Corona-Studie: Kleiner Test mit großen Folgen

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Desiree und Norbert Schinko mit ihren beiden Kindern Elias (5) und Jana (3). Die Familie hat sich an der landesweiten Corona-Studie beteiligt. Archivfoto: ks
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Familie Schinko hat an der Corona-Studie des Landes teilgenommen. Sie freuen sich über das Ergebnis und die Kita-Öffnung.

Aalen-Hofherrnweiler

Keine Antikörper. So lauten die Testergebnisse. Weder in den Blutproben von Norbert Schinko, noch in denen seines fünfjährigen Sohnes Elias wurden Antikörper gegen das Sars-CoV-2-Virus gefunden. "Für uns ist das ein positives Ergebnis", resümiert der Familienvater. "Es wird deutlich, dass die Kinder kein tragendes Element der Infektionskette sind und damit auch kein erhöhtes Risiko im gesellschaftlichen Umgang darstellen."

Nicht nur die Eltern Desiree und Norbert Schinko sind froh, was dieses Ergebnis in Baden-Württemberg nach sich zieht. Nämlich die vollständige Öffnung der Kitas, wie Kultusministerin Susanne Eisenmann verkündete. Zwar fällt hier dann das Abstandsgebot, die getrennten Gruppen sollen jedoch erhalten bleiben und sich nicht mischen.

Es war die große Hoffnung von Desiree und Norbert Schinko "für alle Kinder in Baden Württemberg, dass mit diesen Erkenntnissen möglichst bald der reguläre Betrieb in Kitas und in den Schulen des Landes wieder anlaufen kann". Desiree und Norbert Schinko haben sich als Elternbeiräte für ein rollierendes System an Kitas in Aalen eingesetzt. Dieses soll so noch bis zum 29. Juni weiterlaufen. Die Kinder der Familie Schinko, Elias und seine dreijährige Schwester Jana, gehen zurzeit die eine Woche jeweils halbtags in die Kita, die andere Woche wird ausgesetzt. "Das funktioniert zwar bei uns im Milanweg", beginnt Norbert Schinko, "doch an vielen anderen Kitas ist das nicht möglich." Nämlich dann nicht, wenn es so viele Kinder gibt, die eine Notbetreuung benötigen, dass die mögliche 50-prozentige Auslastung bereits damit erreicht ist.

Elias und Jana sind froh, dass sie endlich wieder in die Kita gehen, ihre Freunde treffen können. Norbert Schinko: "Da es ja sehr kurzfristig ablief, waren sie ganz nervös vor lauter Freude." So aufgeregt, dass sie schon früh morgens losgehen wollten.

Zwar sei es das erste Mal etwas komisch gewesen, da Eltern und Erzieher bei der Übergabe einen Mund-Nasen-Schutz aufsetzen müssen. Und mit reinzugehen ist für Eltern tabu. Jedes Kind wird einzeln an der Tür empfangen, dann werden Hände gewaschen, die Kinder kommen in den Raum zu ihrer Gruppe. Im Garten sind Schnüre gespannt, es wird darauf geachtet, dass die Kinder stets in ihrer Gruppe bleiben.

Das Ergebnis bestärkt mich, dass man sich das Virus vielleicht doch nicht so einfach einfängt.

Norbert Schinko Vater

"Wir müssen hier nun die Bildung hinten anstellen", so Schinko. Viel wichtiger seien die sozialen Kompetenzen und Kontakte der Kinder, die nun nicht mehr vernachlässigt, sondern gestärkt werden sollten. Ein offenes Konzept, wie es normalerweise im Milanweg praktiziert wird, sei momentan nicht möglich. Trotz aller besonderen Umstände: "Die Kinder sind ganz fröhlich hingelaufen", erinnert sich Norbert Schinko an den ersten Tag der Wieder-Öffnung. Erst seien sie etwas verhalten gewesen und dann "ganz glücklich".

Mit dem Ergebnis der Studie und der Öffnung der Kitas geht es nicht nur für Familie Schinko wieder einen Schritt mehr Richtung Normalität. "Das Ergebnis bestärkt mich, dass man sich das Virus vielleicht doch nicht so einfach einfängt", so Norbert Schinko. Denn sie seien gewohnt, dass ihre Kinder in der Vergangenheit bezüglich Krankheiten alles mögliche aus der Kita mit nach Hause gebracht hätten. "Wenn jemand es hätte kriegen müssen, dann wir", ist er sich sicher.

Da die Familie bis zum Lockdown ihrem Alltag ganz normal nachgegangen ist, stellen sie nach dem Testergebnis fest, "dass der Erreger, trotz exponenzieller Ausbreitungsrate Anfang des Frühjahr in der Kita kein Problem gewesen ist". Letztlich werde auch deutlich, dass trotz Lockerungen in Deutschland im Kita-Sektor wider Erwarten keine Spots auftreten. "Und wenn wir jetzt nicht öffnen – wann dann?"

Wissenschaftler der vier Universitätskliniken in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm haben in der vom Land Baden-Württemberg initiierten und finanzierten COVID-19-Kinder-Studie untersucht, wie viele Paare aus je einem Elternteil und einem Kind unbemerkt zum Zeitpunkt der Testung infiziert waren oder bereits Antikörper nach einer überstandenen, aber unbemerkt gebliebenen Corona-Virus-Infektion gebildet hatten.

Die vorläufigen Ergebnisse: Lediglich bei einem von 5000 getesteten Eltern-Kind-Paaren wurde zum Zeitpunkt des Tests eine Corona-Infektion festgestellt. Bei 45 Erwachsenen und 19 Kindern fanden sich Antikörper. Die getesteten Kinder im Alter von einem bis zehn Jahren waren also seltener infiziert als Erwachsene. Weniger als ein Drittel der auf Antikörper positiv getesteten Personen sind Kinder. Bei 13 Eltern-Kind-Paaren waren beide infiziert, das heißt die Erkrankung eines Elternteils führt nicht zwingend zur Erkrankung des Kindes und umgekehrt.

Stadtverwaltung ist mit dem Auftakt zufrieden

Aalen. Die Stadtverwaltung Aalen ist sehr zufrieden, wie sich der Einstieg in den eingeschränkten Regelbetrieb in den Kitas entwickelt hat. "Wir haben es geschafft, die Vorgaben des Landes umzusetzen und dabei möglichst alle Themen zu berücksichtigen", lässt die Pressesprecherin Karin Haisch auf SchwäPo-Anfrage wissen. "Unsere Kolleginnen und Kollegen vom Amt für Soziales Jugend und Familie haben gemeinsam mit dem Personal in den Kitas die Belegungen und die Schutzmaßnahmen sehr gut vorbereitet." Die Mitarbeiterinnen, die Eltern und die Kinder hätten sich sehr gut auf die ungewohnte Situation eingestellt. Im Vorfeld wurden für jede Einrichtung individuelle Pläne ausgearbeitet mit dem Ziel, möglichst allen Kindern zumindest zeitweise einen Besuch ihrer Kita zu ermöglichen. Nicht machbar war das lediglich in Fällen, wo Notbetreuungsangebote in den jeweiligen Kitas eingerichtet waren und die räumlichen Kapazitäten fehlten, um die Auflagen des Landes für den Infektionsschutz umsetzen zu können. Neben dem regelmäßigen Austausch mit den Kita-Trägern stand die Stadtverwaltung auch im Kontakt mit den Elternbeiräten. Unter anderem fand Anfang Juni eine gemeinsame Elternbeiratssitzung mit allen Elternbeiräten der städtischen Kitas mit Oberbürgermeister Thilo Rentschler, Bürgermeister Karl-Heinz Ehrmann und den Kollegen vom Amt für Soziales, Jugend und Familie statt. sas

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