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Bomben auf das Aalener Bahnhofsgelände

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Mit Luftbildern dieser Art untersuchten die US-Streitkräfte, ob bei Angriffen die beabsichtigten Ziele getroffen wurden. In der linken Bildhälfte: Bombentrichter in den Gleisen. Rechts das heutige „Stadtoval“, früher Bahnanlagen und Lokschuppen.
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Liegt eine Fliegerbombe im Aalener Tannenwäldle als Blindgänger? Als die Menschen in der Stadt am 17. April 1945 auf einen ruhigen Dienstagabend hoffen, kommt es knüppeldick: In zwei Wellen greifen Mittelstreckenbomber der US-Luftstreitkräfte das Heereszeugamt und die Anlagen des Bahnhofs an.

Es ist nicht der erste Fliegerangriff, den Aalen im Frühjahr 1945 erlebt. Doch der erste Luftangriff am 20. Februar kann eigentlich nur als ein Geplänkel angesehen werden. Erst von Ostern an (Anfang April) werden die Angriffe ernsthaft und verursachen größere Sachschäden. 14 Tage nach dem Osterfest wollen die alliierten Luftstreitkräfte das Heereszeugamt und den Eisenbahnknotenpunkt Aalen zerschlagen: Am 17. April 1945, einem Dienstagmorgen, greifen Jagdbomber das Bahnbetriebswerk an, zerstören den Lokschuppen und sechs Lokomotiven.

Verdacht auf Fliegerbombe am Tannenwäldle

Zweimotorige Mittelstreckenbomber des Typs Martin B-26F „Marauder“ bombardierten Aalen am 17. April 1945.

Um 18.30 Uhr, als die Menschen schon auf einen ruhigen Abend hoffen, heult erneut Fliegeralarm auf. Diesmal rasen nicht die Jagdbomber über die Stadt, sondern aus Richtung Essingen brummen 32 Marauder-Bomber heran: zweimotorige Flieger, von denen jeder eine überschwere Bombe trägt.

Flucht in den Luftschutzstollen

Einer davon liegt unmittelbar östlich des Bahnhofs beim Gaswerk. Dort gehört der spätere Kreisarchivar Bernhard Hildebrand zu denen, die die Erschütterungen spüren, davon am stärksten die Bombeneinschläge, die den Bahnübergang bei der „Neuen Welt“ umpflügen.

Zerbombter Beton und zerstörte Blechdächer der Bahnsteige im Aalener Bahnhof. Auch das Bahnhofsgebäude wird schwer getroffen.

Was Hildebrand und die Menschen in seiner Umgebung nicht ahnen: Es kommt noch schlimmer, ein zweiter Bombenangriff folgt unmittelbar. Er hat den Bahnhof zum Ziel. „Plötzlich beginnt der Stollen unter ganz nahen Bombeneinschlägen zu schwanken“, berichtet Hildebrand in seinem später in Auszügen veröffentlichten Tagebuch. „Harte Schläge treffen die Deckung, durch den Eingang dringt das Krachen einer schweren Detonation, zugleich Staub und Gas. Hüte werden von den Köpfen gerissen, Steine in den Stollen geschleudert. Eine Panik bricht aus. Alles drängt zum Ausgang in der Hirschbachstraße, da man den Eingang hinter dem Gaswerk für verschüttet hält. Meine Nachbarin hat sich an mich geklammert und bittet mich, sie doch nicht zu verlassen.“

Bernhard Hildebrand und etliche weitere Männer packen Schaufeln und Hauen. Es gelingt ihnen, den Eingang beim Gaswerk freizulegen. Sie klettern ins Freie und stehen vor einem respektablen Bombentrichter.

Keller werden eingedrückt

33 Menschen kommen ums Leben. Fünf Soldaten suchen Schutz in der Hirschbachunterführung, die das Bahngelände unterquert. Keiner von ihnen sieht das Tageslicht wieder. Besonders schwer trifft es das Bahnhofsgebäude. Das Kino, die Buchhandlung Henne und das Hotel „Kronprinzen“ werden völlig zerstört. Die Metzgerei Meidert an der Ecke zur Olgastraße bleibt zur Hälfte stehen. Die Olgastraße selbst ist ein Trümmerfeld. Zwei Häuser liegen in Schutt und Asche, davor ist die Straße verschwunden und drei Bombentrichter öffnen sich zu einem beeindruckenden Krater. In ihm bildet sich schnell ein kleiner See, weil eine der Bomben die Wasser-Hauptleitung zerrissen hat. Aus der Kocherstraße hört man die Hilferufe von Verschütteten. Über allem liegt eine Staub- und Dunstwolke, die die Sicht in die Ferne trübt.

Ehemaliger Eingang zur Hirschbachunterführung. Hier hatten fünf Soldaten Schutz gesucht. Sie wurden verschüttet und starben.

Als die bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reiches am 8. Mai in Europa den Krieg beendet, sind in Aalen 80 Menschen bei Luftangriffen ums Leben gekommen.

607 gefallene Soldaten beklagt die Stadt.

US-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg.

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