Das Jazzfest kommt in die Wohnzimmer

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Wie die Livestream-Auftritte von Max Mutzke, Peter Fessler, Cosmo Klein und vielen anderen Künstlern im Kulturbahnhof organisiert waren und wie das Konzert Zuhause ankam.

Aalen

In Krisen, in schwierigen Phasen, muss man sich verändern und das Neue suchen", sagt Franz Donner, zweiter Vorsitzender des Vereins Kunterbunt. Ein Verein, der gesucht und gefunden hat: Statt Livekonzerten bei dem 29. Aalener Jazzfest, das wegen des Teil-Lockdowns nicht stattfinden konnte, eben den Livestream aus dem KubAA. Dort ist am Samstagabend die Bühne, auf der die Künstlerinnen und Künstler auftreten.

Der große Veranstaltungssaal fast leer, nur die Technik leuchtet in der dunklen Hälfte des Saals. Computerbildschirme, Mischpulte, Kameras – eine Beleuchterin, Kameramänner, Bildregie, Streamingmanager, Techniker, zwei Vertreter von Kunterbunt. Ein Flügel gegenüber der Technik unter der Orgelempore, von Klaus Striegel kurz zuvor gestimmt und noch mal auf Hochglanz poliert. Alle tragen Maske, trotz Abstands und negativen Corona-Schnelltests vorab durch die Malteser.

"Das ist hier eine gesperrte Kulturstätte", erklärt der Technische Leiter beim Eigenbetrieb aalen.kultur&event Christian Mathéus. Mit dem Ordnungsamt habe man vereinbart zusätzlich zur Landesverordnung: Alle tragen Maske. Publikumsverkehr fällt ohnehin aus. Auch deshalb ist es ohnehin still im Saal, als Moderatorin Alice Katharina Schmidt per Vimeo-Stream live auf Sendung geht und alle Jazzfans an den Bildschirmen begrüßt. Die Pianistin Marialy Pacheco wartet schon am Eingang – einen Backstagebereich hinter der Bühne, das gibt es hier nicht.

Ein Lied spielt sie zum Auftakt alleine am Flügel, hineingleiten in diesen besonderen Abend. Dann kommt Max Mutzke dazu. Liedzeilen wie "Welt hinter Glas" und "So viel mehr" klingen wie passende Botschaft für diese Zeit, wenn es wohl auch anders gemeint ist. 70 Minuten lang treffen die beiden auch ohne Publikum in Herz und Hirn. Ein Format, das keine Premiere ist für die beiden, wie Mutzke anschließend im Interview erzählt. "Aber für alles, was wir hier heute erleben können, sind wir extrem dankbar", betont er. Es sei "mega", dass es noch Sponsoren gebe, die so etwas ermöglichen. Nicht nur für die Musiker, sondern auch für die Techniker. "Wir könnten nicht so strahlen, wenn wir nicht so eine Mannschaft hätten."

Danach geht es auch für die Presse vor dem Bildschirm weiter mit Peter Fessler und Alfonso Garrido. Lateinamerika trifft auf Jazzklassiker, Percussion auf Gitarre und Gesang – die Welt im Wohnzimmer. Funktioniert.

In schwierigen Phasen muss man sich verändern und das Neue suchen.

Franz Donner Kunterbunt e.V.

Zwischen den Sets Interviews. Alice Katharina Schmidt nur räumlich auf Abstand mit Cosmo Klein. Es geht um Kinder, um Corona, um den Beruf Künstler, von dem man normalerweise leben kann, ums Auftreten vor leerem Saal ohne Applaus, der fehlt.

Die Band liefert tanzbaren Soul, streift den Blues mit Soul und Funk. "Wir wollen Bilder sehen, wie ihr um die Couch tanzt, wenn ihr schon nicht da seid. Postet es auf den asozialen Medien", ruft Klein seinem virtuellen Publikum zu. Klein vermisst sein Publikum, das sagt er mehrmals – und sucht es zwischendurch mit dem Handy online in den sozialen Medien. Findet es auf die Schnelle aber nicht.

Doch es ist bei ihm. Mit Hunderten verfolgt auch der künstlerische Leiter des Jazzfestes Ingo Hug, der sich wie immer im Hintergrund hält, das Konzert vorm Bildschirm. "Das Jazzfest ist für Menschen auf und vor der Bühne", sagt er. Mit dem Stream habe man auch Einige erreicht, die man sonst vielleicht nicht erreiche. Und in der Spitze hätten, wenn man zwei Zuschauer pro Haushalt rechne, fast 1000 Menschen zugeschaut. "Das ist doch gut für das erste Mal." In den sozialen Medien kommt der Stream jedenfalls an. "Grandios", "meine Güte, ist das schön", kann man auf Facebook lesen. Ob es das Konzert auch noch danach zu erleben gibt, fragt eine Followerin. Soll es. Geplant ist es, dass noch vor Weihnachten eine CD veröffentlicht wird.

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