Blitzerattrappe: Was der Raser-Schreck bewirkt

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Die beiden Söhne der Familie Schebesta, Jonas (19) und Jannik (21), haben gemeinsam mit ihrem Vater Ralf etwas gebaut, was einem Blitzer täuschend ähnlich sieht. Aufgestellt wurde die Attrappe kurz nach dem Ortsschild im Rauental.
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Familie Schebesta hat genug von schnellen Autofahrern im Rauental und hat etwas gebaut, was einem Blitzer gewaltig ähnlich sieht.

Aalen-Oberrombach

Er war eigentlich als Scherz für den ersten Mai gedacht. Er sollte Raser abschrecken und zum langsam Fahren animieren: der Blitzer in der Auffahrt des Hauses von Familie Schebesta. Die wohnen seit etwas mehr als zwei Jahren im Rauental und haben das Problem selbst in die Hand genommen: Das sind die Raser. Und die lassen sich von Ortsschild und dem Hinweis auf Radarkontrollen nicht beeindrucken, sondern drücken weiter aufs Gas.

Manchmal, erzählt Petra Schebesta, sei auf der einen Seite ein mobiler Blitzer aufgestellt, in der Hecke. "Aber jetzt schon lange nicht mehr." Die Mutter vermutet, dass viele Autofahrer bereits die Stelle kennen. "Die schauen, ob der Blitzer in der Hecke steht. Wenn nicht, wird wieder aufs Gaspedal gedrückt."

Einige dieser Raser seien Studenten auf dem Weg zur Hochschule, vermutet sie. Um dem Verkehr auf der B29 auszuweichen, nutzten viele diese Abkürzung über Unterrombach.

Die 13-jährige Tochter Jasmin steht gemeinsam mit anderen Schülern oft an Bushaltestelle, an der zu den Hauptverkehrszeiten die Autos vorbeibrettern. Denn die Schüler warten nicht wie vorgesehen in der Einbuchtung auf den Bus, sondern vorn an der Straße.

"Ich habe mich immer gewundert, warum keiner am Haltestellenschild steht", so Schebesta, "aber nur etwa einer von zehn Bussen fährt auch wirklich die Haltestelle an." Die meisten holten ihre Fahrgäste vorn an der Straße ab.

Es hat etwa zwei Wochen super funktioniert.

Petra Schebesta Anwohnerin

In Abtsgmünd, wo die Familie vorher gelebt hat, seien die Kinder zu Fuß zur Schule gegangen: "Das war das komplette Gegenteil. Da hatten sie einen sehr ruhigen Schulweg." Im Rauental gebe es nun Stau, Lärm und Raser. Davon hatte Familie Schebesta genug. Eine Lösung musste her. Vom Terrassenbau war noch ein Stück einer Röhre übrig. Vater Ralf und seine Söhne Jonas (19) und Jannik (21) machten sich an die Arbeit, umwickelten das Rohr mit grauem Klebeband, ließen es aussehen wie eine Blitzersäule und stellten die in Straßenrandnähe. Und die Idee fruchtete – zumindest die erste Zeit.

"Es hat etwa zwei Wochen super funktioniert", erzählt Petra Schebesta freudig. Als die Autofahrer die neue Blitzerattrappe kurz nach dem Ortsschild bemerkt haben, haben sie abgebremst. Und das kam nicht nur bei Familie Schebesta gut an: In der WhatsApp-Gruppe, in der einige Rauentaler kommunizieren, hätten sich alle riesig gefreut – endlich tut jemand was gegen die Raser. Doch bald folgte die Ernüchterung, so Schebesta: "Nun hat man das Gefühl, dass sie jetzt extra wieder Gas geben."

Trotzdem hat Petra Schebesta längst vorgeschlagen, den Blitzer wieder abzubauen. Der Überraschungseffekt ist verpufft, die Raser nehmen keine Rücksicht mehr. Doch bei anderen aus der Nachbarschaft scheint das Werk beliebt zu sein: "Wir wurden schon gefragt, ob wir es bei anderen aufs Grundstück stellen", sagt die Mutter lächelnd.

Es wären wohl einige Rauentaler froh, über ein paar Tage, in denen der Verkehr nicht am Haus vorbeipfeift.

Ist es erlaubt, eine Blitzerattrappe aufzustellen?

Das sagt die Polizei: Grundsätzlich gilt, wie Holger Bienert, Pressesprecher der Polizei Aalen, wissen lässt: "Auf dem eigenen Grundstück ist das vermutlich eher nicht zu beanstanden."

Das sagt die Stadtverwaltung: Und auch die Aalener Stadtverwaltung teilt mit: Grundsätzlich sei es nicht verboten, auf dem eigenen Grundstück eine Attrappe aufzustellen. Es sei denn, es würde eine Gefahr für den Straßenverkehr davon ausgehen. Das könnte zum Beispiel der Fall sein, wenn es tatsächlich blitzen oder blenden würde. Das jedoch tut die Attrappe im Rauental nicht.

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