Die Gründe fürs Wanner-Aus

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Ein trauriges Bild bietet sich den Innenstadtbesuchern bei Spielzeug Wanner: Einige der Schaufenster sind bereits leer geräumt.
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Warum sich Gerhard und Ulrike Wanner entschlossen haben, die über 100-jährige Spielzeugwaren-Tradition zum 30. November zu beenden.

Aalen

Die angekündigte Schließung von Spielzeug Wanner zum 30. November ist ein herber Schlag für viele Aalener. Und trifft die Aalener dort, wo es besonders wehtut: tief im Herzen. Wie viele Emotionen, wie viele schöne und unvergessliche Kindheitserinnerungen an dem über 100 Jahre alten Familiengeführten Spielwarenladen hängen, beweisen mehrere hundert Leser-Kommentare in den sozialen Netzwerken im Internet – einen Auszug davon lesen sie im beigefügten Artikel.

Seniorchef Gerhard Wanner weiß um diese tiefe Verbundenheit von Generationen von Kunden und erläutert darum in einer Pressemitteilung ausführlich die vielschichtigen "und vielleicht für unsere Stammkunden nicht gleich nachvollziehbaren Gründe", die zu diesem Entschluss geführt haben.

Die Internetkonkurrenz: Allen voran zitiert er darin den Onlinehandel. In den vergangenen zehn Jahren habe dieser zu einer erheblichen Veränderung des Kaufverhaltens geführt und sei letztlich verantwortlich für die sinkenden Umsätze und somit rückläufigen Ergebnisse. Die Vorzüge des Handels vor Ort wie Beratung, Leitung des Kundenwunsches und viele andere Serviceleistungen blieben dabei leider auf der Strecke.

Wie schon Leder Böhringer, der seine lange Geschäftstradition im Juni beendet hat, stellt auch Gerhard Wanner fest: "Das Stadtbild und die Kundenfrequenz hat sich mit dieser Marktentwicklung verändert. Immer mehr inhabergeführte Geschäfte, die das Stadtbild prägen, wurden geschlossen." Die Innenstadt wandele sich von einer Einkaufsstadt zu einer Genuss- und Servicestadt.

Der Renovierungsstau: Als weiteren Grund für die Schließung nennt der Geschäftsinhaber die Renovierungsbedürftigkeit der beiden älteren Gebäude. "Hier wären hohe Investitionen nötig, die allein im Bereich der Spielwaren mittelfristig nicht zu erwirtschaften sind."

Beide Objekte in der Reichsstädter Straße stehen zum Verkauf, Käuferinteresse sei auch schon vorhanden. "Dazu wollen wir aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht Stellung nehmen", heißt es.

In den vergangenen zehn Jahren hat sich das Kaufverhalten der Kunden erheblich verändert.

Gerhard Wanner Seniorchef

Die Nachfolge: Zwar gebe es mit Sohn Matthias Wanner die Möglichkeit einer Nachfolge. Indes könne Gerhard Wanner bei der aktuellen Entwicklung nicht zu diesem Schritt raten. Denn da beide Senioren, Ulrike und Gerhard Wanner nun nach vielen Jahren aufhören möchten, fehlten zwei wichtige Personen, die nur schwer zu ersetzen seien.

Der Ausblick: In den vergangenen Wochen und Monaten habe Spielzeug Wanner Anstrengungen unternommen, Aalen als Standort zu erhalten. Vielleicht nicht in der Reichsstädterstraße. Und wahrscheinlich auch nicht mit dem vollen Sortiment. Gespräche mit Kollegen würden noch geführt. "Aber leider befindet sich der gesamte Markt im Umbruch."

Der Dank: Nach über 50 Jahren, in denen Gerhard und Ulrike Wanner selbst das Unternehmen geleitet haben, sprechen Sie ihren besten Dank ihren vielen treuen Stammkunden und ihren sehr langjährigen Mitarbeitern aus.

Der Räumungsverkauf beginnt am Donnerstag, 24. Oktober.

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