Der lange Weg zur Brezel

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Die Bäckerei Weber hat die Räume in der Neßlauer Straße verlassen. Einen Nachfolger gibt es bisher nicht.
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In der Weststadt gibt es nur noch einen Bäcker für etwa 9000 Einwohnerinnen und Einwohner. Das sagen Stadtverwaltung und Lokale Agenda dazu.

Aalen

Kurz mal zum Handwerksbäcker um die Ecke gehen, eine Brezel kaufen – seit die Bäckerei Weber im August Unterrombach verlassen hat, ist das für viele Bewohnerinnen und Bewohner der Weststadt nicht mehr möglich. Ihnen bleibt nur der Weg zur "K&U"-Bäckereifiliale im Edeka. "Für mich ist das ein Ding der Unmöglichkeit", sagt Markus Bezler. "Wie kann es sein, dass es in einem Ort mit fast 10 000 Einwohnern nur einen Bäcker gibt", fragt sich der 45-Jährige aus Unterrombach.

Bäckerei Mahler, Bäckerei Mack, Bäckerei Weber – sie alle haben die Weststadt im Laufe der Jahre verlassen. Damals "waren wir versorgt", sagt Bezler. Der Unterrombacher wünscht sich einen weiteren Bäcker im Ort. Auch für die älteren Bewohnerinnen und Bewohner. "Wer in den älteren Wohngebieten oder Neßlau-Bühl wohnt und alt ist, läuft nicht ohne Weiteres in die Stadt."

Zwei Kilometer bis zur Mitte

Die Lokale Agenda Weststadt setzt sich für die Interessen der Einwohner ein. Wie bewertet die Gruppe das Angebot? "Die Nahversorgung könnte noch näher sein", sagt Professor Dr. Ulrich Holzbaur von der Agenda auf Nachfrage. Denn bis zur Neuen Mitte mit Edeka und Wochenmarkt seien es bis zu zwei Kilometer Fußweg. Die Initiative wolle mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort eine Nahversorgung in den alten Kernen von Hofherrnweiler und Unterrombach initiieren, wenn Interesse bestehe, sagt Holzbaur. Er hat das Thema Bäckerei auch in den neuen "Westaagend" – eine Infobroschüre – gepackt.

Der Lockdown habe gezeigt, dass der Gang zum lokalen Bäcker oder Metzger nicht nur dazu diene, satt zu werden, sondern auch ein Stück Lebensqualität bedeute. "Lokale Geschäfte leben aber von lokalen Käufern, und da ist jeder von uns als Konsument gefragt", betont Holzbaur weiter.

Für mich ist das ein Ding der Unmöglichkeit.

Markus Bezler Anwohner

Rentable Filiale

Angebot und Nachfrage regeln den Markt. Vielleicht war eine Bäckerei in der Weststadt nicht rentabel? Die Filiale in der Neßlauer Straße sei "sehr rentabel" gewesen, heißt es von der Bäckerei Weber, die ihre Filialen in Mögglingen, Dewangen, Schechingen und Unterrombach coronabedingt und aus finanziellen Gründen schloss. Auch sonntags sei viel Betrieb gewesen. Die Stadt Aalen signalisiert auf Anfrage, dass sie bereit sei, potentielle Interessenten, die in der Weststadt eine Bäckerei eröffnen wollen, zu begleiten. Bisher liege kein Angebot vor.

Ein Blick ins Einzelhandelsgutachten von Dr. Donato Acocella zeigt: "In Unterrombach/Hofherrnweiler übernimmt ein Supermarkt in integrierter Lage die Nahversorgungsfunktion und deckt damit den nördlichen Siedlungsbereich von Hofherrnweiler und Teile der Siedlungsflächen im Süden von Unterrombach ab", so das Gutachten.

Ausreichend Nahversorgung hin oder her: Der Bäcker im Edeka hat sonntags geschlossen. Sieben Tage geöffnet wird dieser in absehbarer Zeit nicht haben. "Wir überprüfen die Öffnungszeiten unserer Filialen regelmäßig. Dazu gehört auch die Prüfung hinsichtlich einer möglichen Öffnung am Sonntag, die wirtschaftlich darstellbar ist", sagt ein Sprecher von Edeka-Südwest auf Nachfrage. Für die Filiale im Edeka in Unterrombach sei dies aktuell nicht gegeben.

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