Das Dampfkesselhaus - als Aalens Industrie Schub bekam

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Das Dampfkesselhaus (unterer Bildrand, gelb markiert) diente der Energieerzeugung für die Aalener Unionwerke. Hier eine Luftaufnahme aus den 1950er Jahren.
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Das backsteinrote Haus auf dem Union-Areal ist ein besonderes Zeugnis der städtischen Wirtschaftsgeschichte.

Aalen. Seit ein paar Tagen hat das historische Dampfkesselhaus auf dem Areal der ehemaligen Union-Werke einen neuen Dachstuhl. Damit hat die Stadtverwaltung die äußere Hülle vor Wind und Wetter geschützt. Was in Zukunft werden wird aus dem backsteinroten Haus mit dem langen Schornstein, ist noch unklar. Fest steht nur: Es soll erhalten bleiben. Denn das Dampfkesselhaus ist ein besonderes Zeugnis der Aalener Industriegeschichte. Vermutlich das einzige dieser Art, das in der Kocherstadt aus dem vorletzten Jahrhundert erhalten ist. Es steht für den wirtschaftlichen Aufschwung am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, nachdem Aalen durch die Eisenbahn erschlossen war.

Im Aalener Stadtarchiv ist belegt, dass das Dampfkesselhaus im Jahr 1892 erbaut wurde. Dort wurde die Energie erzeugt, die die Aalener Union-Werke für ihre Produktion brauchten, so Stadtarchivar Dr. Georg Wendt. 1882 hatten sich diverse Unternehmen aus Aalen, Augsburg und Ulm zur Aktiengesellschaft Union zusammengeschlossen. Gemeinsam stellten sie vor allem Zündhölzer, Bohnerwachs und Schuhcreme her. Zur Weltmarke wurde die Schuhcreme "Kavalier".

Zum Jahresende 1987 stellte der Betrieb seine Produktion ein. 30 Jahre lang lag das Gelände brach, 2016 wurde es ans Landratsamt Ostalb verkauft. Inzwischen sind alle übrigen Firmengebäude auf dem Areal abgerissen. Viel freie Fläche ist entstanden, auf der das Landratsamt neue Büros und ein Parkhaus plant.

Im Inneren des Dampfkesselhauses mit seinen 160 Quadratmetern Grundfläche sind etliche technische Ausstattungsdetails erhalten geblieben: Kesselanlagen, Leitungsführungen und Schilder, die die Funktionsweise noch erahnen lassen – auch wenn nicht alle Bestandteile aus der Originalbauzeit stammen, heißt es aus dem Stadtarchiv.

Im Jahr 2019 wurde zum vorerst letzten Mal in den politischen Gremien über das Dampfkesselhaus beraten. Ganz unterschiedliche Ideen kamen im Gemeinderat, im Kreistag und den Ausschüssen auf: die Nutzung als musealer Erinnerungsort an die Aalener Industriegeschichte, die Einrichtung einer Mobilitätsstation für den Radverkehr am Kocherradweg oder auch eine kulturelle oder gastronomische Nutzung. In jedem Fall müsste das Gebäude dazu umfassend saniert werden. 660.000 Euro Kosten hatte die Aalener Bauverwaltung seinerzeit dafür kalkuliert und von Fördergeldern zwischen 60 und 85 Prozent  gesprochen. Seither sind drei Jahre ins Land gegangen. Bea Wiese

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