Hier schmeckt's: Der Vogthof in Aalen-Röthardt

Der Vogthof in Aalen-Röthardt: Kalbsbäckle und Schokoladentarte

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Reiner und Bernadette Ilg mit den Kindern Anton und Moritz.
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Bernadette und Reiner Ilg führen den Landgasthof in zweiter Generation. Warum man beim Essen die gute Erziehung vergessen möchte. Von Lars Reckermann

Aalen. Es kommt der Punkt beim Essen im Vogthof, da möchte man die Etikette einfach Etikette sein lassen und den Teller ablecken. Geht natürlich nicht. Macht man ja nicht. Trotzdem erwischt man sich dabei, verstohlen nach links und rechts zu schauen. Sieht ja vielleicht niemand. Oder man bestellt beim nächsten Mal einfach nicht die Kalbsbäckle.

Wer die Wirtsleute Ilg und ihren Landgasthof Vogthof verstehen will, muss den Röthardt bei Aalen verstehen. Quasi über der Stadt gelegen, hat sich im Schatten des Braunenbergs und dennoch oft sonnenverwöhnt eine Dorfgemeinschaft gefunden, die so typisch für die Ostalb ist. Bernadette und Reiner Ilg mit den Kindern Moritz und Anton gehören zu der Großfamilie Röthardt. Als Corona die Gäste im Restaurant ausschloss, organisierte die Familie wie viele andere Gastronomen einen Außer-Haus-Verkauf. Die Nachbarschaft packte mit an oder besser ein, was Reiner Ilg in der Küche zauberte. Wenn es am Wochenende Flammlachs gab, schürten nicht selten Freunde das Feuer. Man hilft sich auf dem Röthardt.

Diese Liebe zum Nächsten geht im Vogthof über den Gaumen durch den Magen. Reiner Ilgs Eltern haben den Landgasthof erbaut. Aus dem einstigen landwirtschaftlichen Betrieb schufen sie vor 40 Jahren den Landgasthof mit 14 Hotelzimmern. 2011 haben Bernadette und Reiner Ilg den Betrieb übernommen. Nicht ohne Diskussion. Bernadette Ilg ist quasi Quereinsteigerin, Reiner ist gelernter Koch. Doch beide schauten sich tief in die Augen und entschieden: „Wir machen das.“

Immer mehr E-Bike-Touristen

Sie machten aus der Terrasse einen Wintergarten, verlegten den Biergarten vor den Eingang und renovierten nach und nach die sieben Doppel- und sieben Einzelzimmer. Das Restaurant hat viel helles Holz. Birkenstämme sorgen für eine natürliche Atmosphäre. Eine traditionelle Moderne empfängt den Gast.

Wochentags kommen viele Geschäftsleute ins Restaurant. Am Wochenende sind Wanderer und immer mehr E-Bike-Fahrer Gäste.

Kalbdbäckle sind ein Gericht in der Speisekarte des Vogthofes.

Reiner Ilg ist der einzige Koch in der Küche. Küchenhilfen gehen ihm zur Hand. Als Koch ist indes nur er Herr über seine Gerichte. „Ich mache, was ich schaffe“, sagt er. Es kann vorkommen, dass vor dem Eingang zum Restaurant auch einmal ein Schild steht, dass nur noch Gäste mit einer Reservierung Platz nehmen dürfen. Dadurch hat er aber die absolute Kontrolle über die Qualität seines Essens. Was auf den Teller kommt, ist von ihm selbst zubereitet. Kalbsbäckle, acht Stunden geschmort, dazu eine dunkle Soße mit einer Nuance Püree. Die Gabel berührt nicht einmal das Fleisch, da fällt es schon zart auseinander.

Die Karte reicht von Vegetarischem über Schwein, Fisch, Rind, Lamm und Kalb. Die Produkte sind saisonal und aus der Region. Das Fleisch kommt aus Wasseralfingen, das Bier von der Rotochsen Brauerei aus Ellwangen. Elf Gerichte stehen auf der Karte. „Das kann ich stemmen“, sagt Reiner Ilg. Es kann auch vorkommen, dass ein Gericht einmal ausverkauft ist. Bei dieser Qualität gibt es dann aber zehn hochwertige Alternativen. Dafür steht Reiner Ilg schon frühmorgens in seiner kleinen Küche, tüftelt an den unglaublichen Soßen, bereitet das Fleisch vor, das er zuvor selbst ausgesucht hat.

Jedes Gericht ist vom Koch handverlesen

Bernadette Ilg hat den Service im Griff. Der Gast ist König und wird nicht aus den Augen gelassen. „Noch etwas Soße?“ „Alles in Ordnung?“ Beim Stammpersonal gibt es kaum Fluktuation. Das Team ist eingespielt. Einen Wimpernschlag, nachdem der Gast seinen Platz geräumt hat, wird sofort neu eingedeckt.

Zum Nachtisch gibt es dieses Mal Löffeldessert. Die warme Schokoladentarte mit dem kühlen Passionsfruchtsorbet ist garniert mit einem Schweif Zuckerwatte. Auf diesem Teller ist alles handgemacht. Es kommt wieder dieser Moment hoch, dieses Verlangen. „Und … zu viel versprochen?“, fragt Bernadette Ilg. Nein, sage ich etwas erschrocken. Den Dessertteller lecke ich dann beim nächsten Mal ab … wenn niemand hinschaut.

Hier schmeckt's

Besonders beliebt: Kalbsbäckle mit hausgemachten Spätzle und Salatteller, 25,80 Euro.

Das Schmankerl: Löffeldessert, 8,50 Euro.

Das teuerste Gericht: Lammrücken gratiniert mit Speckbohnen und Kroketten für 33 Euro.

Das günstige Gericht: Maultaschensuppe für 4,80 Euro.

Sitzplätze: Restaurant 80 Plätze, in der Vogtstube 15 Plätze, in der Braunenbergstube 20 Plätze; außen im Biergarten 50 Plätze

Öffnungszeiten: montags bis donnerstags 11.30 bis 14 Uhr und 18 bis 22 Uhr; samstags 18 bis 22 Uhr; sonntags 11.30 bis 14.30 Uhr, freitags Ruhetag.

 

Blick ins Restaurant mit dem Salatbuffet im Vordergrund.
Das Löffeldessert im Vogthof. Auch hier ist jede Zutat handmade.

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