Boris Palmer plaudert über seine Politik

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Boris Palmer
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In der Serie „Theater trifft…“ hat der Tübinger OB Gelegenheit, Tübingens Klima-Erfolge vorzustellen.

Aalen. Nach seiner kernigen Pressemitteilung gegen den OB-Kandidaten Brütting und seinem Wahlkampfauftritt für die OB-Kandidatin Rommel setzte der Tübinger OB Boris Palmer seine Präsenz in Aalen am Donnerstagabend mit einer nächtlichen Politplauderei im Theater der Stadt Aalen fort. Bei der verspäteten Aufführung des hochaktuellen Klimastückes „Let the sun shine“ von Tina Brüggemann im Kulturbahnhof war er bereits zugegen, bald nach der Aufführung kurz nach zehn stand er dann mit dem Intendanten Tonio Kleinknecht auf der weiten Bühne und plauderte.

Wie es denn so war in den 15 Jahren, die Palmer in Tübingen OB sei, gab Kleinknecht das einleitende Stichwort, und Boris Palmer redete: Man müsse ja nun mal Politik machen mit denen, die da seien. So habe er es in Tübingen gehalten und damit Erfolg gehabt. Der CO2-Ausstoß der Stadt sei um 35 Prozent gesunken in den 15 Jahren und die Wirtschaft um 35 Prozent gewachsen, gemessen an den Arbeitsplätzen. Eine wichtige Regel sei, die möglichen Innovationen sofort zu machen, unverzüglich, auch wenn dabei noch Funktionsfähiges ersetzt würde. Eben nicht zu warten, bis die Glühbirnen am Ende seien, sondern sofort ersetzen durch LED-Lampen. Beim Car Sharing klotzen - gerade habe man 120 neue Autos für das städtische Car Sharing-Angebot bestellt. Solarstrom für Dächer vorschreiben, „weil es für den Schwaben doch nicht schlimm ist, wenn man ihn zum das Sparen zwingt“.

Solardächer im Neubaugebiet

So, sagt Palmer, könne man Klimaneutralität in Tübingen bis zum Jahr 2030 bewerkstelligen.

Wie das politisch funktioniert, erläutert er am Beispiel der Solardächer. Vor der vorigen Kommunalwahl habe es in Tübingen eine Fridays for Future-Demonstration mit über 12 000 Menschen gegeben, worauf Palmer offensichtlich ebenso stolz ist wie auf seine oberbürgermeisterlichen Projekte. Vor diesem Hintergrund habe Fridays for Future alle Fraktionen des Gemeinderates gefragt, ob sie für Klimaneutralität in den 30er-Jahren eintreten würden. Alle hätten zu einer Verblüffung mit „Ja“ geantwortet. Das habe er genutzt, um einen Gemeinderatsbeschluss herbeizuführen, dass auf einem Neubaugebiet jetzt und gleich Soldardächer vorgeschrieben wurden. Dieser Beschluss sei mit großer Mehrheit gefasst worden. Und es habe keine, überhaupt keine Beschwerden aus der Bevölkerung gegeben, freute sich der Shitstorm geprüfte grüne Politiker.

Es müsse klar sein, dass man mit der Ausbreitung von Solardächern in Freiwilligkeit nicht weit komme. Die „Trägheit der Masse“ behindere die ökonomisch und ökologisch sinnvolle Entwicklung. Zwang könne dem „Gemeinschaftsprojekt“ aufhelfen. Und natürlich gehöre die Industrie mit ins Boot.

Palmer garnierte seinen Vortrag mit kurzen Berichten über seine erfolgreichen Gespräche mit den Chefs von Unternehmen. Mit dem Ergebnis, dass ein großes Betonwerk in Tübingen eine Halle mit einem Solardach versehen habe. Das sei ausreichend gewesen für den Strombedarf des ganzen Werkes; aber nicht genug. Er habe dem Chef des Betonwerkes gesagt, er könne doch noch mehr Solardach bauen und die gewonnene Energie an die Nachbarschaft abgeben. Oder die Idee unterbreitet, die Abwärme aus der industriellen Produktion für Fernwärme zu nutzen. Ebenso die Prozesswärme aus dem Klärwerk. Ebenso, dass Porsche in Tübingen eine Batteriefabrik bauen will, hört sich fast so an, als sei dieses Projekt Palmers Beitrag.

Die Pläne für die Zukunft

Mit langem Atem und unterhaltsamer Rede illustriert der Tübinger Oberbürgermeister seinen kommunalen Dreiklang „Mobilität – Wärme – Strom“. Der Blick in die Zukunft: Solaranlagen auf allen Neubau-Dächern und Dachsanierungen, Ausnahmen möglich, etwa die stadtbildprägenden roten Dächer der Tübinger Altstadt.

Einschränkung des Autoverkehrs

Tübingen wird Klimaschutz-Modellkommune, was ermöglicht, Solaranlagen auch auf Bestandsdächern vorzuschreiben. Wärme aus der Kläranlage nutzen. Windräder auch da, wo der Wind nicht so ergiebig weht wie auf der Ostalb. Eine städtische Carsharing-Flotte mit 1000 Fahrzeugen bis 2030. Entschiedener Vorrang für den Fahrradverkehr, auch durch nachhaltige Einschränkung des Autoverkehrs.

Aus dem Publikum kommen einige eher fachlich-technische Fragen. Boris Palmer verabschiedet sich mit einem wohlformulierten Schlusswort und wird mit einem sehr freundlichen Beifall aus dem etwa 80-köpfigen Publikum bedankt. Rainer Wiese

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