Bäckertüten gegen Abzocke

  • Weitere
    schließen
+
Die Polizei wurde an ihrem Stand auf dem Aalener Marktplatz vor dem Rathaus am Freitagmorgen auch von Vertretern des Kreisseniorenrats, der Stadt und der Kreissparkasse unterstützt.

Wie Vertreter des Polizeipräsidiums auf dem Aalener Marktplatz die landesweite Präventionskampagne gegen Enkeltrick und "Falscher Polizeibeamter" starten.

Aalen

Der alte Mann nimmt den Hörer ab. Am anderen Ende der Telefonleitung erklärt ihm ein Unbekannter, dass sich falsche Bankbeamte seines Geldes bemächtigen wollen. Der Anrufer weist den Senior an, sein Privatvermögen der Polizei zu übergeben. Der verunsicherte Rentner packt sein Erspartes in einen Rucksack und legt diesen an einem zuvor abgesprochenen Ort ab. Sein Geld sieht er nie wieder.

Es ist nichts Neues: Betrüger täuschen Menschen am Telefon und zocken diese ab, behaupten, der Enkel benötige Geld oder geben sich als Polizeibeamter aus. In den vergangenen Jahren sind die Täter immer dreister und erfolgreicher geworden. Um die Bevölkerung aufzuklären, startet die Polizei länderübergreifend die Kampagne "Bäckertüte".

Am Freitag stehen fünf Beamte in Aalen vor dem Rathaus. Sie haben Informationsmaterial dabei und verteilen 300 Tüten mit frischen Brezeln. Mit dem Satz "Bei verdächtigen Anrufen sofort auflegen und die Polizei unter 110 verständigen", der auf den Tüten abgedruckt ist, soll die Bevölkerung sensibilisiert werden.

Die Lage wird immer dramatischer.

Günter Höschle Vorsitzender Kreisseniorenrat

Sascha Gold vom Polizeipräsidium Aalen, Abteilung Prävention, hat an diesem Tag bereits zahlreiche Gespräche geführt. "Viele Opfer genieren sich und erzählen es nicht weiter", sagt er. Dabei habe das Opferverhalten bei Enkeltrick- oder falscher Polizeibeamter-Anrufen nichts mit Naivität zu tun, wie er betont. "Das sind professionelle Betrüger, die geschult sind."

Polizeipräsident Reiner Möller ist auch vor Ort, er sieht seit zwei Jahren eine deutliche Steigerung der Betrugsmaschen. "Wir brauchen ein breites Netzwerk – Seniorenverein, Familien, Ämter, und Banken müssen ebenfalls aufmerksam machen", regt er an. Auch das Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Ostalb, Dr. Christof Morawitz, hat sich angeschlossen: "Wir schulen unsere Mitarbeiter, dass sie ein Gespür dafür entwickeln, wenn etwas mit den Kunden nicht in Ordnung ist." So konnten Sparkassenangestellte den Enkeltrick schon öfter unterbinden. "Die Lage wird immer dramatischer", sagt Kreisseniorenratsvorsitzender Günter Höschle. Doch: "Wir Senioren bleiben weiter am Ball." Bürgermeister Karl-Heinz Ehrmann dankt den Polizeikräften: "Jeder Euro, der nicht in die falschen Hände fällt, ist Ihr Verdienst."

Diese Partner unterstützen die Maßnahme "Bäckertüte": Die Kreissparkassen Waiblingen, Schorndorf und Ostalb sowie die Sparkasse Schwäbisch Hall-Crailsheim, der Landesinnungsverband für das Württembergische Bäckerhandwerk, die Bäckerinnung Hohenlohe, BÄKO Region Stuttgart-Nord und ausgewählte Bäckereien.

Rekordhoch bei den fiesen Tricks am Telefon

Im Jahr 2019 wurden im Bezirk des Polizeipräsidiums Aalen 301 Enkeltrick-Taten mit einer Schadenshöhe von 504 699 Euro registriert, wie die Polizei mitteilt. Im Fünfjahresvergleich sei das der höchste Stand. Erfreulich ist: In 277 Fällen seien die Opfer nicht auf die Betrugsmasche hereingefallen. Landesweit stiegen die Fallzahlen mit dem "Enkeltrick" um 87,6 Prozent von 1489 auf 2793 Fälle. 24 Fälle konnten aufgeklärt werden.

Rekordzahlen auch bei der Betrugsmasche "Falscher Polizeibeamter": Hier verzeichnet allein das Polizeipräsidium Aalen einen Anstieg um 48 Straftaten im Jahr 2018 auf aktuell 982 Fälle, wie die Polizei bekannt gibt. Ein Glück: Rund 96 Prozent aller Taten blieben im Versuchsstadium. Trotzdem schafften es die Täter, einen Vermögenswert von 1,012 Millionen Euro zu ergaunern. Landesweit haben sich die Zahlen von 7 777 auf 14 125 Fälle fast verdoppelt, 366 Fälle wurden aufgeklärt, informiert die Polizei in ihrer Statistik. BW

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL