Auenlandschaft im Hirschbachtal

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Das fertiggestellte Teilstück des renaturierten Hirschbaches wurde vorgestellt.
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Das im Winkenloch entspringende Bächlein mäandert jetzt auf einem 200 Meter langen Teilstück ähnlich wie vor 100 Jahren durchs Tal. Was das mit dem Hochwasserschutz zu tun hat.

Aalen

Kann eine Idylle noch idyllischer werden? Sie kann. Das zeigt sich gerade im romantisch gelegenen Hirschbachtal.

Seit Kurzem plätschert das im Winkenloch entspringende Bächlein ähnlich wie vor 100 Jahren in mehreren großen Windungen durchs Tal. Allerdings vorerst nur auf einem 185 Meter langen Abschnitt unterhalb des Hirschhofs. Renaturierung lautet der Fachbegriff für die Wiederherstellung eines solch ursprünglichen Zustands von Landschaften.

Was hier unter der Leitung des städtischen Grünflächen- und Umweltamtes in enger Zusammenarbeit mit dem städtischen Tiefbauamt, dem Wasserwirtschaftsamt und mit tatkräftiger Unterstützung von Naturschützern des BUND entstanden ist, ist gleichsam der Auftakt für eine Auenlandschaft, in die sich das Hirschbachtal nach und nach verwandeln soll. Beim Vorort-Termin lobte Grünflächenamtsleiterin Maya Kohte die gemeinsame Arbeit als „wunderbares Beispiel“ eines städtischen Gemeinschaftswerks.

Sinn und Zweck: Der neue Bachlauf und die neuen Vertiefungen sollen primär gegen Hochwasser schützen, indem sie die Fließgeschwindigkeit reduzieren. Beim Pressetermin vor Ort sprach Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle am Freitag von einer „gewaltigen Herausforderung“ für die Stadt Aalen in den nächsten Jahren. Denn angesichts der zunehmenden Extremwetter mit Starkregen und Überschwemmungen gebe es für den Hochwasserschutz noch viel zu tun, meinte er sinngemäß.

Investitionen in den Hochwasserschutz: Über fünf Millionen Euro wolle die Stadt Aalen in den nächsten Jahren allein in eine höhere Leistungsfähigkeit von Verdolungen und in Hochwasserrückhaltebecken an mehreren Zuläufen des Kochers investieren: Pflaumbach, Taufbach, Hirschbach, Auchtwiesenbach, Spitzbach und Aal. Weitere rund fünf Millionen Euro koste die anstehende Renaturierung des Kochers am früheren Union-Areal. Steidle appellierte an die anwesenden Vertreter des Gemeinderats, für entsprechende Maßnahmen weitere Gelder bereitzustellen „und noch eine Schippe draufzulegen“.

Voraussetzung für die Renaturierung im Hirschbachtal: Robert Jenewein vom städtischen Grünflächen- und Umweltamt betonte, dass die Renaturierung des Hirschbachs nur möglich war, weil die Hirschhof-Familie Thiele Grundstücke entlang des Bachlaufs an die Stadt verkauft hat. Inzwischen sei es der Stadt gelungen, weitere Grundstücke unterhalb des Hirschhofs bachaufwärts zu erwerben, so dass man den Hirschbach nach und nach weiter umlegen könne.

Erstmals GPS-gesteuert: Die Firma Mezger Bau aus Hüttlingen hat millimetergenau nach den Vorgaben des städtischen Tiefbauamts das mäandrierende Bachbett ausgehoben und modelliert. „Für die Firma Mezger war das die erste Baustelle, die sie GPS-gesteuert abgewickelt hat“, berichtete Robert Jenewein. Als „Schablone“ hatte das Tiefbauamt ein dreidimensionales Modell des neuen Bachlaufs entwickelt, das auf den Bordcomputer des Baggers geladen wurde. Wie tief die Baggerschaufel noch graben muss, konnte auf diese Art und Weise fortlaufend mit dem digitalen Baustellenplan ermittelt werden.

Artenschutzprojekt Steinkrebs: Genau 225 Exemplare des heimischen Steinkrebses – 135 Weibchen und 80 Männchen – haben eifrige Mitglieder der BUND-Ortsgruppe bereits im Juli ins neue Bett des Hirschbachs umgesetzt. „Der Kleinste hatte die Größe eines Fingernagels, der Größte war so lang wie ein Finger“, sagte Robert Jenewein. Er hoffe, dass sich die besonders schützenswerte, weil vom Aussterben bedrohte Art im Hirschbach ungestört weiterentwickeln könne. Denn eine latente Gefahr sei die aus Amerika eingeschleppte Krebspest. Ein Gutachter habe die Umsiedelung begleitet. Man wolle weiter überwachen, wie sich die Population im Hirschbach weiterentwickelt.

Spaziergänger dürfen sich freuen auf die farbenfrohen Blüten von Sumpfdotterblume, Kuckucksnelke, Frauenmantel ... „Wir haben Regio-Saatgut aus dem Naturraum Alpen-Vorland bereits eingebracht“, meinte Jenewein. Das Einzige, was jetzt noch fehle, sei die Bepflanzung des Uferrands mit Sträuchern.

Ausgleichsmaßnahme: Bei der Renaturierung des aktuellen Hirschbach-Abschnitts handelt es sich um eine Ausgleichsmaßnahme für das neue Wohngebiet „Wohnen am Tannenwäldle“. Sie kostete 260 000 Euro.

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Das fertiggestellte Teilstück des renaturierten Hirschbaches wurde vorgestellt.
Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle stellt den renaturierten Hirschbach vor.
Das fertiggestellte Teilstück des renaturierten Hirschbaches wurde vorgestellt.
Grünflächenamtsleiterin Maya Kohte freut sich über das gelungene Gemeinschaftswerk. Neben ihr CDU-Stadtrat Hartmut Schlipf.
Bei einem Vorort-Termin am Freitag stellte Bürgermeister Wolfgang Steidle das renaturierte Teilstück des Hirschbachs vor.
Robert Jenewein vom städtischen Grünflächen- und Umweltamt freut sich über die gelungene Umsiedelung der Steinkrebse.
In großen Schleifen mäandriert der Hirschbach nun auf einem etwa 200 Meter langen Teilstück unterhalb des Hirschhofs. Am rechten oberen Bildrand erkennt man die Hochhäuser der Aalener Heide.

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