Der Sprung ins kalte Wasser in Aalen

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Angella Nandita
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Mülltrennung, Sprachbarriere und dauernd durchgetaktet: Wie Angella aus Uganda ein Jahr auf der Ostalb erlebt hat.

Aalen

Dass einer seinen Müll nicht auf die Straße wirft. Ihn sogar noch nach Fraktionen trennt. Oder freiwillig zu Fuß geht und das sogar erholsam findet – so etwas hätte sich Angella nie vorstellen können. Und nicht nur das: Das Leben in Deutschland unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von dem in ihrer Heimat, der ugandischen Hauptstadt Kampala.

Seit knapp einem Jahr lebt die 22-jährige Angella Nandita nun in Aalen. Gekommen ist sie über ein Programm des Weltkirchlichen Friedensdienstes. „Eine Freundin meiner Mutter, sie ist Nonne, hat uns darauf aufmerksam gemacht. Sie meinte, das wäre sicher eine gute Erfahrung für mich“, erzählt sie. Zunächst sei sie zögerlich gewesen. Schließlich war sie noch niemals länger als ein paar Tage fort von daheim und hatte in Uganda gerade angefangen, Soziale Arbeit zu studieren.

Bei der Ankunft in Stuttgart sprach sie ein einziges Wort Deutsch: „Hallo“. Dass jede einzelne der nächsten 52 Wochen für sie seitens der Organisation vorgeplant waren - für sie eine neue Erfahrung: „In Uganda macht solche Pläne nur, wer für Schule oder eine Firma kalkulieren muss.“

Noch in ihrer Heimat hatte sich Angella entschieden, während ihres Aufenthaltes eine Art Freiwilliges Soziales Jahr in einer Kinderbetreuungseinrichtung zu absolvieren. In Aalen war sie seither in den Kindergärten Sankt Elisabeth, zurzeit ist sie im Kindergarten Sankt Michael. Das Zusammensein mit den Kindern, der Trubel gefällt ihr. Ihre anfangsfehlenden Deutschkenntnisse erwiesen sich aber als größere Barriere als gedacht: Spiele mit den Knirpsen, das Knüpfen von Kontakten zu deutschen Auszubildenden ihres Alters seien dadurch immer wieder ausgebremst worden, beschreibt sie. Auch mit ihrem guten Englisch kam sie kaum weiter. Obwohl sie durchweg in Gastfamilien lebte, stellt die junge Frau rückblickend fest: „In der Anfangszeit war ich sehr einsam.“

Dickes Lob für Aalen

Inzwischen hat sich das geändert: Seit einem halben Jahr büffelt sie Deutsch im Unterricht der Volkshochschule und hat sich angefreundet mit Caro, einer jungen Mexikanerin, die als Au-Pair in Aalen lebt. Mit ihr und einer Hand voll anderer junger Leute geht sie abends gerne auch mal in die Stadt. Und ist immer wieder fasziniert, wie sauber Aalen sei und wie sicher man sich fühlen dürfe: Die Handtasche mit Wertsachen über der Schulter, das Mobiltelefon sichtbar in der Hand – undenkbar in Uganda, sagt sie. „Selbst im Taxi passiert es oft, dass jemand von außen durch die Scheibe reingreift und einem das Handy stiehlt.“

Gerne sitzt sie abends oder am Wochenende mit ihrer Gastfamilie zusammen. Was ihr auffällt: Familie, der Zusammenhalt unter Verwandten, das werde von vielen Deutschen deutlich geringer geschätzt als in ihrer Heimat. Vielleicht auch deshalb, weil man in Uganda aufgegenseitige Hilfe angewiesen und das staatliche soziale Netz viel löchriger sei. Ihre Gastmutter Petra Pachner ergänzt: „Offensichtlich leben die Menschen dort mehr im Hier und Jetzt. Hier bei uns macht man immer Gedanken, plant und sorgt sich, was wird morgen sein, nächste Woche oder nächstes Jahr?“ Angella nickt: „Wenn ich meine Freunde hier frage, ob wir uns treffen, müssen sie in ihren Kalendern blättern und blättern. Alle haben immer so viel vor.“

Leben im Hier und Jetzt – dennoch schmiedet Angella Pläne für die Zeit nach ihrer Heimkehr Ende dieses Monats: Sie will ihr Studium zu Ende bringen, später vielleicht für eine private Organisation arbeiten und sich um Kinder kümmern, die auf der Straße für ihren Lebensunterhalt betteln müssen. Erst einmal freut sie sich auf das Wiedersehen: mit Mama, Papa und ihren beiden Brüdern. Familie eben.

Der Weltkirchliche Friedensdienst der katholischen Kirche bietet Programme, die jungen Menschen einen einjährigen Aufenthalt im Ausland ermöglichen.

Angella Nandita
Angella Nandita

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