Bauplatzvergabe: wer bessere Chancen haben könnte

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Die Vergaberichtlinien für Bauplätze sollen geändert werden. 
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Die Vergaberichtlinien für Bauplätze sollen geändert werden. Die wichtigsten Neuerungen wurden nun von der Stadtverwaltung vorgestellt.


Aalen. Einen Bauplatz in Aalen zu bekommen, das scheint einem Glücksspiel zu gleichen. Doch das ist es nicht. Es gibt ein Punktesystem, das Vergaberichtlinien folgt. Nun sollen diese Richtlinien geändert werden. Im Ausschuss für Umwelt, Stadtentwicklung und Technik (AUST) wurden die von der Stadtverwaltung vorgeschlagenen Änderungen am Donnerstag eingebracht.

„Es wurden zusätzliche Punkte aufgenommen, damit auch Menschen ohne Wohneigentum eine bessere Chance haben, zu Wohneigentum zu kommen“, so OB Frederick Brütting vorab. Nachgeschärft habe man beispielsweise beim Ortsbezug und bei bestehendem Eigentum. Neu ist ein zusätzlicher Vergabegrundsatz für Ärzte. Ehrenamtliches Engagement soll zukünftig ebenfalls berücksichtigt werden.

Die wichtigsten Änderungen:

Wohnsituation und Eigentumsverhältnisse: 1 Zusatzpunkt sollen Kaufinteressenten bekommen, die Eigentümer einer selbst genutzten Wohnung sind, die nach dem aktuellen Landeswohnraumförderprogramm unzureichend ist.

Ehrenamtliche Tätigkeit: 1 Zusatzpunkt soll es für Interessenten geben, wenn deren ehrenamtliche Tätigkeit in dem Teilort ausgeübt wird, in dem sich der Bauplatz befindet.

Ortsbezug: Maximal 3 weitere Punkte soll es geben, wenn der Kaufinteressent mit besonderem Bezug zur Stadt Aalen zudem seinen Wohnsitz in dem Teilort hat, in dem sich der Bauplatz befindet, ebenso drei Punkte, wenn sich in dem Teilort die Arbeitsstelle befindet.

Bestehendes Eigentum: Neu ist, dass Antragssteller, die bereits einen baureifen Wohnbauplatz von der Stadt erworben haben, von der Vergabe ausgeschlossen sind. Bisher werden sie nach den aktuell geltenden Richtlinien behandelt.

Verkauf an Bauträger: An diese, aber zukünftig auch an Investoren und Privatpersonen, die das Bauvorhaben nicht selbst bewohnen, werden keine Einzelhausbauplätze für freistehende Ein- oder Zweifamilienhäuser abgetreten, jedoch Baugrundstücke für Doppel, Reihen- und Mehrfamilienhäuser.

Neu aufgenommen werden sollen folgende Punkte:

Öffentliche Ausschreibung: Jeder Bauplatz, auf dem Haus errichtet werden kann, wird mindestens einmal im amtlichen Mitteilungsblatt der Stadt und in den Ortschaften ausgeschrieben.

Ärztliche Grundversorgung: Die Stadt Aalen behält sich das Recht vor, Bauplätze für Ärzte zurückzubehalten, die sich vertraglich verpflichten in der Ortschaft zu praktizieren.

Selbstbezugsverpflichtung: Die Erwerber der städtischen Ein- oder Zweifamilienhäuser müssen sich vertraglich verpflichten, dass zu errichtende Wohngebäude 10 Jahre lang selbst zu bewohnen.


Andrea Hatam (SPD) lobte in der Aussprache die Änderungen, merkte aber an: „Hat man kein Kind, hat man nach wie vor keine Chance, einen Bauplatz zu bekommen.“ Dies berücksichtige nicht den Verlauf von Familiengründung. Der Punkt, dass ein Arzt genau in dem Teilort praktizieren muss, in dem er den Bauplatz hat, sei „sehr eng gefasst“.

Bei den Mehrfamilienhäusern sollten gesonderte Vergaberichtlinien eingearbeitet werden in punkto Nachhaltigkeit, so Sigrun Huber-Ronecker (Grüne). Besonderes Augenmerk solle man auch auf Familien richten, die bereits pflegebedürftige Menschen versorgen.

Thomas Wagenblast (CDU) lobte das klare Bekenntnis zu den Teilorten, Ehrenamt, Wohnsitz und Arbeitsplatz durch die geplanten Änderungen. Es biete mehr Chancen auf einen Bauplatz für Menschen, die in der Region verwurzelt seien.

Jürgen Opferkuch (Freie Wähler) bemerkte, dass die Konkurrenzlage für Bauplätze wohl nicht abzuschaffen sei. Wichtig sei es aber, dafür zu sorgen, dass jemand nicht* einfach nur sein Kapital günstig anlege. Die Frage der Gewichtung Kinder versus Versorgung älterer Bürger, etwa über eine Einliegerwohnung, sei schwierig.

Christa Klink (Linke) regte die Aufnahme weiterer sozialer Aspekte an und nannte das Beispiel der Stadt Ulm. Manfred Traub (Zählgemeinschaft) appellierte, die Vergaberichtlinien immer einzuhalten. Dies sei in der Vergangenheit nicht immer der Fall gewesen.

Der Entwurf der Verwaltung sollen nun mit einigen Änderungen in den Ortschaftsräten vorberaten werden, bevor es im AUST nochmal darum gehen wird. Am 21. Juli soll dann der Gemeinderat die neuen Richtlinien verabschieden.

*Aktualisierung: In der zuerst veröffentlichten Version fehlte das Wort „nicht“ in der Aussage.

Die Vergaberichtlinien für Bauplätze sollen geändert werden. 

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