Cum-Ex-Skandal an der Hochschule

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Investigativjournalist Oliver Schröm war zu Gast an der Hochschule Aalen, um von seinen Recherchen im Cum-Ex-Skandal zu berichten.
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Investigativournalist Oliver Schröm berichtet von seinen Recherchen im Cum-Ex-Skandal an der Hochschule Aalen.

Aalen. Er kam Millionenbetrügern auf die Spur, schlüpfte für seine Recherchen selbst in die Rolle eines Milliardärs und hatte wegen seiner Arbeit Verfahren wegen Spionage am Hals - Oliver Schröm hat mit seinen Recherchen maßgeblich Aufklärungsarbeit im Cum-Ex-Skandal geleistet. In der Aula der Hochschule Aalen berichtet er von seinen Erfahrungen als investigativer Journalist. 

„Viele Recherchen beginnen mit einem Anruf“, sagt Schröm. So auch diese hier: Im September 2013 wendet sich ein anonymer Informant an Schröm. Die Quelle will von millionenschwerem Steuerbetrug wissen. Bei derartigen Anschuldigungen sei Vorsicht geboten. Doch das Interesse war geweckt.

32 Milliarden Euro fehlen

Der Informant, der in Schröms Reportage Benjamin Frei genannt wird, liefert einen Datenträger mit belastenden Informationen. Ein Team um Schröm wertet sie aus. Es offenbart sich eine Lücke von 32 Milliarden Euro. „Man kann damit viele Schulen bauen, Schulen renovieren“, sagt Schröm, „aber es fehlt in der Staatskasse“. 

Durch einen Mailverlauf entsteht ein weiterer Verdacht: „Haben die etwa ganz Europa ausgeraubt?“ Rund 40 Journalisten aus zwölf Ländern schließen sich zu einem europaweiten Rechercheteam zusammen. Cum-Ex-Gaunereien seien seit 2012 nicht mehr möglich, Gerüchte besagen, es gehe weiter. „Da wollten wir den Beweis erbringen.“ 

Schröm nimmt für seine Recherche eine neue Identität an. Als Milliardär trifft er sich mit einem in Cum Ex verstrickten Geschäftsmann, recherchiert mit verdeckter Kamera. Laut dem Geschäftsmann ist Cum Ex immer noch möglich - unter dem Namen „Event Driven“.

Mit der Recherche wuchs das Vertrauen - Informant Benjamin Frei wagt sich maskiert vor die Kamera. „Cum Ex hat mich korrumpiert, Cum Ex hat mich vergiftet.“ Das ergaunerte Geld sei zur Nebensache geworden. „Es war nie genug. Nie. Es ging um den Thrill“, sagt der Informant, der zum Kronzeuge wurde. 

Nach dem Vortrag hatten die Anwesenden die Chance, Schröm Fragen zu stellen. Eine davon lautet, ob er sich nie um seine persönliche Sicherheit gesorgt hat. „Ich mache mir keine Sorgen um Leib und Wohl“, entgegnet Schröm. Vielmehr müsse er sich mit Klagen und Strafverfahren auseinandersetzen. „Wenn Sie irgendetwas enthüllen“, sagt er, „kommt sofort eine Klage“. Während seiner Cum-Ex-Recherchen etwa sei in der Schweiz gegen ihn wegen Spionage ermittelt worden. 

Ein weiterer Zuhörer interessiert sich für die Motivation der Informanten, die derartige Skandale offenlegen. Es gebe viele Gründe. Ruhm. Geld. Ehre. Im Fall Benjamin Frei: „Geld motiviert ihn nicht. Er ist ein Grenzgänger, er braucht den Thrill.“ Diesen Thrill bekomme er von seiner Rolle als Kronzeuge. 

Beruf aus Überzeugung

Professor Dr. Marc Falko Schrader, der die Moderation in der Aula der Hochschule übernimmt, fragt Schröm unter anderem nach einem guten Rat für die Studierenden. Ob er Journalismus als Berufswahl empfehlen kann, weiß er nicht, gesteht Schröm. Reich werde man in dem Beruf nicht. Auch die Freizeit zieht oft den Kürzeren. Doch er sei Journalist aus Überzeugung, lebe für den Beruf. Diese Überzeugung traut er auch Polizeibeamten und Pflegekräften zu. Vom Beruf überzeugt zu sein, ist wichtig, entnimmt Schrader aus Schröms Antwort. Wer es nicht sei, habe es schwerer. Ebenso müsse man kritisch mit der Realität umgehen, sich nicht von hohen Gehältern blenden lassen. 

Cum Ex bezeichnet eine Steuerbetrugsmasche, bei der die Kapitalertragssteuer von Aktiendividenden ausgenutzt wird. Betrüger fordern Steuergelder vom Staat ein, die sie nie entrichtet haben und ergaunern so Geld. Oliver Schröm ist in Heidenheim geboren, verbrachte Teile seiner Kindheit in Neresheim. Zu seiner Laufbahn gehören Stopps bei der Zeit und dem Stern. Er hat „Correctiv“ mitentwickelt. Mit seinem Vortrag an der Hochschule Aalen geht es für ihn „back to the roots“. Freude zeigte er, wieder da zu sein und „schwäbisch reden zu können und verstanden zu werden“.

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