Detektivische Arbeit beim Nachverfolgen der Corona-Kontakte

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Jennifer Schäffler leitet seit vergangenen Herbst die Kontaktpersonennachverfolgung im Ostalbkreis.In der Ulrich-Pfeifle-Halle in Aalen sind die Arbeitsplätze für ihr Team eingerichtet.
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Manche Menschen sind dem Gesundheitsamt gegenüber nicht ehrlich. Auch dem Rettungsdienst werden manchmal Symptome verschwiegen.

Aalen

Keine einfache Aufgabe haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kontaktpersonennachverfolgung. Der Landkreis hat für sie Arbeitsplätze in der Ulrich-Pfeifle-Halle eingerichtet. Von hier aus telefonieren sie mit Menschen, die positiv auf Corona getestet wurden und mit denen, mit denen sie Kontakt hatten. Sie stellen Fragen und entscheiden, welche weiteren Maßnahmen zu treffen sind, ob Kontaktpersonen zum Beispiel ebenfalls in Quarantäne müssen.

Manche Menschen kooperieren in dieser Sache gerne mit dem Gesundheitsamt, mache weniger. Das bestätigt Jennifer Schäffler, die Leiterin der Kontaktpersonennachverfolgung. Eine Person habe einfach aufgelegt, nachdem sich jemand mit „Gesundheitsamt“ gemeldet habe. Danach sei sie gar nicht mehr an Telefon gegangen. „Wir haben dann das Ordnungsamt vorbei geschickt“, sagt Jennifer Schäffler. Anschließend sei ein Gespräch möglich gewesen.

Bei anderen kommen Zweifel auf, ob sie wirklich die Wahrheit sagen. Wenn sie zum Beispiel zu wissen scheinen, was sagen müssen, um nicht als enge Kontaktperson zu gelten und damit nicht in Quarantäne müssen. „Zum Beispiel wenn sich Menschen sagen, sie hätten genau nach sieben Minuten gelüftet.“ Manchmal sei das eine geradezu detektivische Arbeit. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sprechen mit allen Beteiligten, bis sich dann ein anderes Bild ergibt.

Manchmal müsse man den Menschen auch einfach glauben. So wie der einen Person, die in Quarantäne musste und sagte, sie habe zuletzt keine weiteren Kontakte gehabt. Doch dann hat jemand anderes diese Person als Kontaktperson angegeben. „So kam heraus, dass sie sich nicht an die Quarantäne gehalten hat“, erzählt Jennifer Schäffler. Auch diesen Fall hat das Team ans Ordnungsamt weitergeleitet. Laut Bußgeldkatalog können dafür bis zu 5000 Euro Strafe fällig werden. Sogar eine Freiheitsstrafe kann drohen.

Schwierig sind Gespräche manchmal auch, wenn der Kontakt am Arbeitsplatz stattgefunden hat. „Da muss ich zuerst meinen Chef fragen“, heißt es da manchmal, bevor jemand antworten will. „Aber manchmal erleben wir auch das Gegenteil“, sagt Jennifer Schäffler. Nämlich Chefinnen oder Chefs, die ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ermuntern, die schonungslose Wahrheit zu sagen und auch zuzugeben, wenn etwas nicht coronakonform zugegangen ist. „Es ist schließlich auch im Interesse der Unternehmen, einen Ausbruch so schnell wie möglich einzudämmen“, sagt Jennifer Schäffler.

Rettungsdienst: Wer den Notruf wählt, wird gefragt, ob er coronatypische Symptome wie Fieber hat. Laut Alexander Gänßler, Rettungsdienstleiter bei den Maltesern in Aalen, gehen viele offen damit um. Hin und wieder komme es jedoch vor, dass Menschen die Frage nach dem Fieber verneinen. Ist der Rettungsdienst dann bei ihnen und misst, stellt sich heraus, dass sie doch Temperatur haben. Gänßler unterstellt nicht, dass sie lügen. „Wenn es im Sommer sehr heiß ist, merken sie es vielleicht gar nicht“, sagt er. Bereits ab einer Temperatur von 37,5 Grad stuft der Rettungsdienst jemanden als Verdachtsfall ein. Für die Rettungskräfte heißt das, dass sie mit Vollschutz zum Patienten gehen, das bedeutet mit FFP-2-Maske, Gesichtsschild, Kittel und doppelten Handschuhen. Aber auch wenn kein Verdacht vorliegt, tragen sie laut Gänßler FFP-2-Maske und Handschuhe. Stellt sich erst vor Ort heraus, dass jemand Fieber hat, legen die Rettungskräfte nachträglich den Vollschutz an.

Alle, die vielleicht zögern, Symptome zu erwähnen, weil sie Angst haben, der Rettungsdienst komme dann nicht, kann Gänßler beruhigen: „Wir kommen immer.“ Er ermuntert aber dazu, offen mit Symptomen umzugehen, damit die Rettungskräfte dann von Anfang an den Vollschutz anlegen.

Trotz niedriger Inzidenz ist viel zu tun

Seit Ende Juni gibt es keine Unterstützung der Bundeswehr mehr bei der Kontaktnachverfolgung im Kreis. Landrat Dr. Joachim Bläse hat die 40 Soldatinnen und Soldaten verabschiedet. Nun sind die 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamts bei der Kontaktverfolgung auf sich allein gestellt. Obwohl die Inzidenz im Moment niedrig ist, haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter laut Jennifer Schäffler trotzdem viel zu tun. Wegen der Lockerungen habe eine erkrankte Person nun viel mehr Kontakte als während des Lockdowns.

„So kam heraus, dass sie sich nicht an die Quarantäne gehalten hat.“

Jennifer Schäffler, Leiterin Kontaktnachverfolgung

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