Das Geschäft mit den Corona-Tests

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Murat Onay (l.) hat Mitte April vergangenen Jahres als erster privater Betreiber in Aalen eine Teststelle in Dr. Fair Fashion eröffnet. Inzwischen hat er fünf weitere Teststationen in Betrieb genommen. Sein 52-köpfiges Personal ist entsprechend geschult
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Kreisweit gibt es etwa 200 Stellen für Bürgertestungen - immer mehr werden von privaten Betreibern geführt. Wer darf eine Teststation eröffnen? Und wer kontrolliert, ob alles rechtens ist?

Aalen

Die Anzahl der Corona-Teststationen in Aalen, im Ostalbkreis, ist enorm gestiegen. Nach Aussage der Pressesprecherin des Landkreises, Susanne Dietterle, gibt es kreisweit inzwischen rund 200 Stellen für Bürgertestungen. Doch diese sind nicht nur bei Ärzten, in Apotheken, bei Rettungs- und Hilfsorganisationen angesiedelt. Es haben auch zunehmend privat betriebene Teststellen eröffnet. Diese Tatsache wiederum wirft Fragen auf: Kann eigentlich jede Privatperson eine Teststation eröffnen? Welche Bedingungen müssen erfüllt werden? Und wer kontrolliert, ob alles rechtens ist?

„Eine Teststation zu eröffnen, ist schon recht einfach“, sagt Murat Onay, der Mitte April vergangenen Jahres in Dr. Fair-Fashion am Aalener Marktplatz die erste in Aalen privat geführte Teststelle eröffnet hat. Inzwischen führt er fünf weitere Teststationen - jeweils eine im Kino in Aalen und in Ellwangen, weitere bei Möbel Rieger, in Fachsenfeld und in der Ellwanger City.

Aktuell beschäftigt der 43-Jährige eigenen Angaben zufolge insgesamt 52 Mitarbeiter, „medizinisches Personal für die PCR-Tests und geschultes Personal für die Schnelltests, alle ordnungsgemäß zertifiziert“, betont er. Seinen Teststellen-Betrieb bezeichnet er als professionell aufgebauten Geschäftszweig. Seinen eigentlichen Job als Regionalleiter in der Telekommunikationsbranche führt Onay parallel weiter aus; wissend, dass die Regierung die Test-Pflicht wieder aufheben wird, sobald die Notwendigkeit dafür nicht mehr gegeben ist.

Anleitung im Internet: Ein Blick ins Internet bestätigt, dass die Eröffnung einer Teststelle nicht schwierig ist. Unter der Adresse „um-corona-testzentrum.de“ beispielsweise findet man eine konkrete Anleitung in fünf Schritten - von der Erstellung eines Hygienekonzepts und einer Webseite bis hin zur Registrierung beim Gesundheitsamt und der Abrechnung bei der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW).

Wer erteilt die Zulassung?

Wie das Sozialministerium Baden-Württemberg im Internet informiert, ist für die Eröffnung einer privat geführten Teststelle neben einer Gewerbeanmeldung und einer Beauftragung eine ID-Kennung Voraussetzung. Beides erhält man beim zuständigen Gesundheitsamt. „Eine Beauftragung setzt voraus, dass der Beauftragte die Gewähr für die ordnungsgemäße Durchführung von Testleistungen bietet“, betont Dietterle. Und er müsse jederzeit die erforderliche Zuverlässigkeit gewährleisten.

Was ist unter „erforderlicher Zuverlässigkeit“ zu verstehen?

„Seit Juli 2021 brauchen privat geführte Corona-Teststellen eine Einzelbeauftragung gemäß §6 Absatz 1 Nr. 2 der Coronavirus-Testverordnung“, informiert Susanne Dietterle vom Landratsamt Ostalbkreis weiter. Demnach könne das Gesundheitsamt private Anbieter beauftragen, sofern diese „die infektionsschutzrechtlichen, medizinprodukterechtlichen und arbeitsschutzrechtlichen Anforderungen gewährleisten“. Weiter müssen alle Stellen, die Bürgertestungen anbieten und abrechnen möchten, sich zudem an die Corona-Warn-App anbinden.

Wer darf die Corona-Testabstriche ausführen?

Sowohl Antigen-Schnelltests als auch die PCR-Abstrich-Entnahme dürfen laut Sozialministerium auch von nicht-ärztlichem Personal vorgenommen werden. „Das Testpersonal muss jedoch explizit geschult sein“, heißt es. Bedeutet: Eine entsprechende medizinische Ausbildung oder eine entsprechende Schulung in schriftlicher Form (online-Schulungen gelten nicht, Anm. d. Red.) müssen nachgewiesen werden.

Wenn eine Teststelle zugelassen und eröffnet ist: Wer kontrolliert, dass alles mit rechten Dingen zugeht?

Für die Kontrolle der Hygiene in den Teststellen ist das jeweilige Gesundheitsamt in den Landkreise zuständig. Susanne Dietterle spricht von „anlassbezogenen Kontrollen“, beispielsweise, wenn Hinweise Dritter vorliegen. „Wenn es um nicht ordnungsgemäß abgewickelte Abrechnungen geht, leiten wir diese Hinweise an die Kassenärztliche Vereinigung zur weiteren Überprüfung und Nachverfolgung weiter.“ Wenn etwa infektionsschutz- oder arbeitsschutzrechtliche Anforderungen trotz Überprüfung und Aufforderung des Gesundheitsamtes nicht eingehalten würden, käme letztlich auch eine Entziehung der Beauftragung in Betracht, so Dietterle weiter.

Musste deswegen im Ostalbkreis schon eine Teststelle schließen?

„Bislang gab es so einen Fall noch nicht“, sagt die Sprecherin des Landratsamtes. Überprüfungen indes habe es ein gutes Dutzend gegeben.

Aber zurück zu Murat Onay, der seit Oktober 2021 zu den Antigen-Schnelltests auch Abstriche für PCR-Testungen anbietet, die dann zur Untersuchung in ein Labor weitergeleitet werden. Diese Abstriche für PCR-Tests seien zwar um einiges aufwendiger als die Schnelltests und würden auch geringer vergütet. „Aber wir haben uns dazu bereit erklärt, nachdem uns das Gesundheitsamt darum gebeten hatte. Und weil wir die Arztpraxen damit entlasten können“, sagt Onay. Seinen Angaben zufolge zahle die Kassenärztliche Vereinigung pro Schnelltest 11,50 Euro, pro PCR-Test 8 Euro. Freilich seien diese Zahlen nicht gleichzustellen mit dem Gewinn. „Das ist wie bei einem Unternehmen. Man hat Personal, Miete und Nebenkosten zu zahlen, hinzu kommt die Investition in eine aufwendige Software und hinterher noch die Steuer.“

Trotz inzwischen vielfacher Konkurrenz: Bei Murat Onay läuft der Laden. „Das Schöne ist: Wir merken nichts davon, dass in unmittelbarer Nachbarschaft ebenfalls einige Teststationen eröffnet haben“, sagt er. Seine Teststelle in Aalen könnte er bei Bedarf kurzfristig auf etwa 1000 Testungen am Tag hochfahren.

„Wir sind nach wie vor ausgelastet. Das spricht für Qualität. Es ist ein gutes Geschäft. Aber eben nur ein zeitlich begrenztes.“

Eine Teststation zu eröffnen, ist schon recht einfach.“

Murat Onay, Betreiber von sechs Teststellen
Archivaufnahme aus 2021: Murat Okay eröffnete bereits frühzeitig seine erste Teststation in Aalen. Eine Erfolgsgeschichte.

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