Das Gesundheitswesen aus der Krise holen

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Podiumsdiskussion über die Situation am Ostalb-Klinikum, Pflege und Patienten.

Aalen. "Eine krisenfeste Gesundheitsversorgung ist schon lange ein Herzensthema der Linken", sagt Justin Niebius. Der 20-Jährige ist der Landtagskandidat der Partei "Die Linke" im Wahlkreis Aalen. "Ich hoffe, dass wir durch die Landtagswahl am 14. März die politische Kraft bekommen, um an der Seite der Beschäftigten und Gewerkschaften eine bessere Situation im Pflege- und Gesundheitswesen zu erreichen", betont er während einer Podiumsdiskussion online über "Facebook" am Mittwochabend.

Dazu hat er sich vier Gäste "ins Boot" geholt: Dieter Zandel und Simon Janot sind beide als Krankenpfleger am Ostalb-Klinikum Aalen. Inzwischen ist Dieter Zandel Personalratsvorsitzender des Klinikums, Simon Janot ist dort Personalrat und Jugendauszubildendenvertreter.

Aus Berlin zugeschaltet ist Harald Weinberg, Krankenhauspolitischer Sprecher der Linksfraktion im Bundestag. Ebenfalls in der Runde: Roland Hamm als ehrenamtlicher AOK-Bezirksratsvorsitzender in Ostwürttemberg, aber zum Beispiel auch für "Die Linke" im Kreisrat und Klinikausschuss des Ostalbkreises.

Schon vor Corona sei unser Gesundheitswesen in die Krise geraten, sagt Dieter Zandel und erläutert: "Schuld ist das katastrophale Finanzierungssystem." Durch ein Abrechnungssystem nach Fallpauschalen, kurz: DRG, würden Krankenhäuser seit Jahren dazu gezwungen, so wirtschaftlich wie möglich zu arbeiten. "Zu Lasten des Personals und der Patienten." Ein Patient werde danach beurteilt, was seine Behandlung dem Krankenhaus an Erlösen bringt, ergänzt Harald Weinberg sinngemäß.

Junge Leute erlernten den Beruf, um anderen Menschen zu helfen, berichtet Simon Janot. "Durch den ständigen Arbeitsdruck wandern viele Pflegekräfte aber nach sieben bis zwölf Jahren Verweildauer am Ostalb-Klinikum in andere Berufe ab."

Roland Hamm nennt noch ein Problem: Die Ausgliederung von Teilen der Beschäftigten in Tochtergesellschaften der "Kliniken Ostalb" habe das Lohn- und Sozialdumping weiter angekurbelt; immer nach dem Motto: "Wir brauchen Profit." Glücklicherweise habe der Ostalbkreis noch drei Kliniken, betont er.

Zuvor hatte Harald Weinberg berichtet, dass bundesweit im Jahr 1991 von 2140 Krankenhäusern 50 Prozent in öffentlicher Hand gewesen seien. "Jetzt zählen wir nur noch 1914 Krankenhäuser, davon lediglich noch 27 Prozent in öffentlicher Hand."

Die Gäste stimmen Justin Niebius zu, der sagt: "Gesundheitsversorgung gehört zu den ursprünglichen Aufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge." Ein wichtiger Schritt in diese Richtung sei, den Personalbedarf an die tatsächlichen Erfordernisse anzupassen und das Personal angemessen zu bezahlen. "Bundesweit fehlen derzeit 180 000 Vollzeitstellen."

Dieter Zandel formuliert einen positiven Ausblick: "Corona hat gezeigt, wie systemrelevant wir sind." Das Ostalb-Klinikum könne derzeit so viele Stellen besetzen wie nie zuvor. Der Pflegeberuf sei absolut krisensicher. "Es ist ein toller Beruf. Dafür brauchen wir aber jede Frau und jeden Mann. Dann können wir uns die Arbeitsbedingungen schaffen, wie wir sie uns wünschen."

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