Die Aalener Kulturküche wird 20

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Wie der Verein seit zwei Jahrzehnten praktische Integrationsarbeit durch verschiedene Projekte leistet und wie Corona diese nun vereitelt.

Aalen

Küche. Damit verbindet man vor allem auch, dass an einem Ort die unterschiedlichsten Zutaten miteinander zusammengekommen. Ein ebensolcher Ort ist auch die Kulturküche. Seit nun zwei Jahrzehnten kommen zwar nicht an einem festen Ort, aber doch unter dem "Dach" des Vereins Menschen unterschiedlicher Nationen zusammen. Kochen ist nur eines von vielen Dingen, die sie gemeinsam machen, damit Integration gelingt. Denn um Integration von Menschen aus anderen Kulturen und Ländern zu einer Erfolgsgeschichte werden zu lassen, wurde der Verein vor 20 Jahren gegründet.

Entstanden ist die Kulturküche aus dem Agendaprozess, wie Rosemarie Wilhelm erzählt. Sie gehört zu den Gründungsmitgliedern. Bei dem Agendaprozess in der Projektgruppe Kulturküche sei es um das Zusammenleben der Menschen in der Stadt gegangen. "Ziel war es auch, ein soziokulturelles Zentrum in der Innenstadt zu schaffen", erzählt Rosemarie Wilhelm. "Um damit einen Raum für Begegnungen von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zu schaffen, Vorurteile abzubauen und das Verständnis füreinander zu fördern." Das Zentrum kam nicht, aber die Satzung für den Verein Kulturküche wurde am 3. Oktober 2000 verabschiedet. Die Küche sei ja in jedem Haus auch immer ein soziokulturelles Zentrum, erklärt Rosemarie Wilhelm, warum man die Namensgebung beibehielt. Auch wenn nicht nur gekocht werde.

Beliebt: die Kochtreffs

Aber eben auch. Die Kochtreffs gehören mit zu den ständigen und beliebtesten Veranstaltungen, die der Verein anbietet. Es gibt sie seit 2009 und Britta Matschiner ist von Anfang an so oft dabei, wie es geht. "Man hat total viel Spaß an dem Abend und will einfach auch viel ausprobieren", sagt die Aalenerin. Du lernst jedes Mal eine andere Kultur kennen", erzählt sie

So wie etwa die der Tamilen. Sie habe vor dem Kochtreff mit ihnen gar nicht gewusst, dass es eine tamilische Schule gebe, die die Kinder jeden Samstag zusätzlich zum normalen Schulunterricht besuchen würden, so Matschiner. Dass sie dort mit viel Disziplin lernen. Sie habe beim Kochtreff erfahren, dass es in Aalen junge Menschen aus Afghanistan gebe, die sich vollständig integriert hätten. "Vor allem über Land und Leute bekommt man viel mit", sagt sie."

Dass es jetzt coronabedingt keine Kochtreffs gibt, bedauert Britta Matschiner. Aber vernünftig, denn man komme sich beim Kochen schon nah. "Ich weiß eigentlich nicht, wie das funktionieren könnte mit Abstand."

Mittlerweile hat sich der Verein auch durch diese Kochtreffs längst etabliert. Hat sich vernetzt mit der Stadtbibliothek, der Flüchtlingsunterkunft in der Ulmer Straße, dem Landratsamt, ist beim Tag der Regionen dabei, und hat sogar die Interkulturelle Woche aus der Taufe gehoben.

Vereinsaufgabe bleibt wichtig

Projekte, die wie der Kochtreff nicht stattfinden können, sind neben der ursprünglich geplanten großen Geburtstagsfeier auch der jährliche Ausflug mit den Familien Geflüchteter, sind das Kochen mit Kindern an der Schillerschule, "Das ist natürlich eine Tragödie", sagt der heutige Vorsitzende der 80 Mitglieder umfassenden Kulturküche Knut Frank.

Man habe sich schweren Herzens zur Absage durchgerungen. Aber Kern all dieser Angebote seien zwischenmenschliche Begegnungen, die nun nicht wie üblich möglich seien. Dabei werde die Kulturküche immer wichtiger, denn der Zuwandererstrom reiße ja nicht ab. Seit 2015 arbeite man auch deshalb verstärkt mit der Ulmer Straße zusammen, so Frank. "Es ist wichtig, dass man in einer multikulturellen Stadt, wie sie Aalen ist, diese den Bürgerinnen und Bürgern auch näher bringt", so der Vorsitzende. Die Pandemie werde es auch im nächsten Jahr noch geben, aber man versuche, auch dann weiterhin mit reduzierten Programm aktiv zu sein.

Engagement in Ulmer Straße

Eines dieser reduzierten Programme ist das Nähcafé in der Ulmer Straße. "Die Zusammenarbeit mit der Kulturküche ist sehr wichtig", sagt Bettina Seipp vom Geschäftsbereich Integration und Versorgung des Landratsamtes Ostalbkreis. "Das Hauptziel ist Integration, und diese läuft über solche Angebote, über, Privatpersonen und Engagement. Da ist die Kulturküche sehr an der Lebenswelt der Menschen orientiert und damit auch sehr hilfreich" sagt sie und nennt als ein Beispiel die Sommerausflüge mit den Geflüchteten, wie etwa an den Bucher Stausee oder in den Tiefen Stollen, immer mit anschließendem Grillen.

Du lernst jedes Mal eine andere Kultur kennen.

Britta Matschiner Fan der Kulturküche-Kochtreffs

Das ist ein tolles Tagesangebot für Menschen, die sonst keine Möglichkeit hätten, ihre Umgebung kennenzulernen", betont Bettina Seipp. Wichtig sei hier auch das gemeinsame Erleben, das eben anders sei, als ob man gemeinsam in einem Haus wohne. Auch die Geflüchteten würden hier anders ins Gespräch miteinander kommen als in der Flüchtlingsunterkunft. "Die Kulturküche ist ein kleiner Verein mit enormen Engagement", sagt Bettina Seipp.

Die Kulturküche:

  • Interkulturelle Kochtreffs
  • Klasse(n) kochen zusammen
  • hat unter ihrem Dach die Erzählgemeinschaft Ostalb "Märchenbrunnen”
  • hat drei Kochbücher herausgegeben
  • organisiert das Nähcafé
  • organisiert seit 2015 Flüchtlingsausflüge
  • hatte zeitweise auch den Interkulturellen Garten unter ihrem Dach
  • hatte bis 2006 das Programmkino unter ihrem Dach.
Das bereits dritte Kochbuch der Kulturküche.

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