Ben Retetzki, der neue Leiter der Stoa und seine Pläne

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Ben Retetzki ist der neue Leiter der Spiel- und Theaterwerkstatt Ostalb STOA.
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Der 29-Jährige Theaterpädagoge hat zuletzt für die Junge Bühne Ulm gearbeitet. Wie er zum Theater kam und was ihm dabei wichtig ist.

Aalen

Beim Kanufahren, Reiten und Wandern  in Argentinien, da wurde es ihm klar: Theater, das ist das, was er machen will.  Das ist schon ein Weilchen her - in Argentinien war Ben Retetzki nach seinem Abitur und arbeite dort ein halbes Jahr lang auf einer Tourismusfarm als Erlebnispädagoge. Nun wird er demnächst 30 Jahre alt und ist mittlerweile der neue Leiter der Spiel- und Theaterwerkstatt Ostalb, kurz STOA. Dort hat der gebürtige Aachener einiges vor. Unter anderem will er einen neuen Schwerpunkt in der Arbeit des Vereins setzen. 

„Mit den Schulklassen zu arbeiten, das war das, was mich am meisten begeistert hat“, sagt Retetzki. Theaterbegeisterung kam dazu, die für Kunst obendrauf und so studierte er in Bremen Theaterpädagogik. Danach öffnete er den Fächer für alles, was mit Schauspiel und Bühne zusammenhängt. Musiktheaterpädagogik, Tanz, Performance - „um überall sein zu können“, sagt er. Die Liste seiner bisherigen Stationen ist schon lang und eindrucksvoll. Bereits während des Studiums arbeitete Ben Retetzki für das Thalia Theater Hamburg und die Hamburger Symphoniker, später für die Junge Akademie Stuttgart,  Akademie der Künste Ulm, Stadt Ulm, das Schlosstheater Celle, die Junge Ulmer Bühne - von 2018  bis 2021 übernahm er dort die Leitung der Theaterpädagogik. „Da durfte ich sehr viel aufbauen“, erzählt der STOA-Leiter. Dort habe er auch seine Leidenschaft für die Regie entdeckt. Und den Wunsch, die Regiearbeit zu verstärken. Nun also ist er künstlerischer Leiter und Geschäftsführer der STOA: „Die STOA ist ein Geschenk für mich. Hier kann ich beides kombinieren. Regie und Theaterpädagogik“, sagt er.

Erfolgsdruck als Thema

Und verlängert seine Liste nicht nur um diese Station. Obendrauf ist Ben Retetzki auch noch als Theaterpädagoge mit im Boot bei den Opernfestspielen Heidenheim. „Ich wohne jetzt in Heidenheim, da kann ich gut die Achse zu Aalen schlagen - und auch zu Bayern“, sagt er.  Retetzki leitet im Theater auf der Aal die Dramen Damen und das T.O.A., coacht zudem die Aaleswisser und die Improvisationsgruppe. Ein neues Stück ist bereits in der Pipeline. „Jeder rettet einen Afrikaner“. Auf die Bühne bringen will er auch den „Schwalbenkönig“. Ein Einmannstück aus dem Kinder- und Jugendtheaterbereich. Das Schwitzen, die Pickel, das Stinken - das gehöre zur Identitätsfindung von Teenagern, ebenso der Erfolgsdruck und Sexualität.

Nachhaltigkeit und langer Atem

Zudem habe er „das utopische Ideal“ mit Kooperationspartner ein professionelles Ensemble mit Menschen mit Behinderungen aufzubauen. Menschen mit Down Syndrom seien sehr kreativ, sagt Retetzki. Zwei Geschwister hat er noch - seine Schwester ist Heilerziehungspflegerin, sein Bruder Influencer für Computerspiele. „Ja, das gibt es. Das ist eine ganz andere Welt“, sagt er. Retetzkis Welt dagegen ist die Natur . Er reitet, geht spazieren, um den „Kopf zu sortieren.“ Er war Chorkind und kann sich vorstellen, wieder mehr zu singen. „Eigentlich ist Gesang mein Steckenpferd gewesen“, erinnert er sich. Musical sei ihm aber immer ein wenig zu perfekt gewesen, zu unfrei. „Und ich bin jetzt auch nicht der Schauspieler“, gesteht der Theaterpädagoge.

  25 Stunden arbeitet er für die STOA, hat schon ein Instagramprofil angelegt, Tiktok soll folgen. „Mir ist wichtig, dass jeder gesehen wird, die Menschen sollen nicht in den Hintergrund rutschen. Ich versuche auf jeden Fall, transparent zu sein.“ In der Kunst sei es wichtig, dass man sich nicht erschöpft, Nachhaltigkeit und ein langer Atem, das sind die Dinge, die man braucht.

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