Corona: Viele wollen einen Bello

  • Weitere
    schließen
+
Hans Wagner mit seinem Schäferhund Felix.
  • schließen

Die Nachfrage nach Hunden im Tierheim Dreherhof ist in der Krise enorm gestiegen. Was künftige Besitzer wissen sollten.

Aalen

Eine Pandemie kann ganz schön einsam machen: keine Urlaubsreisen in ferne Länder, keine Partys, keine Feste. Bei vielen ist Corona-Cocooning angesagt, "Verpuppen" also in den eigenen vier Wänden. Fakt ist: Mit einem Haustier, einem Hund zum Beispiel, fühlt man sich während der Krise weniger allein. Gesellschaft im Homeoffice, Gassi Gehen als Zeitvertreib. Und Fakt ist auch: Die Nachfrage nach Hunden bei Züchtern und in Tierheimen ist seit Beginn der Corona-Krise rasant gestiegen.

Das bestätigt Hans Wagner, Leiter des Aalener Tierheims Dreherhof. "Seit der Corona-Krise vermitteln wir fünf bis zehn Hunde im Monat", sagt er. Vor der Pandemie war das anders. "Ein oder zwei Hunde haben wir im Schnitt vermittelt", erinnert sich Wagner. "Wenn man die Vermittlungszahlen betrachtet, sind wir die Profiteure der Corona-Krise", sagt er. Inzwischen ist das Angebot nicht mehr so groß. 16 Vierbeiner sind im Tierheim untergebracht. "Viele Hunde haben aber eine schwierige Vorgeschichte oder entsprechen nicht den Ansprüchen der Interessenten", sagt Wagner.

Vor der Entscheidung, sich einen Hund anzuschaffen, sei das einer der wichtigsten Faktoren, meint Hundetrainerin Jana Aichner von der Hundeschule Teamwork in Aalen. "Zuallererst sollte man beachten, welcher Hund, welche Rasse für die jeweiligen Bedürfnisse des Menschen geeignet ist", so Aichner. Einen Gesellschaftshund oder einen Hund mit körperlichen Beschwerden, der nicht so viel Auslauf benötigt, sollte beispielsweise nicht einem Menschen vermittelt werden, der täglich seinen Vierbeiner zwei Stunden zum Joggen mitnehmen möchte, erklärt die Hundetrainerin.

Zudem solle man sich vor dem Kauf mit dem Charakter beschäftigen. Da empfehle sich ein längerer Kontakt mit den Tierheimmitarbeitern oder den Züchtern. "Nur wenn ich merke, dass die Chemie zwischen dem Hund und dem künftigen Herrchen oder Frauchen stimmt, vermittele ich auch. Schließlich soll das dann eine Partnerschaft fürs Leben sein", sagt Wagner.

Vor allem kleine und junge Mischlinge seien sehr beliebt, weiß der Tierheim-Chef. Einen solchen Vierbeiner wünschen sich auch Sofie Ziemer und Alex Schweizer. Sie hoffen, im Tierheim Dreherhof ein neues bellendes Familienmitglied zu finden. "Die Tiere im Heim sind meist zutraulicher", begründet der 18-Jährige, warum er sich an den Dreherhof gewandt hat.

Aufgeregt und laut bellend wird das junge Pärchen von den Hunden im Zwinger begrüßt. "Ich wünsche mir schon länger einen eigenen Hund", sagt Sofie Ziemer, während sie vor dem Gehege eines etwas älteren Dackel-Terriers steht. "Der ist doch süß", sagt sie. Doch für diesen Vierbeiner steht vor der Vermittlung erst noch eine OP an. "Die Zähne müssen gerichtet werden", erläutert Wagner. Nach dem Tod seines Besitzers sei der Mischlingshund ins Tierheim gekommen. "Todesfälle, Scheidungen, Allergien oder ein Umzug sind die häufigsten Gründe, warum Hunde hier hergebracht werden", sagt Wagner.

Das Positive an Corona: Dass mehr Hunde während der Sommerferien abgegeben werden, kann Wagner in diesem Jahr nicht bestätigen. Er erklärt sich das so: "Das Wandern in der Region liegt wieder voll im Trend und mit einem Hund macht das natürlich noch viel mehr Spaß." Und wer sich keinen Hund halten kann, für den gebe es immer noch die Möglichkeit, die Hunde während der Besuchszeiten im Tierheim spazieren zu führen. "Zurzeit haben wir so viele Gassigeher, da gehen uns manchmal schon die Hunde aus", sagt Wagner.

So klappt's mit dem Hund aus dem Heim

Aalen Hundetrainerin Jana Aichner verrät, was zu beachten ist, wenn man sich einen Hund aus dem Tierheim holt.

Gesundheit: Die Impfungen des Hundes sollten auf dem aktuellen Stand und er sollte entwurmt sein, sagt Aichner. Schuppiges oder fettiges Fell der Hunde könnten Indikatoren dafür sein, dass der Hund gestresst ist. Bei ausreichender Fellpflege und Entspannung könne sich das aber auch wieder ändern. "Wenn der Hund beim Streicheln über die Wirbelsäule zuckt, heißt das meist nichts Gutes", sagt Aichner. Oft liegen in solchen Fällen Verspannungen vor, die zu Haltungsschäden führen können.

Vorbereitung: Schläft der Hund im Bett, darf er in die Küche? Solche Fragen sollten vorher geklärt werden, damit nicht mit Verboten, sondern Angeboten gearbeitet werden kann. "Darf der Hund nicht in die Küche, sollte die Tür für die ersten Tage geschlossen werden", rät Aichner. Zudem sollten Entspannungsorte eingerichtet werden. Meist suchen sich die Hunde die Plätze selbst aus. Neben einem gut sitzenden Y-Geschirr, das den Hund nicht in der Bewegung einschränkt, könne bei den ersten Besuchen getestet werden, welche Spielzeuge er gerne hat. Beim Futter empfiehlt Aichner, übers Ausschlussverfahren herauszufinden, was dem Hund schmeckt.

Eingewöhnung: Rund 14 Tage brauche ein Hund, um sich an sein neues Zuhause zu gewöhnen. Aichner empfiehlt, in dieser Zeit zu Hause zu sein und wenig Besuch einzuladen, da der Hund sich erst an die Familienmitglieder gewöhnen müsse. Durch gemeinsame Aktivitäten und klare Kommunikation zwischen Mensch und Tier könne eine vertraute Beziehung entstehen. Wichtig dabei sei vor allem zu lernen, die Signale des Hundes zu erkennen.

Sofie Ziemer und Alex Schweizer wollen einen Hund vom Tierheim Dreherhof adoptieren.

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL