Daniel Schiffner jongliert nun mit Bällen statt Systemen

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Daniel Schiffner, Jonglierpädagoge und Systemingenieur. Foto: privat
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Warum sich der 36-Jährige mit seiner Jonglierwerkstatt selbstständig gemacht hat und warum das Spiel mit den Bällen auch gut für den Job ist. Von Dagmar Oltersdorf

In vielen Stresssituationen hilft jonglieren.

Daniel Schiffner, Jonglierpädagoge

Aalen

Die Bälle lagen eigentlich immer irgendwo griffbereit“, sagt Daniel Schiffner. Der 36-Jährige hat sich in Aalen mit seiner Jonglierwerkstatt selbstständig gemacht und damit auch ein neues Leben begonnen. Für den studierten Systemingenieur ist Jonglieren mehr als nur der spielerische Umgang mit Gegenständen.

Schildmütze, Jutetasche, das Lastenrad vor der Tür - Daniel Schiffer wirkt wie ein lockerer Typ. Fast kann man da nicht glauben, dass er einst bei seinem Stuttgarter Arbeitgeber 1000 Überstunden angesammelt hatte. Der 36-Jährige war viel unterwegs im Bereich Rundfunk - und Übertragungstechnik. Drei Wochen waren eher die Regel als die Ausnahme - immer weg von der Stuttgarter WG, in der er mit seiner Frau lebte, und von den Freuden. Das klingt ein wenig nach Workaholic. „Ich bin projektorientiert und arbeite dafür auch gerne und viel“, sagt Schiffner - auch in Hinblick auf diese Zeit.

Rückkehr nach Aalen

Ein Blick zurück ohne Groll - immerhin haben ihm diese Überstunden eine sieben Monate dauernde Reise mit seiner Frau ermöglicht, wie er erzählt. Mit dem Rucksack ging es nach Kirgistan, Pakistan, Indien und in den Himalaya. „Dort gibt es Lebensweisen, von denen wir lernen können und die einen auch prägen“ erzählt Daniel Schiffner. „Unsere Arbeitswelt wird schnelllebiger, jeder jongliert sich da hindurch und muss entscheiden, was gerade wichtig ist und was nicht.“ Als sich ein Kind ankündigt, gibt er sich selbst die Antwort: seine Vorstellung von Familienleben ist mit dem alten Arbeitgeber nicht zu schaffen. Er zieht mit seiner Frau zurück in seine Heimatstadt Aalen und kündigt.

Daniel Schiffner ist ein Gewächs der Aalener Kulturszene. Nachdem er als Zehnjähriger bei einem Urlaub einen Mann mit Diabolos jonglieren sieht, fängt er Feuer. Er ist aktiv beim Kinder- und Jugendzirkus im Haus der Jugend. Jongliert dort, aber unter anderem auch auf Familienfesten und bei Freizeiten. Er macht ein Praktikum beim Theater der Stadt Aalen, danach eine Ausbildung zum Veranstaltungstechniker. Danach studiert er in Stuttgart Audiovisuelle und Elektronische Medien.

Musik begleitet sein Leben ebenso: Mit dem Kingston Guerilla Soundsystem lädt er jahrelang zur Reggae-Party unter der Hochbrücke. Nun wieder in Aalen lebend, fokussiert sich der 36-Jährige, nun Freiberufler, seit Februar vor allem auf dem Aufbau seiner Jonglierwerkstatt.

Offenbar macht der Jongleur alles, was er tut, projektorientiert, fokussiert und gründlich. Von Mario Filzi lässt er sich 2021 zum Jonglierpädagogen mit Schwerpunkt „Prozessorientiertes Jonglieren“ ausbilden. Das Lastenrad trägt nicht nur die Einkäufe der autolosen Familie und die Jonglierausrüstung mit sich, sondern auch das Firmenlogo auf der Seite.

Erste Projekte sind bereits angelaufen. „Jonglieren macht Spaß“, sagt der Familienvater, der zwischendurch durchaus auch mit seiner Frau jongliert. „Und es macht auch große Freude, diese Fähigkeit mit anderen zu teilen.“ Doch Jonglieren biete mehr als nur den Spaß. In vielen Stresssituationen helfe es, den inneren Monolog abzuschalten.

Jongliert wird auch bei der Arbeit

Auch in beruflichen Teams gehe es um Vertrauen und einen gemeinsamen Rhythmus. Gebe es hier ein Ungleichgewicht, könne Jonglieren helfen, die Balance wieder herzustellen. Es gebe im Coaching bereits einige Ansätze, bei denen Jonglieren unterstützend wirken könne. Auch er habe bereits erste Anfragen. „Nicht das Fangen, sondern das Loslassen ist die Kunst“, zitiert Daniel Schiffner Mario Filzi. „Und Geduld ist ein ganz zentrales Thema.“ Das erfahre er auch in seinen Workshops.

Daniel Schiffner hat seine Idee von der Jonglierwerkstatt wahr werden lassen. Auch, weil seine Frau in ihren alten Job zurückgekehrt ist, sei das möglich gewesen. Aber wie jeder wisse er auch, dass Scheitern zum Leben und zur kreativen Arbeit gehört. Er sei immer optimistisch, bleibe aber in vielen Bereichen auch Realist, sagt der Jongleur von sich selbst. Und Papa sein sei eben auch sehr schön.

Mario Filzi ist gebürtiger Wiener. Der Jonglierpädagoge leitet unter anderem Seminare am Sportinstitut der Uni Wien. Er entwickelte Jonglierpädagogik mit dem Namen „POJ-Prozessorientiertes Jonglieren“ verbindet Elemente des Coachings mit der Kunst des Jonglierens.

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