Die Checkliste für den Pedelec-Kauf

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Michael Haubner in seinem Fahrrad-Geschäft in Aalen.
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E-Bikes boomen. Wir haben Michael Haubner, Inhaber von „Rad und Tat“ in Aalen, als Experten gewonnen. Er erklärt, was beim Kauf und beim Fahren zu beachten ist.

Aalen

Radfahren boomt, vor allem mit E-Bikes. Was ist beim Kauf eines Pedelecs zu beachten? Michael Haubner, Inhaber von Rad und Tat, gibt Tipps.


Was ist der Unterschied zwischen E-Bike und Pedelec? „Pedelecs bieten nur dann Motorunterstützung, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Erfolgt die Unterstützung bis Tempo 25, gelten sie als Fahrrad. S-Pedelecs schaffen 45 km/h. Nötig ist hier Haftpflicht, Kennzeichen, Helm, Fahrerlaubnis Klasse AM und Mindestalter 16 Jahre. Radwege sind tabu. E-Bikes fahren auf Knopfdruck auch ohne Pedalunterstützung. Erreichen sie über sechs km/h ohne Treten, gelten sie als Kraftfahrzeuge, wie S-Pedelecs.“


Wer ist zu jung, wer zu alt für ein Pedelec? „Pedelec fahren macht von neun bis 90 Spaß. Sportliche Fahrer können auch an ihre Grenzen gehen, schonen aber ihre Gelenke, weil sie leichter in den anaeroben Bereich kommen. Ältere oder weniger Sportliche erleben eine neue Mobilität. Berge spielen keine Rolle mehr. Das fördert die Gesundheit.“


Was ist der erste Schritt? „Machen Sie sich klar, für welchen Zweck und wie oft Sie das Rad nutzen wollen. Nur zum Einkaufen in die Stadt oder für längere Touren? Gelände oder Straße? Der Radhändler gibt die richtige Empfehlung - ob City-, Trekking- oder Mountainbike, welcher Motor, und er findet die optimale Rahmengröße für Sie.“


Was kostet ein Pedelec? Das reicht von 1000 bis 10.000 Euro und mehr. Ein gutes Mittelklasserad kostet 3000 bis 3500 Euro. „Billiger ist ein Sch…, und das weiß der Schwabe, er kauft nämlich nichts gern zweimal“, sagt Haubner unverblümt. Wer mit einem Billigrad in die Werkstatt komme, müsse sich anstellen und nicht immer werde sein Problem erledigt. Wer Glück habe, erwische ein Rad von 2021, technisch gebe es da kaum Veränderungen zu 2022 nur preislich.


Discounter, Internet oder Fachhändler, wo kaufe ich ein? Nur beim Fachhändler gibt es kompetente Beratung und Service, „bei uns in der Meisterwerkstatt. Und wenn was ist, kümmern wir uns“. Räder aus dem Internet müsse der Kunde oft selbst noch teilweise zusammensetzen. Manche kämen in die Werkstatt und wunderten sich, dass dies was kostet. Bei Reklamationen stehe der Kunde oft im Regen, so Haubner.


Also kein 1000-Euro-Pedelec? „Ich würde keines kaufen. Die sind für Kunden, für die Qualität, Zuverlässigkeit und Service nicht oben stehen. In manche Billig-Pedelecs werden Waschmaschinenmotoren verbaut, muss ich mehr sagen?“.


Gute Pedelecs sind also teuer, für viele zu teuer…. „Es gibt Leasingangebote, wie Job-Bike. Wer gut verdient, spart bis zu 40 Prozent, vorausgesetzt, der Arbeitgeber macht mit. Als Privater lohnt sich Leasing nicht. Unser Einkaufsverbund bietet aber die Möglichkeit zur Finanzierung in Ratenzahlung - per Mausklick.“


Gibt's gebrauchte Pedelecs? „Wir als Händler bieten keine, da geht es um die Gewährleistung. Wir bauen aber auf unserer Homepage eine Plattform auf, wo private Verkäufer und private Interessen zusammenfinden können. Wir vermitteln und helfen bei der Wertermittlung. Gut beraten ist, wer ein gebrauchtes Pedelec aus einem Leasing kauft, dann wurden Kundendienste erledigt und ein Profi hat es angesehen. Insgesamt sollte das gebrauchte Rad gepflegt wirken. Dem Kilometerstand auf dem Tacho kann man meist vertrauen.“


Kommen wir zur Technik. Wo sollte der Motor sitzen, vorne, hinten oder in der Mitte? „Ein Pedelec mit Mittelmotor kommt dem Fahren mit einem konventionellen Rad am nächsten. Das ergibt einen guten Schwerpunkt, das Handling ist am einfachsten. Früher gab es viele Front- und Heckmotoren, die finden sich heute nur noch bei billigeren Rädern. Der Mittelmotor hat das Rennen gemacht.“


Welcher Akku sollte drin sein? „Inzwischen sind die renommierten Anbieter qualitativ gleichwertig. Bosch dominiert den Markt. Entscheidend ist der Service. Namhafte Hersteller erledigen Reklamationen in der Regel schnell und zuverlässig, und etwas sein, kann immer.“


Wie viel Watt braucht der Akku? „Akkus unter 500 Watt sterben aus. Gängig sind aktuell 500 Watt und mehr. Wer das Neueste will, nimmt einen 625-Watt-Akku. Große Radhersteller bieten diese verstärkt an, zumal die Geräte nicht mehr viel schwerer sind. Es geht bereits rauf bis 750 oder gar 925 Watt Leistung.“


Welche Reichweite hat der Akku? Auf der hügeligen Ostalb kann ein 500er Akku 100 Kilometer schaffen, in den Alpen eher 50, und nach 15 Kilometern steil bergauf auf höchster Stufe ist für die meisten Akkus Schluss. Es kommt immer auf den Grad der Unterstützung an, den der Fahrer wählt. Mehr Unterstützung bedeutet kürzere Reichweite. Das Gewicht des Fahrers spielt eine Rolle und das Gelände.


Wie lange lebt ein Akku? „Laut Hersteller halten Akkus zwischen 500 und 1000 Voll-Ladezyklen aus. Dies entspricht einer Fahrleistung von 25.000 bis 100.000 Kilometern. Bei richtiger Pflege kann man an einem Pedelec sehr lange Freude haben.“


Was bedeutet richtige Pflege? „Fragen sind, steht das Rad in der Garage, ist die frostfrei und gibt es dort Strom. Wer das alles hat, kann den Akku am Rad lassen, muss nur darauf achten, dass der Ladezustand nicht unter 75 Prozent fällt. So die Empfehlung von Bosch. 75 Prozent sollten, laut Bosch, auch drin sein, wenn der Akku ausgebaut im Keller überwintert. Akkus sollten nur selten komplett entladen werden. Nach jeder Fahrt empfiehlt sich laden. Kundendiensttermine sollten wahrgenommen werden. Fahrten bei minus 15 Grad oder Regen schaden einem Akku nicht, nur Lagern mögen sie nicht so.“


Was kostet ein neuer Akku? „800 Euro und mehr.“


Welche Art Gangschaltung empfehlen Sie? „Auf der Ostalb sage ich klar Kettenschaltung, wobei es egal ist, ob das zehn, elf oder zwölf Gänge sind - mit nur einem Ritzel vorne - da die Motorunterstützung alles abdeckt. Eine Nabenschaltung ist vom Handling her aber einfacher.“


Welche Bremsen sollten sein? „Hydraulische Scheibenbremsen. Alles andere, ist spätestens bei Tempo 25 nicht optimal.“


Welcher Helm ist gut? „Die Qualitätshersteller schenken sich nichts. Von 60 bis 250 Euro reicht das Angebot für vernünftige Helme. Wichtig: Auch auf kurzen Wegen, nie ohne Helm fahren.“


Welche Reifen sollen drauf? City-, Touren- oder Mountainbike-Reifen unterscheiden sich. Der Trend geht aber allgemein zu breiteren Reifen, diese liefern auf verschiedensten Untergründen den besten Grip. Bei Mountainbikes lautet die Empfehlung bei Rahmengrößen von 41 bis 48 sollten Reifen mit 27,5 Zoll drauf, bei Größen von 48 bis 60 Reifen bis 29 Zoll. Wer über 185 Zentimeter ist, sollte 29 Zoll-Reifen aufziehen. Die meisten Touren/Trekkingräder haben 28-Zoll-Reifen.


Wie schützt man sein Rad vor Diebstahl? „Besser am Rahmen an- statt nur abschließen. Gute Schlösser kosten ab 50 Euro aufwärts. Zudem gibt es Diebstahlversicherungen, beispielsweise für 650 Euro auf die Laufzeit von drei Jahren. Manche Hausratversicherungen decken auch den Diebstahl von Fahrrädern ab.“


Wie steht es mit Lieferzeiten? „Das Angebot ist knapp. Wir haben zum Glück ein großes Lager und können große Auswahl bieten. Die Ware, die wir im Mai 2021 bestellt haben, tröpfelt aber jetzt erst nach und nach ein.“


Wie steht es mit Radverleih? „Verleih gibt es bei uns seit Corona nicht mehr, ich glaube, im Ostalbkreis nirgends mehr. Eine Probefahrt vorm Kauf ist möglich und sei jedem empfohlen.“

Orhan Ahmad hat in der Werkstatt bei Rat und Tag das Sagen.
Orhan Ahmad hat in der Werkstatt bei Rat und Tag das Sagen.
Jedes Rad hat seinen Individuellen QR-Code. Nach dem Scan liegt alle Infos für die Mitarbeiter vor.
Orhan Ahmad hat in der Werkstatt bei Rat und Tag das Sagen.
Orhan Ahmad hat in der Werkstatt bei Rat und Tag das Sagen.
24 Karat Gold - ein optischer Hingucker im Ladengeschäft Rat und Tat in Aalen.
Das E-Bike.
Fiffty-fifty sei der Anteil von E-Bikes und konventionellen Rädern bei ihm, sagt Michael Haubner.

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