Dem Leben endlich einen Plan geben

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Wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte gibt es eine Haftstrafe.

Aalen. Wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigungen musste sich ein 26-jähriger Aalener vor  Richter Martin Reuff am Amtsgericht verantworten. Er sitzt bereits wegen einer anderen Strafsache in der JVA Schwäbisch Hall ein.

Staatsanwalt Robert Gmeiner legte dem Angeklagten, der zur Tatzeit in einer Einrichtung für psychisch eingeschränkte Personen lebte und unter der Obhut eines Betreuers steht, zur Last, im August vergangenen Jahres mit einer Mitbewohnerin Alkohol eingekauft zu haben und diesen zunächst im Haus versteckt zu haben. Als die Betreuerinnen diesen fanden und konfisziert hatten, wollte er ihn wieder haben und sei aggressiv geworden. Die Betreuerin hatte die Polizei gerufen, im Anschluss habe er die Beamten beleidigt und habe sie auch geschlagen.

Auf Befragung gab der Angeklagte einen Großteil der Anschuldigungen zu, er habe die Beamten aber nicht geschlagen, sondern versucht, sich ihrem Zugriff zu entziehen, als er hörte, dass er in die Psychiatrie nach Winnenden gebracht werden sollte. Ein Beamter habe ihn zudem dreimal geschlagen. Für die Beleidigungen und sein Verhalten wolle er sich bei den Beamten entschuldigen, was er später auch machte.

Erste Zeugin war die 28-jährige Betreuerin. Als man dem Angeklagten die Herausgabe des Schnapses verweigerte, sei er verärgert gewesen und habe mit seiner Freundin angefangen, sie zu belästigen und mit Bällen eines Kickers zu bewerfen. Als er mit dem Kicker und einer Bank die Bürotür verbarrikadiert hatte, rief sie die Polizei. Mit den Beamten habe der Angeklagte zunächst ruhig gesprochen, als er aber hörte, dass er in die Psychiatrie sollte, sei er ausgerastet und habe die Beamten auch geschlagen. Ein Beamter wiederum habe ihm einen Schlag versetzt.

Einer der Polizisten schilderte, dass der Angeklagte zunächst auf Aufforderung die Barrikade abbaute und sich kooperativ verhielt. Nachdem er aber das Wort „Winnenden“ gehört habe, sei er aggressiver geworden, habe sie beleidigt. Man habe eine „Fremdgefährdung“ der Bewohner und Betreuer gesehen und wollte  ihn in Gewahrsam nehmen. Daraufhin habe er um sich geschlagen, er selbst habe ihn zweimal ins Gesicht geschlagen. Der herbei gerufene Notarzt habe keine wesentliche Verletzung festgestellt, daraufhin sei der Angeklagte ohne Bewachung im Rettungswagen in die Psychiatrie transportiert worden. Der Beamte nahm die Entschuldigung an, entschuldigte sich seinerseits.

Reuff schilderte, dass der Angeklagte wegen versuchter Vergewaltigung in einer Klinik in Augsburg einsitze. Dafür sei die ursprünglich ausgesprochene Bewährung widerrufen worden. Mehrere Gutachten hätten eine psychische Störung und eine Schädigung des Gehirns ergeben. 2014 hatte der Mann einen Herzstillstand gehabt, worauf das Gehirn wohl mehrere Minuten unterversorgt war.

Der Staatsanwalt ließ den Vorwurf der versuchten Körperverletzung und des tätlichen Angriffs fallen und forderte drei Monate Haft, der Verteidiger wiederum plädierte auf Freispruch, höchstens eine Geldstrafe. Reuff verurteilte den 26-Jährigen zu zwei Monaten Haft, die er im Anschluss an seine jetzige Strafe absitzen soll. Gründe für Bewährung oder Geldstrafe gebe es nicht. Der Angeklagte solle seinem Leben einen Plan geben. Jürgen Eschenhorn

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