Barfüßer Aalen wird Franchise-Gastro

+
Die Geschäftsführer der Barfüßer-Gruppe vor dem Rohbau des Barfüßer-Brauhauses in der Helferstraße. Von links: Dominik Krüger, Eberhard Riedmüller und Marcus Krüger.
  • schließen

Das große Aalener Gastro-Projekt mit 49 Studentenapartments in den Obergeschossen ist auf der Zielgeraden. Warum es ein Brauhaus, aber keine Hausbrauerei wird.

Aalen

Schon seit 2017 sind die Investoren in der Spur. Jetzt endlich scheint das Barfüßer-Projekt auf dem Gelände des ehemaligen Stadtbiergartens auf der Zielgeraden. „Der Rohbau ist fast fertiggestellt, die Fenster werden schon montiert. Das Dach kommt schätzungsweise in den nächsten zwei Wochen drauf“, sagt Eberhard „Ebbo“ Riedmüller (69), einer der beiden Investoren des Projekts.

Allmählich beginnt der Endspurt: Die 49 Studentenapartments über dem Barfüßer-Brauhaus sollen Ende dieses Jahres bezugsfertig sein. „Das Lokal könnte dann im Frühjahr 2023 eröffnen. Eine ideale Zeit für die Gastronomie, weil dann auch gleich die Außenfläche genutzt werden kann“, meint Marcus Krüger (42). Gemeinsam mit seinem Bruder Dominik Krüger (36) und seinem Onkel „Ebbo“ Riedmüller teilt er sich die Geschäftsführung der Barfüßer-Gruppe.

"Das Barfüßer-Brauhaus in Aalen könnte im Frühjahr 2023 eröffnen."

Marcus Krüger, Mitgeschäftsführer Barfüßer-Gruppe

Im Frühjahr 2017 vorgestellt

Doch zur Wahrheit gehört auch: Das Geschäftsführer-Team ist nicht gerade glücklich darüber, wie das Aalener Projekt gelaufen ist. „So etwas braucht man nicht noch einmal im Leben“, rutscht es Eberhard Riedmüller heraus. Das aber, schickt er hinterher, habe rein gar nichts mit der allgemeinen Baukostensteigerung zu tun, die die Kosten des im Frühjahr 2017 zum ersten Mal vorgestellten 6,5-Millionen-Projekts um schätzungsweise 20 Prozent nach oben getrieben habe.

Um wie viel genau? Die Antwort bleibt Riedmüller schuldig. Über Zahlen redet der Ulmer Großgastronom nicht gerne, der gemeinsam mit seinem Compagnon Josef Kurz, einem Memminger Unternehmer, die Finanzierung stemmt.

Baustart wiederholt verschoben

Dass Riedmüller den Aalener Barfüßer-Bau nicht gerade als eines seiner Erfolgsprojekte bezeichnet, hat andere Gründe. Immer wieder musste der Baubeginn, der ursprünglich im Herbst 2017 erfolgen sollte, verschoben werden. Vor allem strenge Vorgaben des Denkmalschutzes zogen das Genehmigungsverfahren erheblich in die Länge.

Franchisenehmer gesucht

Und das wiederum, so Riedmüller, führte dazu, dass das Aalener Objekt nun zeitlich mit anderen Projekten der Barfüßer-Gruppe kollidiert, die sich in der Planung oder ebenfalls schon im Bau befinden. Darum habe man sich nun entschieden, die Organisation des Gastrobetriebs in Aalen zu delegieren. „Wir wollen mit dem Aalener Barfüßer erstmals ins Franchisesystem einsteigen“, sagt Marcus Krüger. Die geplante Eröffnung im Frühjahr 2023 sei für einen künftigen Franchisenehmer ideal, „weil er dann gleich die Außenflächen mit rund 200 Sitzplätzen mitnutzen kann.“

Ohne Hausbrauerei

Und noch etwas wird im Aalener Barfüßer anders: Riedmüller spricht für Aalen von einem Barfüßer-Brauhaus, aber nicht von einer Barfüßer-Hausbrauerei, wie sie bislang in allen seinen bestehenden Lokalen betrieben wird.

Sprich: In Aalen werden die Kupferkessel im Gastraum lediglich Deko sein, es wird nicht vor Ort gebraut. „Aber der Gast bekommt das gleiche Bier serviert wie in unseren Hausbrauereien“, betont Marcus Krüger. Dass man in Aalen auf eine Hausbrauerei verzichte, habe nichts mit Einsparungen zu tun. Die Ursache seien gebäudetechnische Probleme. „Das hat etwas mit der Last und der Höhe der Räumlichkeiten zu tun“, ergänzt Riedmüller.

Bedeutet: Aalen bekommt das Bier geliefert von der zentralen Barfüßer-Manufaktur in NeuUlm.

Ursachen für die Bauverzögerung

Die archäologischen Grabungsarbeiten im Auftrag des Landesdenkmalamtes zogen sich länger hin als erwartet, nachdem wichtige Hinweise auf eine hier ansässige Gerberei im Mittelalter und das historische Skelett eines Jugendlichen zutage gefördert worden waren. Erst nach Beendigung der Ausgrabungsarbeiten war klar, dass auch ein Kellergeschoss gebaut werden kann. Entsprechend musste das Baugesuch nachgebessert werden.

Daneben spielten auch andere Probleme mit, die nicht einfach zu lösen waren. Denn das Genehmigungsverfahren mit vielen gesetzlichen Vorschriften für einen Neubau in der beabsichtigten Größe mitten in der Innenstadt sind vielfältig und enorm aufwendig. Erschließung, Stellplatzbedarf und die Erfüllung der Brandschutzvorschriften im Zusammenspiel mit den strengen Vorgaben des Denkmalschutzes sind nur einig der Kriterien, die geprüft werden mussten.

Kopfzerbrechen bereitete den Genehmigungsbehörden sicher auch das 300 Jahre alte Fachwerkhaus am Eck Helferstraße/An der Stadtkirche, das saniert und in das Barfüßer-Großprojekt eingebunden wird. Im Jahr 2019 stellte sich dann zudem noch heraus, dass eben dafür ein Statikgutachten angefertigt werden muss, um sicherzugehen, dass das historische Häusle beim Abbruch der Essbar stehenbleibt.

  • Barfüßer-Gruppe: Daten, Zahlen, Fakten
  • Eberhard Riedmüller (69) ist der Unternehmensgründer Barfüßer-Gruppe mit Sitz in Ulm. Der gelernte Bäcker und Konditor hat sich Ende der 1970er Jahre selbstständig gemacht mit einer Pilsbar in Ulm. 1990 hat er dann in Ulm den ersten Barfüßer eröffnet. Inzwischen ist das Unternehmen zu einem kleinen Imperium gewachsen. 
    Jahresumsatz und Mitarbeiter: Aktuell beschäftigt die Barfüßer-Gruppe rund 800 Mitarbeiter und notierte eigenen Angaben zufolge in den Zeiten vor Corona allein im Gastro- und Hotelleriebetrieb einen jährlichen Gesamtumsatz von etwa 35 Millionen Euro. In den nächsten zwei bis drei Jahren, so Marcus Krüger, seien weitere rund 500 Mitarbeiter prognostiziert. 
    Das Manufakturbier: Die Barfüßer-Gruppe beschäftigt insgesamt sechs Brauer und drei Braumeister in der zentralen Biermanufaktur in Neu-Ulm und vor Ort in den einzelnen Hausbrauereien.
    Barfüßer-Hausbrauereien gibt es bislang in Ulm, Weißenhorn, Reutlingen, Pfullendorf und Neu-Ulm. Eine Hausbrauerei mit Hotel wird derzeit in Göppingen gebaut, und eine Hausbrauerei in Singen. In Planung befinden sich weitere Standorte etwa in Biberach und in Giengen
So soll das denkmalgeschützte 300 Jahre alte Fachwerkhaus in das Aalener Barfüßer-Projekt integriert werden. Visualisierung: Architekten Huber Steinhauser + Partner Ottobeuren

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Mehr zum Thema

Kommentare