Der Laden ist ihr Herzensding

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So schnell gibt Cornelia Gangl nicht auf im Lockdown. Die 59-Jährige brennt für ihre kleine Damen-Boutique in der Helferstraße.

Aalen

Wovor Cornelia Gangl noch vor wenigen Wochen gezittert hatte, ist jetzt bittere Wahrheit: Der Lockdown hält an, wurde um drei Wochen verlängert. Und ob sie dann tatsächlich am 8. März wieder ihre kleine Boutique "Louise Fashion" in der Helferstraße aufsperren wird, hängt nicht nur an der Politik. "Das hat auch was mit der Psyche zu tun", sagt die 58-Jährige.

Wie aktuell so viele Geschäftsinhaber und Gastronomen fühlt sie sich von der Politik an der Nase herumgeführt. "Zuerst war die Perspektive Ende Januar. Jetzt hatte ich mich auf Mitte Februar fixiert. Und plötzlich heißt es weiter ausharren bis 8. März." Sicher – ihr Mann habe sie schon vorgewarnt mit seiner düsteren Prognose, dass es vor Ostern zu keiner Ladenöffnung mehr kommen werde. "Aber das ist erst im April! Wer hält das durch? Bis dahin sind wir alle plemplem!"

Cornelia Gangl steht an diesem Morgen hinter der Theke ihres Ladens im Herzen der Aalener City, mit 45 Quadratmetern Verkaufsfläche eines der kleinsten Damenmodegeschäfte der Innenstadt. Einer der eher seltenen Momente für sie, jetzt im Lockdown. Nein, sie kommt nicht täglich in ihr geschlossenes Geschäft, um über die Winterware zu streichen, die sich in den Regalen stapelt. "Ich gehe viel spazieren. Aber ich bin nicht glücklich über die dazugewonnene Freizeit. Ich bin kein Putzmariechen", stellt sie klar.

Die Mutter zweier bereits erwachsener Töchter ist inzwischen Großmama. "Jetzt bin ich viel mit meinem zweijährigen Enkel Oskar daheim." So schön diese Momente auch sind, so sehr sie die gemeinsame Zeit mit dem Kleinen genieße. "Es ist nicht der Lebensinhalt, den ich mir für diesen Lebensabschnitt wünsche."

Ich bin nicht glücklich über die dazugewonnene Freizeit. Ich bin kein Putzmariechen.

Cornelia Gangl Inhaberin "Louise Fashion"

Denn der Laden, das eigene Geschäft, ist für die Quereinsteigerin eine Herzensangelegenheit. Seit 2015 ist die vormals gelernte Erzieherin mit ihrer Boutique selbstständig. "Und ich möchte das noch ein paar Jahre machen. Ich brenne dafür. Ich habe eine so nette Kundschaft und ein tolles Team, zwei super Mitarbeiterinnen auf Pauschalbasis", schwärmt sie.

Noch überwiegt bei ihr der Optimismus. Nein, sie wolle sich nicht von der Krise runterziehen lassen. Und darum sei sie jetzt schon in der nächsten Orderphase, kaufe Ware ein für den nächsten Herbst und Winter. Bestätigung für ihr Durchhaltevermögen zieht Cornelia Gangl aktuell aus dem sozialen Netz. Dort ist sie mit Louise Fashion seit dem ersten Lockdown am Start. Regelmäßig postet sie ein Outfit des Tages und hat dadurch bereits einen Stamm von 4000 Followern aufgebaut. "Dabei ist der Online-Handel gar nicht mein Bestreben. Ich will meine Kunden hier im Laden haben, will mit ihnen reden, sie bedienen und beraten!"

Um die Bestellungen ihrer Stammkundschaft, die über Telefon, WhatsApp oder die sozialen Medien eingehen, noch am selben Tag ausliefern zu können, hat sich Louise Gangl vor Kurzem einen süßen kleinen E-Flitzer angeschafft, mit "Louise"-Logo, flankiert von rosa Herzen. Und das, obwohl der Anteil des Online-Umsatzes gemessen am normalen Umsatz verschwindend gering ist. "Keine fünf Prozent."

Bei aller Liebe zu ihrem Laden aber bleibt Cornelia Gangl Realistin. "Ich würde nie die Altersvorsorge von meinem Mann und mir in den Laden stecken wollen. Deswegen hoffe ich, dass ich irgendwann irgendwoher staatliche Hilfen bekomme." Vorerst profitiert sie von ihrem – ebenfalls selbstständigen – Mann. Er finanziert sie jetzt mit. "Ich muss nicht hungern."

Woher Cornelia Gangl ihren Optimismus nimmt

Cornelia Gangl ist gelernte Erzieherin und somit Quereinsteigerin im Textilhandel. Seit 2015 führt sie die kleine Damen-Boutique "Louise Fashion" selbstständig, seit 2016 befindet sich der 45 Quadratmeter große Laden in der Helferstraße. Die 58-Jährige wohnt mit ihrem Mann in Lautern, hat zwei erwachsene Töchter und einen zweijährigen Enkel. "Wenn Oskar kommt, ist der Tag gerettet. Der Kleine hilft mir, optimistisch zu sein."

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