überrascht

Essingen besser?

Aalen. Auch CDU-Bundestagsabgeordneter Roderich Kiesewetter hat teilgenommen an der digitalen Infoveranstaltung zum Bahnhalt-West. Als Weststadt-Bewohner stellt er infrage, ob ein Bahnhalt in Aalen-West wirklich so viele Menschen anziehen würde oder ob die Aktivierung des Bahnhofs in Essingen nicht effektiver wäre. Essingen, so Kiesewetter, hätte den Vorteil, dass der Bahnhof von den Mitarbeitenden von Go-Ahead genutzt werden könnte. Die dortige Parkplatzsituation sei besser und man bräuchte keinen Neubau, der viele neuen Flächen beansprucht. Kiesewetter bezweifelt, dass die aus Stuttgart kommenden Studierenden den Bahnhalt-West regelmäßig nutzen werden. Aus Gesprächen mit Studenten wisse er, dass viele von ihnen eher am Aalener Hauptbahnhof aussteigen, um die attraktive Innenstadt mit den Cafés und Restaurants zu nutzen. UW

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