Corona sorgt für Mountainbike-Boom

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Der passionierte MTB-Sportler Carsten Schymik erläutert, warum Aalen ein offizielles Trailnetz braucht. Und wie man sich gemeinsam mit Stadt, Forst und Naturschutz auf die Suche machen will.

Aalen

Man begegnet ihnen auf unbefestigten Wegen, auch auf schmalen Pfaden, vorzugsweise im Wald. Mountainbiker finden zwar viele Strecken hierzulande auf der Ostalb und auf den bewachsenen Hügeln rund um Aalen. Aber noch keine offiziell ausgewiesenen. Das ist ein Dilemma, meint Carsten Schymik, seit 25 Jahren leidenschaftlicher Mountainbiker und in der DIMB (Deutsche Initiative Mountainbike) Ostwürttemberg engagiert. Denn der Mountainbikesport boomt und erfährt gerade durch die Corona-Einschränkungen immer mehr Zuspruch.

Umso mehr freut sich der 46-Jährige darüber, dass die Stadt Aalen jetzt den Handlungsbedarf erkannt hat und auch schon tätig geworden ist. Auf einen Antrag der Grünen-Fraktion im Aalener Gemeinderat wurden bereits viele Interessenvertreter zu einem ersten runden Tisch ins Rathaus geladen. Darunter die Naturschutzbehörden, BUND, Schwäbischer Albverein, Naturfreunde Aalen, ADFC, der Sportkreis Ostalb. "Wir wollen mit allen Beteiligten ins Gespräch kommen, um gemeinsam für alle akzeptable Lösungen zu finden", betont Schymik.

Im Gespräch mit Redakteurin Ulrike Wilpert erläutert er, warum Aalen – warum die Ostalb – ein Mountainbike-Trailnetz braucht.

Herr Schymik, warum nutzen Mountainbiker nicht einfach die befestigten und ausreichend breiten Schotterwege im Wald?

Carsten Schymik: Mountainbiking findet ausschließlich im Gelände statt, auf unbefestigten Wegen.

Heißt das, echte Mountainbiker schlagen sich ihre Route quer durch den Wald?

Nein. Wir fahren auf Wegen. Aber es muss eben ein unbefestigter Weg sein.

Was kann man sich darunter vorstellen?

Beispielsweise sogenannte Maschinenwege, auf denen das eingeschlagene Holz aus dem Wald transportiert wird. Diese Wege sind mehr als zwei Meter breit. Der Wald ist flächendeckend damit durchzogen. Rückegassen sind für uns tabu, da es sich meist um Sackgassen handelt. Oder wir nutzen historische Arbeiterpfade oder Viehtriebe – Wege also, die ursprünglich nicht nur fürs Wandern angelegt wurden.

Forstleute und Naturschützer sprechen oft von illegalen Strecken, die Mountainbiker nutzen.

Das Problem ist, dass sich zum Beispiel am Braunenberg viele Pfade über die Zeit eingefahren haben. Weil irgendwann einmal ein paar Mountainbiker nicht nur Äste beiseite geschoben und Strecken freigeschnitten, sondern auch den Spaten in die Hand genommen haben. Wenn wir von der DIMB allerdings sehen, dass jemand derart in den Wald eingreift oder sogar Schanzen baut, greifen wir ein und sprechen mit ihm.

Was ist Ihrer Meinung nach das aktuelle Problem des Mountainbikesports?

Das Problem ist, dass es eine Individualsportart ist. Die Leute kaufen sich das Equipment und fahren los. Wenn man aber den Sport richtig betreiben will, sollte man ihn auch lernen. Ähnlich, wie man etwa Skifahren lernt. Dafür müsste es offiziell ausgewiesene Trails unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade geben.

Wie orientieren sich Mountainbiker bislang in den Wäldern, wie finden sie ihre Routen?

Seit etwa zehn Jahren findet ein sogenannter digitaler Wegebau im Netz statt. Die Mountainbiker tauschen auf speziellen Internetplattformen gegenseitig Tourentipps aus. Zudem besteht die Möglichkeit, im OpenStreetMap Trails einzuzeichnen, die man gefahren ist. Heißt: Der interessierte Mountainbiker kann sich einen Überblick über ein – wenn auch nicht offizielles – Trailnetz verschaffen.

Ein offizielles Trailnetz ist das Anliegen von DIMB und von Ruediger Becker, Geschäftsführer der in Unterkochen ansässigen Agentur Bike & Berg. Welche Anforderungen müsste es erfüllen?

Erst einmal vorweg: Das ist richtig viel Arbeit. Ein offizielles Kartieren der Trails erfordert die gemeinsame Abstimmung mit allen Beteiligten – mit Forst, Jagdgenossenschaften, Naturschützern, Waldbesitzern usw. Und natürlich hat der Forst dabei die Schlüsselrolle.

Wann soll der Prozess starten?

Der Prozess müsste im Sommer beginnen, indem man sich da mal einen Weg anschaut. Dann geht es um Fragen wie: Braucht es ein Gutachten? Muss man den vorhandenen Weg für die Mountainbiker abändern? Etwa, weil er entlang einer Kirrung (Wildfütterungsstelle) läuft oder weil die Mountainbiker auf dem vorhandenen Forstweg den Jägern in die Quere kommen. Dann geht es um die Beschilderung des Geländes als touristisches Angebot.

Ein offizielles Trailnetz wird mehr Mountainbiker – auch von weither – anlocken. Wer übernimmt die Verantwortung für die Sicherheit?

Auch das muss geklärt werden. Idealerweise wäre ein Verein, es kann auch eine Firma sein, eine Kommune oder ein Tourismusverband. Beispielsweise könnte man über akute Gefahren und nötige Sperrungen von Trails etwa aufgrund von Forstarbeiten über eine Website und eine App informieren.

Das Trailnetz muss bedarfsgerecht sein, betonen Sie immer wieder. Was meinen Sie damit?

Wenn man etwa nur einen einzigen Rundkurs im Langert ausweisen würde, ginge das am Anspruch des Mountainbiksports vorbei. Wir wollen ein Angebot vor allem auch für die Jugend schaffen. Die Jugendlichen sollen schon an der Haustür auf ihre Mountainbikes steigen und spätestens nach 20 Minuten das Trailnetz erreichen können.

Sie sehen im Mountainbikesport gar das Potenzial, ein Aushängeschild der Region zu werden...

In Verbindung mit der Gastronomie, mit Hotelübernachtungen, mit Ernährungsberatung, mit geführten Gruppentouren, Fahrtechniktrainings könnte der Sport sicher ein weiterer Wirtschaftsfaktor für Aalen werden. Überdies ist er als weicher Standortfaktor inzwischen sogar auch von großer Bedeutung für Top-Wirtschaftsleute.

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