Bundeswehr im Ostalbkreis: Wo Infektionsketten gestoppt werden

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Für die Soldatinnen und Soldaten hat nun die dritte Woche ihrer Arbeit in der Ulrich-Pfeifle-Halle begonnen. Welche Aufgabe sie dort mit übernommen haben.

Aalen

Sie wissen, um was es geht?" Carlotta Knoll hat den Hörer am linken Ohr. Ungefähr 20 Mal hat die junge Soldatin an diesem Tag schon telefoniert. Nun ein weiterer Anruf bei einem Corona-Infizierten. Fallperson heißt das in der Sprache, die momentan in der Ulrich-Pfeifle-Halle gesprochen wird. Hier werden die Corona-Infektionsketten unterbrochen – werden Infizierte informiert, nach Kontaktpersonen befragt, wird darüber aufgeklärt, wie es nun nach dem positiven Ergebnis weitergeht mit der häuslichen Isolation.

Mit den steigenden Infektionszahlen haben diese Arbeit seit diesem Montag die Soldatinnen und Soldaten übernommen, die der Kreis angefordert hatte. Bisher ermittelten die 20 Kräfte des Transporthubschrauberregiments 30 aus Niederstetten nur die Kontaktpersonen. Geht es um Fälle in Schulen, Kitas und Pflege- sowie Behinderteneinrichtungen, ist aber weiterhin das Landratsamt zuständig.

Im ersten Stock gehen die Laborbefunde vom Landratsamt ein, im Foyer der Halle im ersten Stock sitzen Carlotta Knoll und die meisten anderen Soldaten, um die Fälle zu den Befunden zu bearbeiten. 40 Arbeitsplätze sind nun eingerichtet – Personalnachschub soll Ende dieser Woche kommen. Die, die schon da sind, sitzen seit 8 Uhr morgens hinter den Bildschirmen. Nichts Persönliches steht auf den weißen Tischen, die in vier Reihen angeordnet sind – mal abgesehen davon, dass Kaffeetassen oder Sprudelflaschen auf Vorlieben schließen lassen.

Maximum: 60-Stunden-Woche

Die meisten wissen schon, um was es geht.

Carlotta Knoll Soldatin in der Ulrich-Pfeifle-Halle

Viele Menschen, die gleichzeitig telefonieren, doch laut ist nicht. Die meisten sprechen leise. Vielleicht wegen der Mund-Nasen-Bedeckung, die alle hier trotz Abstands zwischen den Tischen permanent tragen. Vielleicht aber auch, weil man die Menschen am anderen Ende der Leitung manchmal auch beruhigen muss. Wenn auch nicht oft, erklärt Carlotta Knoll. "Ich versuche, was ich kann. Aber die meisten wissen schon, um was es geht und sind von ihrem Hausarzt informiert worden", erzählt die 23-Jährige. Auch die Kontaktpersonen seien häufig nicht überrascht, weil sie von demjenigen, der getestet wurde, schon mal vorgewarnt wurden. Aber "Feingefühl und Verständnis", das brauche man schon, sagt die Soldatin, die sonst einen Bürojob hat und sich wie alle anderen freiwillig für ihre Aufgabe gemeldet hat. "Das ist mal was anderes. Und die meisten, die man anruft, sind dankbar, nur wenige sind gereizt", sagt sie und nimmt sich die nächste "Fallperson" vor. Fragt geduldig, ruhig und kontrolliert Symptome wie Fieber und Husten ab. Hakt alles nacheinander in der Software Sormas ab. Beantwortet die Frage, wie lang die häusliche Isolation dauert. Informiert, dass dazu auch eine Mail rausgeht. "Ich wünsche ihnen gute Besserung. Und wenn sie Fragen haben, melden Sie sich einfach", beendet sie irgendwann ihr Gespräch.

Telefonat für Telefonat arbeiten die Soldaten so ab. Nur ab und zu steht einer auf, holt sich einen Tee oder eine Dose Red Bull. Das hält wach. Gearbeitet wird in der Regel bis 20 Uhr, wie Hauptfeldwebel Toni Rupprecht erklärt. Mehr als 60 Stunden Arbeit pro Woche kann und darf er seinen Leuten nicht zumuten. Auch bei der Bundeswehr gelten elf Stunden Ruhezeit, werden Überstunden abgefeiert oder ausbezahlt. Vom Gesetz her gelte eine 41-Stunden-Woche. "Das ist ein Kraftakt", so Rupprecht mit Blick über die Bildschirme. Festgelegte Pausen gebe es nicht, jeder dürfe das individuell managen. "Manche müssen wir auch schicken", so Rupprecht. Essen liefert die Küche des Ostalbklinikums. Diesmal dampfen im Kessel im vorderen Teil des Foyers Weißwürste, es gibt Kuchen und Süßes. Nervennahrung. Zweimal pro Woche greift der Feldkoch ein, der auch dabei ist und schon mal einen zur Verfügung gestellten Pizzaofen angeschmissen hat.

"170 Aufgaben", so nennt Rupprecht die Fälle, hatten die Soldaten am Morgen vor sich. Am Nachmittag ist das Ende noch nicht absehbar. Es könnte 20 Uhr werden. Oder später. Manchmal gehe sie nach ihrer Arbeit vom Hotel aus noch joggen, um den "Kopf frei zu kriegen", erzählt Carlotta Knoll. Nachrichten schaue sie aber immer, auch wenn Corona ihren Arbeitstag komplett ausfüllt. "Ich möchte auf dem aktuellen Stand sein", erklärt sie. Dann greift sie wieder zum Hörer.

Wer sonst noch an den Infektionsketten arbeitet

Neben den 20 Soldatinnen und Soldaten arbeiten aus dem Gesundheitsamt und anderen Bereichen der Kreisverwaltung im Schichtbetrieb mittlerweile alleine 60 Beschäftigte sowie zwei Unterstützungsteams mit Beschäftigten aus Kommunen, Kliniken und Kreissparkasse an der Information der Neuinfizierten, in der Kontaktpersonennachverfolgung, in der Entisolierung, in Abstrichteams und für die Terminvergaben der Abstrichstelle in Aalen. Weitere 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landratsamt bedienen im Schichtbetrieb die Corona-Hotlines, informiert das Landratsamt in einer Pressemittelung zur aktuellen Lage.

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