Der Friseursalon ist ihr Leben

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So kennt man sie: Waltraud Truckenmüller in ihrem Friseurgeschäft, dem Salon Schnee. Sie führt den Betrieb in der dritten Generation.
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Waltraud Truckenmüller führt eine inzwischen 112-jährige Familientradition fort. Wie sie es schafft, auch in der Pandemie nach vorn zu blicken.

Aalen

Rente mit 67 oder erst mit 70? Da lächelt sie nur. Waltraud Truckenmüller steht noch Tag für Tag am Arbeitsplatz, und das mit stolzen 79 Jahren. „Ich bin Friseurin mit Leib und Seele“, sagt sie und strahlt übers ganze Gesicht. Sie führt in Aalen eine Familientradition fort: Ihr Unternehmen, der Friseursalon Schnee, besteht seit 112 Jahren und gilt damit als der älteste in der Kocherstadt.

„1909 hat mein Großvater Gregor Schnee ein Friseurgeschäft an der Stadtkirche gegründet. Da ließen sich Männer täglich rasieren“, erzählt Waltraud Truckenmüller. Ein reiner Herrensalon ist das damals, gleichzeitig eine Art geselliger Treffpunkt. Clara Schnee, seine Frau und Waltrauds Oma, erweitert das Geschäft um einen Damensalon. Sohn Gregor junior eröffnet später in der Bahnhofstraße ein weiteres Geschäft, Tochter Waltraud tritt in seine Fußstapfen. „Mit 20 Jahren war ich damals die jüngste Friseurmeisterin im Altkreis Aalen“, blickt sie zurück.

Im Mai 1973 übernimmt sie das Geschäft vollends vom Vater. Und macht Ende der 1990er Jahre noch mal einen großen Sprung: Der Salon Schnee zieht um in den neu erbauten Storchenturm. Ein Damen- und Herrensalon auf zwei Etagen, zeitweilig bis zu elf Beschäftigte.

Waltraud Truckenmüller hat das Motto ihres Geschäfts mal umschrieben mit „Waschen – Schneiden – Leben“. Vertrauensvolle Atmosphäre, respektvoller Umgang, individuelle Beratung sind ihr ein Herzensanliegen. Auf Wunsch wurden die Kunden früher sogar von daheim abgeholt und wieder zurückgefahren.

Viel Herzblut investierte sie über Jahrzehnte hinweg in die Arbeit mit jungen Menschen: Unzählige Auszubildende hat die Friseurmeisterin den professionellen Umgang mit Kamm, Schere, Farben gelehrt. Und ihnen auch manches Zwischenmenschliche fürs Leben mitgegeben.

Inzwischen ist es etwas ruhiger geworden. Sie beschäftigt nur noch vier Mitarbeiterinnen, bildet nicht mehr aus, gesundheitlich kam das eine oder andere Zipperlein auf. Dennoch ist sie eisern, fährt – stets elegant gekleidet und sorgfältig geschminkt – tagtäglich ins Geschäft, frisiert ihre langjährigen Stammkunden möglichst noch selbst. Wird es ihr doch mal zuviel, zieht sie sich für ein kurzes Päuschen in die oben liegende Wohnung zurück.

Die Folgen der Corona-Pandemie trafen den Salon, wie viele andere, hart. „Von Mitte Dezember bis 1. März hatten wir ganz zu. Das Weihnachtsgeschäft – alles war weg“, umreißt Waltraud Truckenmüller das Ereignis, das einmalig ist in der langen Firmengeschichte. Die harten Auflagen – Maskenpflicht, zeitweilig Testpflicht auch für Kunden, strenge Hygienevorgaben – „das macht mir alles nichts“, sagt die Seniorin fast ein wenig trotzig. „Am meisten macht mir zu schaffen, dass ich die Kunden nicht so verwöhnen kann, wie ich das gewohnt bin. Kein Espresso, nicht mal ein Glas Wasser! Teilweise mussten wir die Leute draußen warten lassen wie einen Hund!“

Angesichts sinkender Inzidenzzahlen schaut Waltraud Truckenmüller optimistisch nach vorn. Und hofft, bald auch ihr Hobby, das Reisen, wieder pflegen zu dürfen. Einen Vorgeschmack könnte es im August geben: Dann will sie ihren 80. Geburtstag feiern, mit Mann, Sohn, Tochter und deren Familien – alle zusammen in Südtirol.

Ausbildung lag mir immer sehr am Herzen.“

Waltraud Truckenmüller, Friseurmeisterin

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