Depressionen: Aalener gründet Selbsthilfegruppe

+
Das Leben ist voller Licht und Schatten. Der Depressive aber sieht meist nur die dunklen Schattenseiten. Hilfe zur Selbsthilfe will nun eine neue Selbsthilfegruppe bieten. Symbolfoto: pixabay
  • schließen

Die Gruppe soll Betroffenen wertvolle Unterstützung bei dem Leben mit ihrer Erkrankung bieten.

  • Die Treffen sollen montags von 19 bis 20.30 Uhr in den Räumen der Johanniter Aalen, Stuttgarter Straße 124, stattfinden. Ziel ist eine Gruppengröße von acht bis zehn Personen jeden Alters, aller Schichten. Alles, was in der Gruppe gesprochen wird, bleibt auch dort. Die Gruppe ist ein geschützter Raum.
  • Wer Interesse hat, teilzunehmen: bitte vor dem ersten Kommen Kontakt aufnehmen unter der Mailadresse „licht-und-schatten@freenet.de“.

Aalen

Der geliebte Mensch stirbt unerwartet. Der Arzt verkündet eine schlimme Diagnose. Der Partner trennt sich. Die Welt verändert sich mit einem Schlag. Ist nicht mehr dieselbe. Die Gefühle stolpern dem Leben hinterher. Überforderung, innere Lähmung, die sich festsetzt, ausbreitet, einen gefühlt in die Knie zwingt: das ist Depression.

Christoph S. (Name von der Redaktion geändert) gründet in Aalen die Selbsthilfegruppe bei Depression „Licht und Schatten“. Sobald sich Interessierte gemeldet haben, geht’s los.

Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Hoffnungslosigkeit. Das sind nur ein paar Symptome, die das Anzeichen einer Depression sein können. 8,2 Millionen Deutsche sind laut der Stiftung Deutsche Depressionshilfe betroffen.

Aus Christoph S.' Erfahrung sind es oft diejenigen, die sensibel auf die Welt reagieren. Sich Dinge zu sehr zu Herzen nehmen, statt mit der Ellenbogenmethode und Egoismus durchs Leben zu marschieren. Empfindsamkeit kann den Menschen durch sein tieferes Bewusstsein reicher machen, ihn jedoch in schwierigen Lebenssituationen stärker belasten als andere.

Beruflich zwar im sozialen Bereich tätig, nimmt der 64-jährige Aalener, selbst seit Jahrzehnten Betroffener, in der Gruppe doch lediglich als Privatperson teil. „Licht und Schatten“ will depressiv Erkrankten die Möglichkeit geben, sich selbst und anderen zu helfen. Aktiv zu werden, sich Hilfe zu suchen, sei ein erster Schritt aus der Lähmung.

In der Gruppe treffen sich Menschen, die wissen, „wie es einem selbst geht, wie man fühlt oder denkt“. Die verstehen. Im Gegensatz vielleicht zu Familie, Freunden oder Kollegen, deren innere Welt nicht vergleichbar ist, von denen man sich deswegen eventuell schon zurückgezogen hat. Unsere Mitarbeiterin Panja Tillmann-Mumm hat mit dem Gründer gesprochen.

Wie sind Sie auf den Gedanken gekommen, diese Selbsthilfegruppe zu gründen?

Christoph S: Psychosomatische Kliniken sind sehr hilfreich. Ambulante Therapien auch. Selbsthilfegruppen sind ein weiterer wertvoller Baustein, der helfen kann. Da sind Menschen, die einen verstehen. Wir sind ja alle Experten für unsere eigene Krankheit. Das ist wertvolles Wissen, das wir miteinander teilen können.

Wie stellen Sie sich das konkret vor?

Es ist wichtig, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer möglichst regelmäßig jede Woche kommen. Nur so kann die Gruppe zusammenwachsen. Sie lebt davon, dass Vertrauen aufgebaut wird. Man kann zum Gruppenabend kommen, ganz egal, wie es einem geht. Keiner muss sich verstellen. Wir machen zu Beginn eine kleine Blitzlichtrunde, wie es jedem aktuell geht und schauen dann, was die drängendsten Themen sind.

Was ist das Ziel der Gruppe?

Gemeinsam ist es einfacher, das Licht im Leben wahrzunehmen und die Schatten zu ertragen. Dazu beizutragen, dass wir es trotz Depressionen schaffen können, ein Leben zu führen, das wir für lebenswert halten. Es geht dabei viel um den Austausch von Erfahrungen und Informationen, über Therapeuten, Kliniken und was wem geholfen hat.

Welchen positiven Effekt kann die Teilnahme haben?

Wir wollen keine Leidensgruppe sein, sondern unterstützen uns gegenseitig. Da wird auch gelacht. Es kann motivieren, wenn man sieht: Der andere hat's hingekriegt. Wer an Depressionen leidet, hat oft eine negativ verzerrte Wahrnehmung. Die Gruppe kann hier helfen, eine realistischere Sichtweise zu entwickeln. Es ist nachgewiesen, dass Teilnehmer von Selbsthilfegruppen deutlich weniger Symptome und Probleme haben.

Wo sind die Grenzen der Gruppe?

Grenzen sind bei akuter Suizidalität oder akutem Trauma. Eine Selbsthilfegruppe ist keine Psychotherapie. Dafür sind Therapeuten und Fachärzte wie Psychiater zuständig.

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare