Artenvielfalt und klimafreundlich: So wird der Garten zum Paradies

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Der Garten als Oase: im Idealfall für Mensch und Tier. Archivfoto: Oliver Giers
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Start der neuen Serie: kleine Tipps, große Wirkung: Was Sie auf Balkon, Terrasse und im Garten für Artenvielfalt und gegen den Klimawandel tun können.

Aalen

Der Himmel ist blau, die Sonne wärmt. Mit steigenden Temperaturen wächst die Lust aufs Gärtnern. Doch im Klimawandel kämpfen Hobbygärtner auf der Ostalb zunehmend mit Problemen: Trockenheit, Schädlinge, Artensterben. Was kann man tun, um gegenzusteuern? Christiane Karger, Kreis-Fachberaterin für Obst- und Gartenbau, empfiehlt in ihren Seminaren und Workshops, den Hausgarten„naturnah“ zu gestalten. Doch was bedeutet das? Ist nicht alles irgendwie naturnah?

 Wenn Sie in Ihren Seminaren und Workshops von ‚naturnahen Gärten‘ sprechen, wie ist die spontane Reaktion der Zuhörer?

Christiane Karger: Manche Leute haben ein negatives Vorurteil über naturnahe Gärten: Sie haben blankes Chaos, Wildwuchs, Dschungel vor Augen und lehnen das deshalb erst mal grundsätzlich ab. Wenn ich dann aber erzähle, dass auch ein Naturgarten durchaus gepflegt wird, nur eben nicht mit der Nagelschere jeder Grashalm einzeln frisiert wird, sind Einige positiv überrascht.

Ist der naturnahe Garten die ideale Variante für faule Gärtner? Oder für Menschen mit wenig Zeit?

Wenn der Garten richtig angelegt ist und die richtigen Pflanzen standortangepasst ausgewählt wurden, macht er viel weniger Arbeit. Gewisse regulierende und pflegende Maßnahmen sind aber unabdingbar, damit das Ganze auch langfristig funktioniert und nicht doch zum Dschungel mutiert.

Und englischer Rasen und Thujahecke? Klingt doch auch nach wenig Arbeit und Zeitaufwand.

Den meisten Menschen ist gar nicht bewusst, wie viel Arbeit man investieren muss, um das Traumbild vom englischen Rasen zu erzielen. Intensive Pflege, Düngung und Bewässerung - ohne das klappt es nicht. In Zeiten von Klimawandel und sommerlichen Trocken- und Hitzephasen sind Rasen und Thujahecken die Verlierer. Man muss wirklich überlegen, ob man es noch verantworten kann, Hunderte Liter Wasser zu verbrauchen, nur um einen grünen Rasen zu erhalten. Ökologisch, im Hinblick auf Artenvielfalt, bieten beide kaum etwas. Welche Insekten sollen von blütenlosen Rasengräsern profitieren? Einzeln stehende Thujen dienen eventuell noch als Unterschlupf für Vögel, die klassischen Sichtschutzhecken an der Straße aber bieten meist nicht mal mehr das.

Was hat ein Garten, den Sie naturnah nennen?⋌

Er bietet Wohnraum und Nahrung für möglichst viele zwei-, vier-, sechs- und achtbeinige Gäste, und zwar über einen möglichst langen Zeitraum, so könnte man das vielleicht ganz knapp zusammenfassen.

Welche Tipps haben Sie für den Hobbygärtner, der seinen Garten entsprechend gestalten will?

Insektenfreundliche Blühpflanzen wählen, die im Idealfall in geschickter Kombination von Januar bis Dezember blühen. Einige Stauden und Gehölze mit Fruchtschmuck pflanzen, eventuell sogar solche mit Dornen oder Stacheln. Vögel finden das super, die suchen dort Futter und Unterschlupf. Stauden sollte man erst im Frühjahr zurückschneiden, weil alte Samenstände Winterfutter bieten und Insekten sich in den dürren Stängeln verpuppen können. Wichtige Lebensräume sind Reisighaufen, Totholz, Steinhaufen oder offene Sandflächen, jede kleine Insel im Garten bringt da was. Man muss nicht gleich komplett Kräuterrasen oder Blumenwiese anlegen, aber nicht jedes Gänseblümchen und jeden Löwenzahn rausreißen. Und man sollte auf chemischen Pflanzenschutz verzichten.

Das klingt nach immensem Aufwand.

Wenn man es von Anfang an richtig macht, hat man später weniger Arbeit. Man muss viel weniger Beikraut hacken – wir sprechen ja nicht mehr von Unkraut -, man muss weniger Rasen mähen, und man hat viel mehr Zeit zur Beobachtung des üppigen Lebens. Und man schont den Geldbeutel durch weniger Bewässerung, weniger Dünger und Pflanzenschutzmittel.

Ihr persönlicher Tipp fürs naturnahe Gärtnern?⋌

Keiner muss seinen Garten völlig umkrempeln, um ihn naturnah zu machen. In Deutschland gibt es zirka 36 Millionen Hausgärten. Wenn jeder Hobbygärtner nur die eine oder andere Maßnahme umsetzt, schaffen wir gemeinsam ein riesiges lebendiges Netzwerk, das einen immens wichtigen Beitrag zu Arten- und Klimaschutz leistet. Jede kleine Insel zählt.

Die nächsten Folgen und ihre Schwerpunkte

  • In der nächsten Folge lesen Sie: „Viele Arten für den Garten – von Anemone bis Quitte“. Weitere Folgen gibt es zu diesen Schwerpunkten: „Schottergärten? – Bitte keine Wüste!“, „Häusle steht – und nun? Ideen fürs Gärtle“, „Englischer Rasen kontra Blumenwiese?“, „Hausgärten im Klimawandel“.
Christiane Karger
Bea Wiese

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