Corona: Krisenstab kämpft gegen die zweite Welle

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An der Abstrichstelle auf dem Greutplatz. Archivfoto: opo

Zahl der Patienten im Intensivbereich im Ostalbkreis deutlich gestiegen – Ausweitung der Tests für bestimmte Personengruppen – wird die "50" überschritten?

Aalen. Mit weiteren 44 Personen, die sich im Ostalbkreis neu mit dem Coronavirus infiziert haben, steigt die Gesamtzahl der Infizierten nach dem Wochenende auf 2287 an. Gleichzeitig konnten 22 Infizierte aus der Isolation entlassen werden, sodass das Gesundheitsamt des Landratsamts am Montag 133 aktive Corona-Fälle verzeichnet hat. Zum Vergleich: Am Freitag waren es noch 111 aktive Fälle. Auch der 7-Tage-Inzidenzwert, die maßgeblich entscheidende Größe für beschränkende Maßnahmen, ist seit vergangenen Freitag von 35 auf 43 gestiegen.

Landrat Dr. Joachim Bläse hat deshalb den Corona-Krisenstab der Kreisverwaltung bereits am Wochenende erweitert. Auch werden mit Blick auf das kontinuierliche Ansteigen der 7-Tage-Inzidenz im Kreis bereits konkrete Maßnahmen durch den Krisenstab geprüft, die das Landratsamt gemäß den Bund-Länder-Vorgaben anordnen müsste.

Wieder mehr Zulauf an den Kliniken: "Wir stellen fest, dass die Neuinfektionen vornehmlich durch private Feiern und Reiserückkehrer verursacht sind, zunehmend jedoch auch an Schulen, in Vereinen und leider inzwischen wieder in Pflege- und Behinderteneinrichtungen auftauchen", beschreibt der Landrat die Lage. Besorgniserregend: "An unseren drei Kliniken in Aalen, Ellwangen und Mutlangen sind inzwischen elf Patienten auf den Isolier- und Intensivstationen in Behandlung, vergangene Woche waren es nur vier", sagt Bläse. Sollten landesweit die Neuinfektionen und in der Folge die Fälle mit klinischem Behandlungsbedarf weiter steigen, so sei zu befürchten, "dass wir wie schon im Frühjahr entsprechend den Vorgaben des Landes sogenannte elektive Eingriffe und Behandlungen absagen und auf unbestimmte Zeit verschieben müssen", skizziert Bläse die Situation an den Kliniken.

Mobile Testteams und weitere Abstrichstelle in Schwäbisch Gmünd: Mit dem Ausrufen der Pandemiestufe 3 durch das Land am vergangenen Wochenende einher geht auch eine veränderte Teststrategie des Landes in Form einer Ausweitung der Tests für bestimmte Personengruppen wie Personal in der Pflege, in Praxen, Heimbewohner oder weitere Gemeinschaftseinrichtungen. "Um dies im Ostalbkreis umzusetzen, werden wir unsere Angebote zur Abstrichentnahme aufstocken", erklärt Bläse. "Neben unserer eigenen Abstrichstelle des Gesundheitsamts und der Abstrichstelle in der alten Musikschule in Aalen, die von der Kassenärztlichen Vereinigung betrieben wird, werden Corona-Tests auch in Corona-Schwerpunktpraxen und an unseren Kliniken gemacht. Zusätzlich haben wir vergangene Woche gemeinsam mit den Kreisärzteschaften und Hilfsorganisationen mobile Teams zusammengestellt, die im Bedarfsfall kurzfristig vor Ort in Einrichtungen gehen und Abstriche entnehmen können." Zusätzlich wird der Ostalbkreis in Abstimmung mit der Kassenärztlichen Vereinigung ein weiteres Abstrichzentrum in Schwäbisch Gmünd hochfahren. Die Vorbereitungen dazu sind mit Unterstützung der Stadtwerke Schwäbisch Gmünd angelaufen.

Soldaten sollen helfen: Mit steigenden Infektionszahlen müssen in kürzester Zeit auch hunderte von Kontaktpersonen nachverfolgt werden. Die Kapazitäten des Gesundheitsamts, die bereits im Frühjahr mit sogenannten Containment-Scouts aufgestockt und aktuell erneut aus den anderen Verwaltungsbereichen des Landratsamts heraus verstärkt wurden, sind nahezu ausgereizt. "Wir haben deshalb einen Antrag auf Unterstützung durch die Bundeswehr gestellt und hoffen, dass wir schnellstmöglich mit 20 Soldatinnen und Soldaten unterstützt werden können. Denn vorrangiges Ziel ist es nach wie vor, so schnell wie möglich die Infektionsketten zu unterbrechen", informiert der Landrat.

Was geplant ist, wenn die "50" überschritten ist: Wie schon andere Landkreise, die die 50er-Marke erreicht haben, wird auch der Ostalbkreis eine Allgemeinverfügung erlassen, sobald die 7-Tage-Inzidenz von 50 Neuinfizierten überschritten wird. "In dieser Allgemeinverfügung werden wir dann entsprechend dem Stufenplan des Landes eine Sperrstunde ab 23 Uhr für die Gastronomie, während der Sperrzeit für die Gastronomie ein generelles Außenabgabeverbot von Alkohol sowie eine Regelung für Besuche in Alten-, Pflege- und Behinderteneinrichtungen festschreiben, soweit nicht das Land diese Regelungen trifft." Außerdem sei beabsichtigt, auf Märkten die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes vorzugeben. Der Kreischef appelliert erneut an alle Bürgerinnen und Bürger: "Wir wollen nicht das Schreckensszenario ‘zweiter Lockdown' an die Wand malen. Vielmehr müssen wir mit dem Corona-Virus leben und uns darauf einstellen. Bei all unseren Überlegungen und den Entscheidungen haben wir deshalb stets auch die wirtschaftlichen und sozialen Folgen im Blick. Bitte helfen Sie mit, dass das Infektionsgeschehen nicht unkontrollierbar wird und Konsequenzen hat, die keiner von uns tragen möchte, indem Sie Ihre Kontakte freiwillig beschränken, keine unnötigen Reisen unternehmen und vor allem die geltenden Abstands- und Hygienevorschriften einhalten!"

So können Sie das Gesundheitsamt erreichen: 

Wegen vermehrter Anfragen im Zusammenhang mit den steigenden Fallzahlen ist das Gesundheitsamt ab sofort über die Hotline (07361) 503-1900 telefonisch von Montag bis Freitag von 8bis 16 Uhr erreichbar. Per E-Mail können Anfragen an corona@ostalbkreis.de gestellt werden. "Von dieser Möglichkeit sollten Sie vor allem am Wochenende Gebrauch machen. Samstags und sonntags liegt unser Fokus vor allem auf der Kontaktpersonennachverfolgung, sodass ich um Verständnis bitte, wenn allgemeine Anfrage nicht sofort beantwortet werden", wirbt Dr. Bläse um Verständnis. 

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