Corona-Impfstoff fehlt – freie Termine sind Mangelware

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Hauptsächlich Zweitimpfungen werden derzeit im Kreisimpfzentrum in Aalen vorgenommen.
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Um fast 60 Prozent sind die Erstimpfungen im Kreisimpfzentrum eingebrochen. Die Situation könnte noch wochenlang andauern. Ein Überblick.

Aalen

Derzeit ist es nahezu unmöglich, bei Ärzten oder im Kreisimpfzentrum einen Impftermin zu bekommen. Leser schildern uns von tagelangen vergeblichen Versuchen. Eine Situation, die an den Beginn der Impfkampagne erinnert. Um fast 60 Prozent sind die Erstimpfungen innerhalb einer Woche im Kreisimpfzentrum jetzt eingebrochen.

In dieser Woche konnte das Landratsamt laut Aussage von Pressereferentin Susanne Dietterle 2410 Ersttermine einstellen. In der kommenden sind es voraussichtlich nur 1270. Zum Vergleich: Im April waren es pro Woche deutlich mehr als 5000.

Das bedeutet konkret: Nur rund 28 Prozent aller Impfungen in der kommenden Woche sind neue Erstimpfungen. Der meiste Impfstoff wird für die Sicherung der Zweitimpfungen benötigt. Hinzu kommen laut Dietterle „Umbucher“, die also für ihre Zweitimpfung den Impfstoff „Cominarty“ von Biontech wollen, anstelle „Vaxzevria“ von AstraZeneca wie bei der Erstimpfung. Das bedeutet eine gewisse Unsicherheit bei der Planung.

Mehr Impftermine erst in der zweiten Juli-Hälfte?

Ab dem 7. Juni könnte sich mit dem Wegfall der Priorisierung jeder Deutsche impfen lassen. Doch auch für die kommende Woche wird Baden-Württemberg nicht mehr Impfstoff von Biontech erhalten. Im Landratsamt geht man davon aus, dass erst in der zweiten Juli-Hälfte wieder signifikant mehr Ersttermine möglich sein werden - sollte sich die Liefersituation nicht verbessern.

Wir können die Patienten nur bitten, aktuell bei den Praxen nicht wegen Erstterminen nachzufragen.“

Kai Sonntag, Kassenärztliche Vereinigung

Auch im Sozialministerium in Baden-Württemberg kann man keine bessere Prognose abgeben. Wiederholt hat das Land den Bund aufgefordert, die Liefermengen zu erhöhen. „Die Rückmeldung bei der Gesundheitsministerkonferenz war, dass man in Hinblick auf die Forderungen erst sprechen könne, wenn die Lieferankündigungen der Impfstoffhersteller für das dritte Quartal vorliegen“, sagt Pressesprecher Pascal Murmann.

Es gibt auch Impfzentren komplett ohne Erstimpfungen

Demnach liegen in den letzten Tagen die Impfzentren etwa bei einer hälftigen Aufteilung von Erst- und Zweitimpfungen bei durchschnittlich insgesamt rund 54 000 Impfungen pro Tag in Baden-Württemberg. Allerdings gebe es große Unterschiede zwischen den Impfzentren. „So gibt es auch Impfzentren, die praktisch gar keine Ersttermine mehr vornehmen“, sagt Murmann.

Dies wird auch bei den Ärzten in Baden-Württemberg so sein. Zwar hat die Kassenärztliche Vereinigung keine zentrale Übersicht. „Aber wir gehen davon aus, dass diese Woche mehr oder weniger keine Erstimpfungen angeboten werden können“, sagt Pressesprecher Kai Sonntag. Lediglich eine Impfflasche von Biontech hätte jeder Arzt diese Woche bekommen – das entspricht sechs Erstimpfungen. Das Mittel „Janssen“ von Johnson & Johnson sei diese Woche noch nicht verfügbar.

Entsprechend dann auch sein Appell: „Wir können die Patienten nur bitten, aktuell bei den Praxen nicht wegen Erstterminen nachzufragen.“

Aktuelle Zahlen zu Corona unter: www.schwaepo.de

Ein Blick in die Bevölkerungsstatistik

38 Prozent aller Baden-Württemberger sind mindestens einmal geimpft. Umgerechnet auf den Ostalbkreis wären das etwa 119.000 Menschen. Zieht man die unter 16-Jährigen im Ostalbkreis ab, kämen also noch aktuell 143.000 Menschen auf der Ostalb für einen ersten Impftermin infrage. Deutlich mehr Impfstoff als derzeit ist also dringend nötig, um diese Gruppe nun auch schnell zu impfen.

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