Corona-Krise: Die Schättere schließt

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Sorgenvoll schaut Pächter Jörg Müller aus dem Fenster der Vesperstube "Schättere" in der Alten Heidenheimer Straße. Wegen der Corona-Krise bleiben die Gäste weg. Jetzt muss er schließen.
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Seit Ende des Lockdown ist der Umsatz der traditionellen Vesperstube um 60 bis zuletzt 80 Prozent eingebrochen. Warum Pächter Jörg Müller jetzt Konsequenzen zieht.

Aalen

Das Datum ist fix: Am Freitag, 11. September, will Schättere-Wirt Jörg Müller ein letztes Mal für seine Gäste kochen. Dann wird er die Vesperstube in der Alten Heidenheimer Straße schließen. Seit Corona, sagt er, sei nichts mehr, wie es war.

Dabei wollte er, der die traditionelle und beliebte Vesperstube im Juni 2019 gemeinsam mit seiner Frau Andrea als Pächter übernommen hat, in diesem Jahr so richtig durchstarten. Zumal das erste halbe Jahr vielversprechend war. "Es ist alles gut angelaufen. Wir konnten uns nicht beklagen. Wir hatten einen fest angestellten Koch und sechs Minijobber. Auch meine Frau war fest angestellt", erzählt Müller mit einem bitteren Lachen. "Aber seit Corona und nach dem neunwöchigen Lockdown ist Schicht im Schacht."

Jörg Müller ist kein gelernter, aber ein leidenschaftlicher Koch. Den Traum, sein Hobby zum Beruf zu machen, hat er sich 2016 erfüllt, als der Quereinsteiger gemeinsam mit seiner Frau die Bewirtung des Naturfreundehauses auf dem Braunenberg übernommen hat. Als die boomende Gastronomie hoch über Aalen mit durchgehend warmer Küche und dem parallel laufenden Herbergsbetrieb für die beiden kaum mehr zu stemmen war, siedelten sie im vergangenen Jahr beruflich um, hinunter in die Schättere. Doch Corona hat den Traum der Müllers platzen lassen.

"Die Pacht weiterzahlen kommt inzwischen günstiger, als das Lokal mit Personal, mit Strom und Wasser weiter zu betreiben. Ich zahle jeden Monat viel Geld drauf", lautet das traurige Fazit des Schättere-Pächters. Dabei war die erste Woche nach Ende des Lockdown Mitte Mai noch hoffnungsvoll. "Das Lokal war gut besucht, die Leute wollten endlich wieder raus, etwas anderes erleben", erinnert sich der 56-Jährige. Doch dann der Bruch. "Unser Umsatz ist um 60 Prozent geschmolzen. Und in der vergangenen Woche sogar um 80 Prozent." Nicht einmal die Dachterrasse mit den nach Corona-Abstand verbleibenden 40 Plätzen sei ausreichend besucht. "In den vergangenen zwei Wochen waren am Tag im Schnitt höchstens 15 Gäste oben", berichtet Müller. "Und wenn einmal kein Platz mehr frei ist auf der Dachterrasse, gehen die Gäste lieber weiter, als dass sie sich ins Lokal hinein setzen."

Nach dem Lockdown ist Schicht im Schacht.

Jörg Müller Schättere-Pächter

Diese Erfahrungen haben dem leidenschaftlichen Koch den Rest gegeben. "Selbst wenn ich die Vesperstube ganz alleine schmeiße, bleiben am Schluss viel höhere Nebenkosten, als Umsatz." Müllers Entschluss steht fest "Jetzt ist es genug!"

Weil der Pachtvertrag auf fünf Jahre festgeschrieben ist, nimmt Müller sogar in Kauf, dass er die monatliche Pacht weiter zahlen muss. Er hofft, einen Nachfolgepächter zu finden. "Insolvenz anmelden", sagt er, "wäre das allerletzte Mittel der Wahl".

An der Innentür der Schättere informiert ein Schriftblatt über die Schließung des Lokals ab dem 12. September. Mit dem Zusatz: "Weil uns eine Auszahlung leider nicht möglich ist, bitten wir alle Gäste, die im Besitz von Gutscheinen sind, diese bis zum 11. September dieses Jahres bei uns einzulösen."

Geöffnet ist die Schättere nur noch Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag von 16.30 bis 22 Uhr.

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