Blumenwiese - ohne Schnitt keine Pracht

+
Auf einem Quadratmeter Blumenwiese können bis zu 50 verschiedene Pflanzenarten leben.
  • schließen

Der Natur freien Lauf lassen? Warum die Alternative zum Zierrasen trotzdem Pflege braucht, wenn sich Ferkelkraut & Co. nicht säuisch ausbreiten sollen.

Aalen. Dicht wie ein Teppich. Geschnitten wie mit der Nagelschere. Kein Löwenzahn, kein Gänseblümchen. Ein gleichmäßig grüner Zierrasen ist noch immer der Traum vieler Hobbygärtner. Für Christiane Karger, Fachberaterin für Obst- und Gartenbau im Landratsamt, ist er eher ein Albtraum. Nicht nur, weil dessen Pflege „ein Heidengeschäft“ sei, sondern weil er Flora und Fauna kaum Lebensraum und Nahrung biete, „höchstens ein paar Ameisen und Engerlingen“. Karger: „Außerdem halte ich es nicht für verantwortlich, kostbares Trinkwasser zu verballern, nur um den Rasen grün zu halten.“ Als ökologische Alternative zum Zierrasen rät sie zur Blumenwiese. 

Blumenwiese - nicht nur Blumen: Sogenannte Blumenwiesen sind eine Kombination aus Gräsern und mindestens 50 Prozent blühenden krautigen Blumen. Das Auge darf also genießen. Wer aber Grünfläche haben möchte zum Kicken, Barfußlaufen oder zum Picknicken, dem rät die Gartenbaufachberaterin eher zu Zierrasen, kombiniert mit Blühstreifen oder Blühsaum an den Rändern. Mit wenig Aufwand, sagt sie, könne man trotzdem einen ökologischen Beitrag leisten. Ein Quadratmeter Blumenwiese kann 40 bis 50 Pflanzenarten beherbergen. Er bietet Lebensraum und Nahrung für Tiere von der Eidechse über Spitzmäuse, Insekten bis hin zu Vögeln. 

Saatgut für die Blumenwiese: Soll es eine sogenannte einjährige Wiese werden oder möchte ich sie gleich für mehrere Jahre anlegen? Bei der sogenannten einjährigen Samenmischung sind die Pflanzen nicht winterhart. Die mehrjährige Mischung ist nach Expertenmeinung ökologisch wertvoller, erst recht, wenn man eine Saatgut-Mischung aus regionalen Pflanzen wählt. Zur Orientierung empfiehlt Gartenbauingenieurin Karger, auf das Zertifikat „Regio-Saatgut“ zu achten. 

Aussäen: Günstige Aussaat-Monate sind April/Mai oder September, bis etwa Mitte Oktober. Der Boden sollte nicht zu gehaltvoll sein. Blumenwiesen-Saatgut ist oft sehr fein. Christiane Karger rät: „Mit Sand oder Sägemehl vermischen, dann kann man es besser ausbringen.“ Schutz vor Austrocknung und hungrigen Vögeln bietet anschließend eine dünne Schicht Vlies oder leicht angetrockneter Rasenschnitt. Die Blumenwiese-Samen brauchen Feuchtigkeit, um zu keimen. Bei Trockenheit wird empfohlen, die Fläche zwei bis drei Wochen lang etwas wässern. 

Und dann: Geduld! Drei bis vier Wochen kann es dauern, bis sich die ersten zarten Grashalme und Pflanzen zeigen. „Anfangs sind solche Flächen auch nicht gleichmäßig grün, sondern gleichen eher einem Flickenteppich mit Löchern“, sagt Christiane Karger. Breiten sich einzelne Kräuter wie beispielsweise Vogelmiere, Löwenzahn, Ferkelkraut oder auch Giersch, Quecke und Gartenkresse überproportional aus, hilft nur Jäten. Karger: „Man kann die Fläche auch mähen, was die unerwünschten Kräuter schwächt. Wir nennen das Schröpf-Schnitt.“

Die Pracht befeuern: Damit die Blumenwiese länger hält, müssen sich die Pflanzen aussamen können. Dazu brauchen sie Platz. Den verschafft ihnen der Hobbygärtner mit ein bis drei Schnitten im Jahr. Als Faustregel gilt: Wenn die Margeriten blühen, mit der Sense oder einer großen Schere die Fläche mähen und den Schnitt zwei, drei Tage liegenlassen. Die Samen haben dann Gelegenheit, nachzureifen. Weitere Schnitte sind auch im März/Anfang April und im Spätsommer möglich.

Jedes Jahr ein anderes Bild: Blumenwiesen können jedes Jahr anders aussehen, weiß die Gartenbau-Fachberaterin. Unter anderem spiele das Wetter eine Rolle, aber auch der Standort. Karger: „Es etablieren sich die Pflanzen, die mit den dort herrschenden Bedingungen am besten zurechtkommen. Trotzdem muss man hin und wieder regulierend eingreifen.“

"Anfangs sehen Blumenwiesen aus wie ein Flickenteppich mit Löchern."

Christiane Karger, Kreis-Fachberaterin für Obst- und Gartenbau
Fürs Fußballspielen ungeeignet: die Blumenwiese
Blumenwiesen sind eine Mischung aus Gras und sogenannten Kräutern.

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Mehr zum Thema