Batterien leben zweimal

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Am Wohnquartier Röthenberg in Aalen sind die "Second-Life-Batterien" an das Netz gegangen.
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Die Hochschule Aalen und Reutlingen sowie die Stadtwerke Aalen nutzen ausgediente E-Auto-Batterien als Energiespeicher.

Aalen

Ausgediente Elektroauto-Batterien wegwerfen, zerlegen oder gar verbrennen? Nicht nötig: Im neuen Aalener Wohnquartier Rötenberg speichern drei Batterien, die früher in Testfahrzeugen von Volkswagen steckten, jetzt den überschüssigen Strom von drei Blockheizkraftwerken und drei Photovoltaikanlagen. Ein Forschungsprojekt der Hochschulen Aalen und Reutlingen sowie der Stadtwerke Aalen ermöglicht den Batterien nun ein zweites Leben: Damit sind sie rund 20 statt bisher zehn Jahre einsetzbar.

Untergebracht sind die E-Auto-Batterien in einer Art Trafohäuschen am Rand des Quartiers Rötenberg. Die Wohnungsbau Aalen hat hier sieben Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 71 Wohnungen erstellt. Die Batterien sind auf standardisierten Regalsystemen mit Rollen gestapelt und an das Netz der Wohnsiedlung angebunden. So können sie den überschüssigen Strom aufnehmen und bei Bedarf wieder an die Haushalte abgeben. „Ziel ist, möglichst wenig elektrische Energie mit dem öffentlichen Netz auszutauschen“, sagt Norbert Saup, Prokurist der Stadtwerke Aalen. Dieses Ziel sei bereits im Testbetrieb, der nun seit etwa einer Woche läuft, erreicht worden.

In E-Autos haben die Batterien bereits ausgedient, wenn sie nur noch 70 bis 80 Prozent ihrer Restkapazität erbringen: Hier ist volle Leistung nötig. Ganz anders in ihrem zweiten Leben als Energiespeicher – unter milderen Lade- und Entladebedingungen. Sie werden nicht vollständig aufgeladen, nicht vollständig entladen und mit geringerer Last betrieben.

Was die Anlage, die im Projekt „Second Life Speicher in Smart Grids“ am Lehrstuhl für Erneuerbare Energien der Hochschule Aalen entwickelt wurde, einzigartig, nachhaltig und wirtschaftlich macht: Hier können die ausgedienten Batterien als Ganzes verwendet werden und müssen nicht in Einzelteile zerlegt werden. „Die Batterien sind ja auch als Ganzes getestet und zertifiziert“, betont Prof. Dr. Martina Hoffmann, Leiterin des Aalener Lehrstuhls. Sie beschreibt die Herausforderung, diese Batterien an das Stromnetz anzubinden: „Sie besitzen ein eigenes Managementsystem, das ganz auf ein Auto ausgerichtet ist. Wir mussten den Batterien vorgaukeln, dass sie weiterhin in Autos verbaut sind.“

Weiterer Partner in dem Forschungsprojekt, das vom Landesumweltministerium gefördert wird, ist die Hochschule Reutlingen. Sie erhebt aus dem Betrieb der Speicher Prognosedaten für die Stromerzeugung und den Stromverbrauch. So kann im Voraus berechnet werden, wann es sinnvoll ist, die Blockheizkraftwerk in Betrieb zu nehmen oder die PV-Anlagen zu nutzen und die Anlage damit optimal zu steuern.

Für Martina Hoffmann ist die Technologie, die sich skalieren – also erweitern – lässt, auch eine Art, die Zeit zu überbrücken, bis wirtschaftlich und ökologisch sinnvolles, vollständiges Recyceln der E-Auto-Batterien möglich ist. Immerhin sind die verwendeten Rohstoffe teils sehr knapp. Und es sollen nach den Plänen der Bundesregierung bis 2030 zwischen sieben und zehn Millionen Elektrofahrzeuge in Deutschland neu zugelassen werden. „Bei uns liegen auf dem Hof noch einige Batterien“, zeigt sich Norbert Saup von den Stadtwerken offen für weitere Pilotprojekte.

Am Wohnquartier Röthenberg in Aalen sind die "Second-Life-Batterien" an das Netz gegangen.
Am Wohnquartier Röthenberg in Aalen sind die "Second-Life-Batterien" an das Netz gegangen.

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