Autokino-Fans schauen ins Leere

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Keine Hollywood-Blockbuster als Open-Air-Event. Kinobetreiber Ralf-Christian Schweizer berichtet über die Stimmung in der Branche. Und warum Netflix & Co. keine Konkurrenz sind.

Aalen

Kein sommerliches Kinogefühl im eigenen Auto. Kein mit Popcorn und Softgetränk angefüttertes Nostalgiegefühl auf dem Kinoparkplatz. In diesem Jahr müssen Fans von Hollywoodstreifen auf Großleinwand auf eine Neuauflage des Autokinos in Aalen verzichten. "So gerne ich es auch machen würde, der Aufwand ist einfach zu groß und die aktuellen Filme sind nicht da", sagt Ralf-Christian Schweizer, Betreiber des Kinoparks Aalen und Kinocenters Heidenheim.

Vor rund einem Jahr waren die Voraussetzungen bei der Thematik noch ganz andere. "Letztes Jahr gab es noch aktuelle Filme. Da hat das funktioniert. Jetzt könnte ich nur alte Filme zeigen", bedauert Schweizer. So bleibt Filmfans nichts anderes übrig, als weiterhin auf die Öffnung der Kinosäle zu warten. Wann auch immer das sein wird. Hinzu komme der finanzielle Faktor für den Kinobetreiber. "Der Aufwand ist gewaltig und ich muss Mitarbeiter aus der Kurzarbeit holen. Die Kosten muss ich alleine tragen", erläutert Schweizer seine Entscheidung. Anders sei es in Ellwangen. Dort wird im April eine Neuauflage des Autokinos auf dem Schießwasen stattfinden. "Dort zahlt die Differenz die Stadt", so der Kinobetreiber.

Durch den verordneten Lockdown ist es seit November in den deutschen Kinos zappenduster – auch im Kinopark Aalen. Durch die weltweiten Lockdowns wurden zudem Starttermine von großen Hollywoodproduktionen, wie etwa der James Bond-Streifen, mehrmals verschoben. Die fehlenden Filme der Verleiher sowie die Auflagen der Corona-Verordnung haben zudem die Besucher ausbleiben lassen.

Streamingdienste werden dem Kino nicht schaden.

Ralf-Christian Schweizer Betreiber des Kinoparks Aalen

"Wir brauchen Masse. Für eine Auslastung von nur 20 Prozent brauche ich das Kino nicht zu öffnen", sagt Schweizer. Im Sommer nach der Wiedereröffnung konnte kaum kostendeckend gearbeitet werden. Gut hingegen lief es während der Herbstferien, so Schweizer.

Kritik übt er an der Politik. "Es fehlt ein klar strukturiertes Konzept, das branchenspezifisch ist. Aktuell wird völlig perspektivlose Politik betrieben", ärgert sich der Kinobetreiber. Nötig sei ein bundesweites Konzept und nicht abweichende Regelungen für jedes Bundesland. Die Stimmung bei den Kinobetreibern sei dementsprechend schlecht. "Staatshilfen sind teilweise geflossen. Das lindert das Thema ein bisschen. Jedoch fehlt es einfach an Perspektive." Denn unklar bleibt weiterhin, wann Kinos öffnen dürfen. Um den Betrieb wieder aufnehmen zu können, brauchen Betreiber zudem etwas Vorlauf. Das könne gut vier bis sechs Wochen dauern, meint Schweizer.

Streamingdienst-Konkurrenten wie Netflix und Co. bereiten dem Kinobetreiber indes kein Kopfzerbrechen. "Ich sehe Streamingdienste als Mitbewerber und nicht als Konkurrenz. Langfristig wird das dem Kino aber nicht schaden."

Kein Autokino in Aalen, dafür in Ellwangen

Alternative: Obwohl das Autokino in Aalen 2020 sehr gut ankam, wird es keine Neuauflage in diesem Jahr geben. In Ellwangen hingegeben laufen die Vorbereitungen. Vom 15. bis zum 25. April sollen auf dem Schießwasen wieder Filme gezeigt werden.

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