Die Gäste sind noch vorsichtig

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In den Aalener Kneipen ist vergleichsweise noch wenig los. Wie Pächter, Inhaber und Gäste die derzeitige Situation beurteilen.

Aalen

Seit drei Wochen haben in Aalen viele Gaststätten nach den Lockerungen der Corona-Verordnungen wieder geöffnet. Immer noch geschlossen haben dagegen Clubs und Diskotheken. Für alle gelten aber weiterhin Hygiene- und Abstandsregeln – was den Betrieb und damit den Umsatz stark einschränkt. Diese Zeitung hat sich am Wochenende mit Inhabern und Gästen unterhalten.

Samstagmittag zur Marktzeit in der Aalener Fußgängerzone: Es ist kühl und zeitweise regnet es. Waren vor Coronazeiten die Cafés rund um den Marktplatz und den umliegenden Straßen bereits voll belegt, ist dort jetzt eher verhaltener Betrieb.

"Bei gutem Wetter wäre der "Außenbereich auch gut besetzt", sagt Steffi Winter, Inhaberin des "Podium". Nur rund die Hälfte ihrer Plätze darf sie im Innern besetzen, Gruppen sind wie überall nur möglich, wenn sie aus höchstens zwei Haushalten stammen. Deshalb sind die meisten Tische nur mit zwei Personen besetzt.

"Die Menschen sind noch vorsichtig, trauen sich noch nicht so in die Gaststätten", sagt sie. "Dazu heben natürlich Abstandsregeln, die Masken des Personals und das vorgeschriebene Ausfüllen des Kontaktformulars nicht unbedingt die Stimmung der Gäste."

Abends sei derzeit wenig los, bereits ab etwa 21.30 Uhr sei das Lokal fast praktisch leer.

"Die Kosten wie Pacht und Personalkosten laufen weiter, unter diesen Bedingungen lässt sich das nicht erwirtschaften, trotz Kurzarbeit", ergänzt sie. Sie versuche, mit allen Mitarbeitern durch die Krise zu kommen, aber zwei habe sie schon entlassen müssen.

Sie hätte sich beispielsweise ein Entgegenkommen der Stadt als Vermieter bei der Pacht während der Schließung gewünscht, wie das in anderen Städten teilweise gehandhabt wurde.

Steffi Winter betreibt auch den Eichenhof in Aalen mit Restaurant und Hotel und die Ausflugsgaststätte Tauchenweiler. Auch da sei es ähnlich. "Lange darf es so nicht mehr weitergehen", betont sie.

Ähnlich sieht es im Aposto aus. Außen sind aufgrund des Wetters nur wenige Plätze besetzt, auch innen sitzen an den Tischen oft nur zwei Personen.

Die Kosten laufen weiter.

Steffi Winter Gastronomin

"Familien kommen fast gar nicht mehr her, Stammtische gar nicht", sagt Geschäftsführerin Sabiha Madan. Sie arbeite mit weniger Personal, aber der Aufwand sei durch die Hygienemaßnahmen größer.

Auch sie versucht, mit Kurzarbeit ihre Mitarbeiter zu halten, "wenn es hoffentlich bald wieder normal wird, brauche ich sie – und sie brauchen den Verdienst".

Abends bestätigt sich auch hier der Eindruck, dass sich die Menschen ab etwa 21 Uhr lieber zu Hause aufhalten. Im Aposto ist es fast leer.

Im Rambazamba ist es Samstagmittag ebenfalls deutlich leerer. Nur Sitzplätze dürfen belegt werden. Vor Corona war das Lokal brechend voll, bei bester Stimmung.

Die Gäste seien zumeist sensibel für die Maßnahmen, sagt Inhaber Martin Dannenmann. "Einigen Gästen sind die Maßnahmen aber auch lästig, sie dämpfen die Stimmung", ergänzt er.

Abends zeigt sich im Rambazamba jetzt vermehrt junges Publikum. "Die Clubs haben geschlossen und die Älteren sind vorsichtiger", erklärt der Gastronom.

"Stimmung gibt's grad nicht"

"Gastronomie lebt von Stimmung, die gibt´s aber grad nicht so richtig", bedauert Dannenmann. Das bestätigt Gast Andreas Krauß: "Man ist froh, mal wieder raus zu können, aber irgendwie doch nicht so frei." Sabine Schmidt ergänzt: "Es macht schon Spaß, rauszukommen. Draußen würde ich lieber sitzen, da fühlt man sich sicherer."

Recht zufrieden ist bisher Andreas Högg, Betreiber des "Wilden Mann" in Wasseralfingen – vor allem bei gutem Wetter. "Dann ist unser Biergarten gut besetzt, den wir großzügig bestuhlen können", sagt er. Aber auch der Innenbereich laufe recht gut, "die Leute wollen mal wieder gut essen können". Etwa acht Tische habe man innen weggenommen, um die Abstandsregeln einzuhalten. Seine Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, er versuche, alle zu halten. "Ein Vorteil ist, dass wir ein Familienbetrieb sind, da ist der Personalaufwand nicht so groß, besonders im Hotel", ergänzt Högg. Wie alle Gastronomen hofft er auf weitere Lockerungen, vorausgesetzt die Pandemie lässt weiter nach.

Jürgen Eschenhorn

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