Bürgermeister Hofer: „Wir sind selber groß!“

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Richtung Westen (unterer Bildrand) soll des Gewerbegebiet Streichhoffeld erweitert werden. Foto: Oliver Giers
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Vertreter aus Aalen, Essingen und Hüttllingen diskutieren die Erweiterung des Gewerbegebiets Streichhoffeld. Es geht um Umwelt, Wirtschaft und die Zusammenarbeit der Gemeinden.

Aalen

Aalens OB Frederick Brütting hat am Ende zugegeben: Er sei irritiert gewesen, als er das erste Mal eine Sitzung der Verwaltungsgemeinschaft Aalen, Essingen, Hüttlingen geleitet habe. Denn einige Mitglieder des Ausschusses hätten ihre Jacken gar nicht ausgezogen. Sie hätten nur schnell einen Haken an die Beschlüsse machen wollen. „Ich bin es gewohnt, dass in der Verwaltungsgemeinschaft auch mal konstruktiv diskutiert wird“, hatte er in der vergangenen Woche im Aalener Gemeinderat gesagt.

Eine Diskussion hat er am Dienstag nun bekommen. Konstruktiv, teilweise auch kontrovers. Es ging inhaltlich um die Erweiterung des Gewerbegebiets Streichhoffeld in Essingen und auch grundsätzlich um die Zusammenarbeit in der Verwaltungsgemeinschaft.

Die Ausgangssituation: Die Firma Gabo Stahl mit Stammsitz in Essingen möchte sich erweitern. Die Gemeinde Essingen möchte ihr dazu eine Fläche im Anschluss an das bisherige Gewerbegebiet Streichhoffeld bereitstellen. „Streichhoffeld West“ soll das neue Gebiet heißen. Doch bevor die Pläne verwirklicht werden können, muss der Flächennutzungsplan geändert werden. Zuständig dafür ist die Verwaltungsgemeinschaft.

Diskussion in den Gemeinderäten: Die Gemeinderäte aller drei Kommunen haben vergangene Woche zwar zugestimmt, ins Änderungsverfahren für den Flächennutzungsplan einzusteigen. Teilweise aber mit der Faust in der Tasche. Der Hüttlinger Rat stimmte einstimmig zu, ebenso der Essinger Rat, obwohl in der Diskussion zuvor kritische Stimmen laut wurden. Im Aalener Rat stimmte die Grünen-Fraktion dagegen, mehrheitlich aber stimmte das Gremium für den Aufstellungsbeschluss. Das ausschlaggebende Argument sei gewesen, so Brütting, dass man die Vorhaben der Nachbargemeinden in der Verwaltungsgemeinschaft nicht behindern wolle.

Die Kritik: Die Aalener Grünen-Stadträtin Carmen Venus wiederholte im Ausschuss der Verwaltungsgemeinschaft noch einmal die Argumente, die die Fraktion bereits im Gemeinderat vorgebracht hatte. Sie nannte unter anderem den wasserführenden Boden, der versiegelt würde, eine schützenswerte Streuobstwiese und die Kaltluftschneise, die für Hofherrnweiler und Aalen wichtig sei, und verbaut würde.

Hofers Position: „Wir machen das nicht aus Jux und Tollerei“, sagte Essingens Bürgermeister Wolfgang Hofer. Es gebe in Essingen keine Gewerbeflächen mehr, auch nicht im interkommunalen Gewerbegebiet Dauerwang. Das Unternehmen habe 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit ihren Familien teils in Essingen wohnen. Ihnen wolle man ermöglichen, auch weiterhin in Essingen arbeiten zu können. „Wir sind selber groß“, sagte er. Daher habe man sich eigene Gedanken gemacht und verantwortungsvoll Alternativen geprüft. Ein neues Gewerbegebiet sei immer ein Eingriff in Natur und Landschaft. Das Gewerbegebiet Streichhoffeld West sei die beste Alternative.

Hofer zufolge müssen sich Aalener keine Sorgen um ihre Frischluft machen. „Schauen Sie sich die Karte genau an“, forderte er auf. Man habe eine Schneise freigehalten. Wenn Aalener so in Sorge um ihre Frischluft seien, dann wundere er sich, warum sie in die Frischluftschneise den Bahnhalt West hineinplanten.

Warum nicht Ebnat? Zum Thema alterative Flächen sagte der Aalener Stadtrat und Ebnater Ortsvorsteher Manfred Traub: „Mit einem Augenzwinkern: So schlecht wäre eine weitere Gewerbeansiedlung in Ebnat nicht.“ OB Brütting antwortete, dass „auch in Ebnat keine sieben Hektar fertig entwickelt daliegen“. Außerdem wolle man der Nachbargemeinde kein Unternehmen abspenstig machen.

Die Abstimmung: Venus sagte, da der Gemeinderat zugestimmt habe, wolle man das Votum auch in der Verwaltungsgemeinschaft so vertreten. Der Aalener SPD-Stadtrat Timo Lorenz sprach sich dafür aus, die Änderung des Flächennutzungsplans aufzustellen, die Umweltprüfung abzuwarten und dann zu entscheiden, ob die Pläne weiterverfolgt werden sollen. Ähnlich äußerte sich Traub. Norbert Rehm, für die Aktiven Bürger im Aalener Stadtrat, findet, es sei das falsche Vorgehen, für etwas zu stimmen und zu hoffen, dass jemand anderes ablehnt. Für die Aalener CDU-Fraktion signalisierte Herbert Brenner Zustimmung. Ebenso Emil Pöltl für die Aalener AfD-Fraktion. Hüttlingens Bürgermeister Günter Ensle sagte: „Wir stehen zur Verwaltungsgemeinschaft.“ Insbesondere stehe man zur anderen kleineren Gemeinde in der Verwaltungsgemeinschaft. Am Ende stimmte der Ausschuss einstimmig für den Aufstellungsbeschluss für die Flächennutzungsplanänderung.

Kritik an Thilo Rentschler: Hofer kritisierte, dass die Gesamtfortschreibung des Flächennutzungsplans so lange aufgeschoben worden sei. Rehm und Traub stimmten zu und machten den früheren Aalener OB Thilo Rentschler dafür verantwortlich.

OB Brütting sagte, dass die Aalener Ortschaftsräte und der Gemeinderat ab 22. September über die Fortschreibung beraten. Die Aalener Positionierung dazu soll bis zum Frühjahr stehen. Anschließend wolle man im Ausschuss der Verwaltungsmeinschaft darüber beraten.

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