Der Mann ohne Maske, aber mit Attest

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Warum es Hermann Zenger trotz ärztlicher Bescheinigung verwehrt wird, ohne Mund- und Nasenschutz Geschäfte zu betreten.

Aalen

Seit der Corona-Pandemie ist es für Hermann Zenger aus Aalen kaum mehr möglich, einen Laden ohne große Diskussionen zu betreten. Da er unter einer Herzerkrankung leidet, ist es für ihn unmöglich, hat ihm sein Arzt ein Attest ausgestellt, das Zenger von der Maskenpflicht entbindet.

"In der Öffentlichkeit bringt mir das Attest aber nichts", erzählt Zenger aufgebracht. Immer wieder, so erzählt er von seinen Erfahrungen, machten die Ladenbesitzer von ihrem Hausrecht Gebrauch und verweisen ihn aus ihrem Geschäft. "Bei dem Besuch einer Postfiliale habe ich sogar Hausverbot bekommen, zudem wurde die Polizei gerufen", erzählt Zenger. Das empfinde er nicht nur als unangenehm, sondern auch als ungerecht. Nicht umsonst habe er schließlich ein Attest.

Doch zurück zum Anfang. Als coronabedingt die Maskenschutzverordnung in Kraft trat, war auch Hermann Zenger guten Willens, einen Mund- und Nasenschutz zu tragen. "Ich habe sämtliche Masken ausprobiert", erinnert sich der 62-Jährige.

Gesundheitliche Gründe

Was die Sache für ihn erschwert: Zenger leidet unter einer Herzerkrankung. "Wenn ich eine Maske trage, geht es zeitweise gut. Doch dann bekomme ich oft einen Hustenanfall und Atemnot", erzählt er. Daher könne er aus gesundheitlichen Gründen keinen Mund- und Nasenschutz tragen. Das ärztliche Attest führt er daher stets mit sich.

Dr. Martin Edelmann, Facharzt für Innere Medizin in der Aalener Lungenpraxis, hält im Allgemeinen Atteste, die von der Maskenpflicht befreien für nicht sinnvoll, beziehungsweise nicht notwendig. "Ich habe bisher kein einziges Attest ausgestellt", sagt er. Lediglich bei schwerster Einschränkung der Lungenfunktion, zum Beispiel bei Patienten, die auf eine Langzeit-Sauerstofftherapie angewiesen sind, sei die Ausstellung eines Attests angebracht. Edelmann betont vielmehr: "Wer keine Maske trägt, sollte sich auch nicht in der Öffentlichkeit aufhalten."

Ohnehin hat Zenger seither schlechte Erfahrungen mit dem Attest gemacht. In den meisten Geschäften, so berichtet er, werde es nicht akzeptiert.

Wer keine Maske trägt, sollte sich nicht in der Öffentlichkeit aufhalten.

Dr. Martin Edelmann Arzt

Attest: Muss man es vorzeigen?

Holger Bienert, Sprecher des Aalener Polizeipräsidiums sagt zwar, dass der Inhaber eines Attests dem Ladeninhaber glaubhaft machen müsse, keine Maske tragen zu müssen. Jedoch könne man rechtlicherseits niemand dazu verpflichten, ein Attest vorzulegen. Das bestätigt auch die städtische Pressesprecherin Karin Haisch. "Ein Geschäftsinhaber kann den Zutritt verwehren, wenn der Kunde keine Maske trägt. Daran ändert ein ärztliches Attest nichts." Dass die Geschäftsinhaber in solchen Fällen von ihrem Hausrecht Gebrauch machen, sei durchaus legitim. Die Entscheidung, wen und unter welchen Bedingungen sie in den Laden lassen oder nicht, liege bei ihnen.

Was das für Zenger bedeutet: Er kann viele Einkäufe nicht tätigen und sieht sich daher extrem in seiner Freiheit eingeschränkt. "In der Innenstadt und auf dem Wochenmarkt fühlt es sich für mich an wie auf einer Hexenjagd", erklärt der Baufacharbeiter. Überall fielen Kommentare und heftige Aufforderungen, eine Maske zu tragen. "Eine Erklärung wollen die Meisten gar nicht hören", sagt er. Um den Diskussionswütigen den Wind aus den Segeln zu nehmen, habe er sich nun schon zum wiederholten Malr einem Corona-Test unterzogen. Damit er beweisen kann, dass er Corona negativ ist.

Schutzverordnung verpflichtet

Josef Funk vom Modehaus Funk in Aalen hat Verständnis für solche Atteste. Bisher habe er die Atteste immer toleriert. "Seit Beginn der Pandemie hatten wir ein oder zwei Kunden, die uns ein solches Attest vorgelegt haben", erinnert sich Funk.

Immerhin: Auch Zenger hat hier und da schon positive Erfahrungen gemacht: "In einem Geschäft wurde eine Durchsage gemacht, dass ein Mann ohne Maske im Laden ist, dieser aber ein Attest hat", erzählt er, so konnte er sich ohne Schwierigkeiten im Laden aufhalten.

Immer wieder verständigen Ladenbesitzer die Polizei, wenn sich Kunden weigern, einen Mund- und Nasenschutz zu tragen. Das bestätigt Polizeisprecher Holger Bienert. "Macht ein Ladenbesitzer dann von seinem Hausrecht Gebrauch, muss der Kunde den Laden verlassen", sagt Bienert. Schließlich seien die Geschäftsleute für die Einhaltung der Infektionsschutz-Verordnungen in ihren Geschäften, den Mitarbeitern und Kunden gegenüber, verpflichtet.

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