Bürger protestieren gegen Bahnhalt-West

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Der künftige Bahnhalt-West ist etwa an der Stelle geplant, die die gelbe Go-Ahead-Bahn (links im Bild) gerade passiert. Rechts vom Bahngleis ist das Gelände der Stadtgärtnerei, das künftig überbaut werden soll. Dahinter befindet sich das Areal der früheren Gartenbaufirma Reeb. Ganz rechts im Bild: die Sauerbachstraße, von der links die Nägeleshofstraße Richtung Stadtgärtnerei abbiegt.
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Die jüngste digitale Informationsveranstaltung zum geplanten Bahnhalt in der Aalener Weststadt hat die Gegner unter den Anwohnern erneut auf den Plan gerufen. Welche Argumente sie anführen.

Aalen

Sie macht gegen den geplanten Bahnhalt Aalen-West mobil, und das nicht erst seit gestern: Sabine Burr ist in der Sauerbachstraße geboren, aufgewachsen und 1993 wieder dorthin zurückgezogen in das Wohngebiet am inzwischen renaturierten Sauerbach; etwa 230 Meter Luftlinie entfernt vom künftigen Bahnhalt, der auf Höhe des Geländes der Stadtgärtnerei gebaut werden soll.

Die 58-Jährige ist mit ihren Argumenten gegen den Bahnhalt in der Weststadt und ihrer Kritik an der mangelnden Informationspolitik der Stadtverwaltung nicht allein. „Im Juni dieses Jahres sind bereits Anwohner durch die Straßen des Wohngebiets gezogen und haben Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt“, berichtet sie. Die Liste sei auch schon an Aalens Ersten Bürgermeister Wolfgang Steidle übergeben worden.

Anhand ihres mit Informationsmaterial und Schriftwechseln mit der Stadtverwaltung pickepackevollen Ordners macht Burr deutlich, was die Sauerbach-Anwohner beanstanden:

Die Kosten: Aktuell befindet sich das Projekt in der Planungsphase 3 und 4. „Da müsste eigentlich schon längstens eine Kostenschätzung vorgelegt werden. Wir vermissen konkrete Zahlen“, meint Burr. Zur Erinnerung: Zuletzt hatte OB Thilo Rentschler vor genau einem Jahr im Gemeinderatsausschuss von Gesamtkosten in Höhe von knapp fünf Millionen Euro (netto) gesprochen. Und dass mit einem Förderzuschuss von bis zu 75 Prozent der Baukosten zu rechnen sei. „Aber das Ganze ist doch nicht damit getan, dass man einen Bahnsteig baut. Man muss doch auch hinterfragen: Was kostet das ganze Drumherum? Die Erschließung mitsamt der Verlegung des Wegs, der Schienenersatzverkehr, die Unterhaltungskosten, die Lärmminderungsmaßnahmen?“

Der Verkehr: In einer der bislang vier öffentlichen Infoveranstaltungen zum Vorhaben wurde 2018 ein vorläufiges Verkehrskonzept vorgestellt. Die mündliche Aussage des Vortragenden hat sich Burr notiert: „Der Bahnhalt kann nur funktionieren, wenn der Zufahrtsverkehr nicht über das Wohngebiet geführt wird.“ Das hieße, so Burr, dass die Zu- und Abfahrten sowie der Busverkehr ausschließlich über die Schulze-Delitzsch-Straße abgewickelt werden. „Das kann aber nicht funktionieren“, wissen die Anwohner, zu denen auch Petra Theilacker und Sabine Bopp zählen. Sie kennen das Lastwagenaufkommen der dort ansässigen Unternehmen. Und dass da zu bestimmten Zeiten in der Schulze-Delitzsch-Straße kein Durchkommen mehr ist. „Damit wird sich der zu- und abfließende Verkehr automatisch auf Ausweichstrecken mitten durchs Wohngebiet verlagern“, sind sie sich sicher. Und bei den prognostizierten 500 Fahrgästen täglich werde „richtig was los sein“. „Zumal die nicht alle zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Bus kommen.“

Der Klimaaspekt: Im Jahr 2017 hat die Aalener Stadtverwaltung zusätzlich zum Bahnhalt-West ein städtebauliches Entwicklungskonzept „Wohnen, Arbeiten, Freiraum am Sauerbach“ vorgestellt. Das alarmierte die Bürgerinnen und Bürger, rund 80 haben damals die Interessengemeinschaft Hofherrnweiler/Unterrombach gegründet, weil sie eine sehr massive Bebauung befürchten. Denn das Entwicklungskonzept für das Gelände der Stadtgärtnerei und das Gelände ehemals Gartenbau Reeb geht von urbanem Wohnen in bis zu sechsstöckigen Mehrfamilienhäusern an der Bahnlinie aus. Die Potenzialflächen - derzeit Grün- und Freiflächen am Sauerbach - aber sind laut Klimagutachten besonders wichtig für den Luftaustausch. „Das Klimagutachten empfiehlt keine Bebauung dieser Fläche“, sagt Anwohnerin Sabine Burr.

Die Bürgerbeteiligung: „Uns wurde seitens der Stadt immer Mitspracherecht zugesagt“, erklärt Sabine Burr. In jeder Infoveranstaltung der Stadt aber, so stellten die Anwohner fest, sei die Planung schon wieder einen Schritt weiter gewesen. Burr: „Und dabei warten wir immer noch auf ein abschließendes Verkehrsgutachten.“

Das kann nicht funktionieren.“

Sabine Burr, Anwohnerin

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