Corona kann der Caritas-Freizeit nichts

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Auf dem 5000 Quadratmeter großen Freigelände rund um den Angerhof in Wildschönau (Tirol) können die Teilnehmer der Caritas-Kindererholung einiges unternehmen. Besonders romantisch: ein Lagerfeuer am Abend.
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Fast hätten die Veranstalter Pirmin und Florian Heusel die dreiwöchige Kindererholung in Wildschönau für diesen Sommer abgesagt. Warum sie sich jetzt nach der Rückkehr ganz besonders freuen.

Aalen

Sie haben es geschafft. Die 77 kleinen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Caritas-Kindererholung sind nach einem dreiwöchigen Aufenthalt in Wildschönau (Tirol) seit Samstag wieder zurück. Und alle sind gesund.

"Es ist richtig gut gelaufen. Es gab zum Glück keinen einzigen Corona-Fall", berichten Pirmin und Florian Heusel, die seit mehreren Jahrzehnten die Erholungsfreizeit der Caritas Ostwürttemberg organisieren. In die Freude der beiden darüber, vielen sozial benachteiligten Kindern aus der Region in diesem Jahr trotz – oder besser: mit Corona – wieder drei abwechslungsreiche und zugleich spannende wie erholsame Wochen bereitet zu haben, mischt sich diesmal aber auch ein Gefühl starker Erleichterung.

"Wegen der Corona-Situation haben wir bis Mitte Juni mit uns gerungen. Ursprünglich wollten wir die Kindererholung in diesem Jahr absagen", bekennt Florian Heusel, Leiter Berufliche Integration der Caritas. Doch letztlich kamen sie zu dem Schluss: "Das sind wir den Kindern schuldig. Gerade in diesem Jahr, in dem sie wegen der Corona-Verordnungen monatelang zu Hause bleiben mussten."

Und so gingen dann am 1. August zwar nicht wie üblich rund 100 Kinder auf die Reise – aber immerhin 77. Begleitet und betreut wurden sie von 19 erwachsenen Sozialpädagogen in Ausbildung.

Freilich hatten die Heusel-Brüder als Organisatoren in diesem Jahr erstmals etliche zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Vor Reiseantritt wurden alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf Corona getestet. Das hatten die Heusel-Brüder mit den Gesundheitsämtern der beiden Landkreise Ostalb und Heidenheim in die Wege geleitet. Zudem charterten sie für die Reise diesmal einen zusätzlichen zweiten Bus, um die Reisegruppe schon bei der Anreise etwas zu entzerren. "Und beim Aufbehalten von Mund- und Nasenschutz im Bus gab es keinerlei Protest. Da sind die Kinder den Erwachsenen um einiges voraus", bemerkt Pirmin Heusel sinngemäß.

Die Erholungsfreizeit sind wir den Kindern schuldig.

Pirmin und Florian Heusel Caritas Ostwürttemberg

Vorteil: geschlossene Gruppe

Vor Ort wurden dann die Gruppengrößen auf vier bis maximal fünf Kinder reduziert. "Neben der eifrigen Nutzung der Desinfektionsspender im Angerhof haben die Betreuer auch auf regelmäßiges und gründliches Händewaschen ihrer Schützlinge geachtet", erzählen die Heusels. Von großem Vorteil war ihrer Meinung nach die Anreise als geschlossene Gruppe. "Kinder und Betreuer waren vor Ort komplett unter sich, wir hatten das ganze Haus und das 5000 Quadratmeter große Freigelände mit Fußballplatz, Volleyballfeld und Schaukeln für uns alleine." Und auch das Wetter habe gepasst. "Wir waren viel im Freien."

Und ja. Die Heusels sehen sogar einen Vorteil in der coronabedingten Umorganisation der Kindererholung: "Aufgrund der kleineren Gruppengrößen war der Personalschlüssel höher, entsprechend entspannter war diesmal die Betreuung."

Was zudem positiv auffiel: Im Gegensatz zu anderen Jahren musste in dieser Freizeit so gut wie kein Kind wegen eines Infekts zum Arzt. "Vielleicht, weil wir durch Corona verstärkt darauf achteten, dass sich keiner beim anderen ansteckt", schlussfolgert Pirmin Heusel. Der ebenso wie sein Bruder letztendlich "sehr erleichtert" war, als am Samstag alle wieder wohlbehalten zu Hause angekommen sind. "Wir sind aber auch sehr, sehr froh, dass wir diese Kinderfreizeit mit Corona gewagt haben", betont er. Zumal es für viele Kinder das einzige Mal im Jahr sei, dass sie für drei Wochen raus kommen aus den misslichen Verhältnissen ihres Elternhauses. "Viele sind nicht einmal drei regelmäßige Mahlzeiten am Tag gewohnt. Und im Angerhof bekommen sie endlich mal etwas G'scheits auf den Tisch."

Mit ärztlicher Betreuung

Aalen. Die Kindererholung der Caritas ist ein Angebot für Mädchen und Buben zwischen sieben und zwölf Jahren in der gesamten Region Ostwürttemberg. Das dreiwöchige Ferienangebot unterscheidet sich von anderen Freizeiten durch die Kindererholungsmaßnahmen mit gesundheitsfördernder Wirkung. Die Kindererholung der Caritas steht unter ärztlicher Betreuung. Einige Krankenkassen – nicht alle – übernehmen einen Teil der Finanzierung; zudem ist oftmals auch das Jobcenter involviert. "Das Angebot wird überwiegend wahrgenommen von Kindern aus sozialschwachen Familien", weiß Pirmin Heusel, der die Erholungsfreizeit seit mehreren Jahrzehnten gemeinsam mit seinem Bruder Florian Heusel am Leben hält. "Im württembergischen Landesteil wird eine solche Kindererholung nur noch von der Caritas Ostwürttemberg angeboten", sagt Pirmin Heusel.

Die Organisatoren der Caritas-Kindererholung: Pirmin Heusel und Florian Heusel.

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