Die Demo gegen die „Spaziergänger“

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Kundgebung „für ein solidarisches Miteinander“ auf dem Aalener Rathausvorplatz: Die Polizei hatte den gesamten Bereich gesichert. Der Marktplatz bis hinunter zum Brunnen blieb demofreie Zone.
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Ein breites Bündnis rief am Montagabend zur Kundgebung für ein solidarisches Miteinander auf der Ostalb auf. Harsche Töne und eindringliche Worte.

Aalen

Laute Töne gab es bei der Kundgebung am Montagabend vor dem Rathaus nur von Veronica Gonzales und Inga Rincke, von Gitarre und Trommel, der Begleitmusik. Dafür schallten viele eindringliche Worte über den Platz: viel beschworen die Solidarität, immer wieder die Mahnung vor Spaltung der Gesellschaft und die Warnung vor der rechten Szene und deren Instrumentalisierungsversuchen.

Ein breites Bündnis hatte zu dieser Kundgebung aufgerufen; angemeldet worden war sie von Herma Geiß von Attac Aalen. Die Stadt hatte genehmigt, Maskenpflicht und Abstand auferlegt. Daran hielten sich die sieben Redner und das laut Polizei etwa 220 Personen zählende Publikum durchweg. Absperrgitter trennten den Rathausvorplatz vom Marktplatz und der Dekanstraße sowie in Richtung Friedrichstraße. Die Polizei war präsent, nur Tröten der anderen Demonstration, der „Spaziergänger“, waren vereinzelt bis auf den Platz zu hören.

Pfarrer Bernhard Richter fand es „ganz arg traurig“, dass es eine solche Kundgebung vor dem Rathaus geben müsse. Aber dieses „Treiben“ derer, die „gegen die Coronadiktatur schreien“, dürfe man nicht hinnehmen. „Wir werden die Verharmlosung von Diktatur und totalitären Strukturen“ nicht dulden, schon gar nicht absurde Vergleiche von Pandemiemaßnahmen mit Holocaust und Massenmord.

Journalist Joe Bauer aus Stuttgart wurde deutlich schärfer: Es sei eine „Unverschämtheit“, wenn Leute von Spaziergängen redeten, „die den aufrechten Gang nie gelernt haben“. Die „Rechten der Gegenwart“ trügen das Hakenkreuz „nicht auf der Stirn, sie haben es im Hirn“. Ihre „Art Freiheit bedeutet nichts anderes als Trotz, Egoismus und Rücksichtslosigkeit“. Am Schluss seiner dramatischen Rede „für ein solidarisches Miteinander im Ostalbkreis“ rief er dazu auf: „Die Kreise der Demokratiefeinde müssen wir überall stören. Das ist unsere Pflicht.“

Eva Maria Markert (Omas gegen Rechts) stellte die massive Bewegung der „Spaziergänger“ komplex, aber verständlich dar. Sie führte dem Publikum Ziele und Strategien der rechten Szene in Deutschland vor Augen. Und warnte davor, den engen gedanklichen Zusammenhang zwischen Corona-Leugnern und Nazitum zu übersehen.

Christa Klink (Die Linke) appellierte an „die Impfgegner und Coronaleugner“, sich ein eigenes Bild zu machen und nicht zu Mitläufern von „Hintermännern der Montagsaufmärsche“ zu werden. Andererseits sprach sie sich für verstärkte Maßnahmen aus, um die sozialen Folgen der Pandemie zu lindern. Von der Kommunalpolitik forderte sie noch mehr Haltung gegenüber „Rechtsradikalen, die die Bewegung der Impfgegner instrumentalisieren“.

Emanuel Munz zitierte Worte eines Pflegers, die in dem Vorwurf gipfelten, die Pflegenden seien „allen Parteien scheißegal“. Das sei in den vergangenen beiden Jahren der Pandemie eindrucksvoll bewiesen worden.

Herma Geiß (Attac Aalen) beschäftigte sich nicht mit Impfgegnern und Neonazis, sondern tat einen weiten Blick über den Tellerrand. Sie sprach sich für Solidarität mit den Menschen im „globalen Süden“ aus. Es gebe zu wenig Impfstoffe beispielsweise in Afrika, das gefährde Millionen von Menschen und treibe „das Auftreten von Mutationen und damit die weltweite Verbreitung weiterer tödlicher Varianten voran“. Impfstoffe müssten ein öffentliches Gut sein, deren Entwicklung sei beispielsweise in Deutschland mit Steuergeldern gefördert. Man dürfe nicht zulassen, dass „Covid die soziale Schere auseinandertreibt“, weder in Deutschland noch in der Welt.

Theaterintendantin Tina Brüggemann trat mit nachdenklichen Worten auf: Kundgebungen, die als Spaziergänge getarnt seien, brauche kein Mensch. Es brauche einen Staat, „der nach dem besten Umgang mit der Pandemie suchen darf“.

Laura Weber (Jusos Ostalb) führte in die knapp eineinhalbstündige Veranstaltung ein und moderierte die Rednerinnen und Redner an. Auch OB Frederick Brütting gesellte sich zwischendrin als Zuhörer dazu.⋌

Mehr Bilder und ein Video unter www.schwaepo.de

Unterstützt wurde die Kundgebung von: Bündnis Aufstehen gegen Rassismus Aalen/Ostalb, Verein Gegen Vergessen - Für Demokratie, Partnerschaft für Demokratie Ostalb, Kreisfrauenrat Ostalb, Omas gegen Rechts Aalen, Weltladen Aalen, Kino am Kocher, Theater der Stadt Aalen, Attac Aalen, SPD Ostalb, Jusos Ostalb, Bündnis 90/Die Grünen Stadtverband Aalen, Grüne Jugend Aalen, Die Linke - OV Aalen-Ellwangen, Linke Jugend Aalen-Ellwangen, GEW Ortsverband Aalen

Kundgebung für ein solidarisches Miteinander auf dem Aalener Rathausvorplatz.
Kundgebung für ein solidarisches Miteinander auf dem Aalener Rathausvorplatz.
Kundgebung für ein solidarisches Miteinander auf dem Aalener Rathausvorplatz.
Kundgebung für ein solidarisches Miteinander auf dem Aalener Rathausvorplatz.
Kundgebung für ein solidarisches Miteinander auf dem Aalener Rathausvorplatz.
Kundgebung für ein solidarisches Miteinander auf dem Aalener Rathausvorplatz.
Kundgebung für ein solidarisches Miteinander auf dem Aalener Rathausvorplatz.
Kundgebung für ein solidarisches Miteinander auf dem Aalener Rathausvorplatz.

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