Die Höllenqualen der Maja O.

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Die 59-jährige Maja O. (Name geändert) trinkt ausschließlich Tee oder pures Leitungswasser. Mal einen Saft oder einen Sprudel zu kaufen kann sie sich nicht leisten.
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Nach einer verpfuschten Hüftoperation vor zwölf Jahren lebt eine 59-Jährige wie eingesperrt in ihrer Wohnung. Unter welchen Höllenqualen sie leidet. Advent der guten Tat will helfen.

Aalen

Körperlicher Schmerz vereinsamt: Wie sehr jahrelanges Leiden mit all seinen Folgeerscheinungen – mit allen sozialen, psychischen und finanziellen Einschränkungen – an der Seele zehren kann, spürt Maja O. (Name geändert) seit vielen Jahren Tag für Tag. Eine verpfuschte Hüftoperation vor zwölf Jahren hat dazu geführt, dass Maja seither nicht mehr arbeitsfähig ist. Die 59-Jährige bezieht volle Erwerbsminderungsrente, die durch Grundsicherung aufgestockt wird. Summa summarum hat sie knapp 900 Euro monatlich zur Verfügung, davon gehen 510 Euro allein für Miete weg. Nach Abzug aller Nebenkosten bleiben ihr oft nicht mal 150 Euro im Monat zum Leben übrig.

Manchmal, wenn die Schmerzen wieder so höllisch waren, dass sie sich nachts selbst ans Bett binden musste, um ihre Lagerung zu fixieren, spielte sie sogar schon mit dem Gedanken "sich wegzuräumen". Suchte und fand im Darknet Medikamente zur Selbsttötung. Das Vorhaben scheiterte. "Ich hätte die Rechnung nicht bezahlen können", sagt Frau O. Sie versucht ein Lächeln, das weniger Verbitterung, sondern vielmehr Hilflosigkeit und Ohnmacht verrät.

Fürchterliche Schmerzen

Hilfe von ihrer Familie kann Maja nicht erwarten. Kurz nach ihrer Geburt – die leibliche Mutter war Alkoholikerin – kam sie in eine Pflegefamilie. "Das waren keine guten Menschen", sagt sie leise. Dabei hätte die kleine Maja Zuspruch so nötig gehabt. Sie war mit einer angeborenen Hüftgelenksverrenkung zur Welt gekommen, musste deshalb zwischen dem achten und elften Lebensjahr sechs Mal operiert werden. "Zusammengerechnet war ich in dieser Zeit zweieinhalb Jahre in der Klinik", erzählt sie. Schon bald lernte sie, ihre Schmerzen nicht zu zeigen. "Das haben mir meine Pflegeeltern bis aufs Blut antrainiert." Mit 14 Jahren und bestandenem Hauptschulabschluss flüchtete sie weg von den Pflegeeltern und hin zu ihrem leiblichen Vater. Kurz darauf kam sie zu ihrer leiblichen und alkoholkranken Mutter nach Aalen. "Nach einer Woche war meine Mutter plötzlich aus der Wohnung verschwunden. Und ich saß da. In einer fremden Stadt. Hatte nichts zu essen."

Ein 17-jähriger Junge war es, der sie von der Straße "aufsammelte" und mit nach Hause zu seinen Eltern brachte, wo sie wie eine eigene Tochter aufgenommen wurde. Maja machte eine Elektroniker Ausbildung, arbeitete viele Jahre bei einer Sicherheitsfirma. Orientierte sich irgendwann um und ließ sich zur Jugend- und Heimerzieherin ausbilden mit dem Schwerpunkt Drogen- und Gewaltprävention.

Ihr ständiger Begleiter: fürchterliche Schmerzen in der rechten Hüfte. Nach langer Suche fand Maja einen Spezialisten, ließ sich operieren. "Das Ergebnis war toll. Ich konnte danach zum ersten Mal in meinem Leben wandern gehen."

Verpfuschte OP

Dann aber kamen die Schmerzen an der linken Hüfte. Und die OP – bei einem anderen Operateur – ging schief. Maja deutet auf eine Röntgenaufnahme. "Die neu implantierte Pfanne ist ins Becken eingebrochen", erklärt sie. Die Folge: Seit der OP 2008 kann sie das linke Bein nicht mehr belasten, ist auf zwei Krücken angewiesen und leidet unter "wahnsinnigen Schmerzen". "Kein Arzt wagt sich an eine erneute Operation", sagt sie.

Der Hausarzt hat Maja an einen Schmerztherapeuten in Ellwangen verwiesen. "Aber wie soll ich dorthin kommen?" Ihr Auto hat sie längst verkauft, weil sie es sich nicht mehr leisten konnte. "Auch für eine Taxifahrt reicht mein Geld nicht", schüttelt sie den Kopf. Und in einen Bus traut sie sich nicht mehr, so unsicher ist sie auf ihren Beinen. "Als ich es einmal versucht habe, bin ich beim Anfahren gleich quer durch den Gang geschleudert."

Seit zwölf Jahren lebt Maja in ihrer 70 Quadratmeter großen Mietwohnung wie eingesperrt. Alle vier Wochen einmal nimmt sie eine Bekannte mit zum Einkaufen. "Ich esse meistens Haferflocken, die sind nicht teuer, halten lange und machen satt."

Das ist die Hölle. Und niemand kann mir helfen!

Maja O. (Name geändert)

Was sich noch schwerer in ihr Herz bohrt als die Schmerzen und die Einsamkeit ist neuerdings die Angst. Die Panik davor, irgendwann die Miete nicht mehr bezahlen zu können. Denn: Für Empfänger von Grundsicherung ist die Unterstützung für die Miete gedeckelt. Bedeutet: Für Alleinstehende, die Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch beziehen, gilt ein Wohnraum zwischen 45 und 50 Quadratmeter als angemessen. Da Majas Wohnung 70 Quadratmeter misst, springt das Sozialamt nicht für die komplette Miete ein. Für Maja erschwerend hinzu kommt ein Vermieterwechsel. "Der neue Eigentümer hat die Miete bereits erhöht."

Seitdem kann Maja nachts kaum mehr schlafen. "Und wenn ich nicht schlafen kann, werden meine Schmerzen noch unerträglicher. Das ist die Hölle. Und niemand kann mir helfen."

Was Maja sich sehnlichst wünscht: Dass jemand für sie da ist, wenn sie einen Arzt braucht. Dass sie jemanden anrufen kann, der sie dann fährt. Und sie hofft, irgendwann eine laut Sozialgesetzgebung "angemessene Wohnung" zu finden. Höchstens 50 Quadratmeter.

Advent der guten Tat will Maja helfen. Will ihren Eigenanteil an den Monatsmieten übernehmen, damit die 59-Jährige ein bisschen mehr Geld für ihren Lebensunterhalt zu Verfügung hat. Und Advent der guten Tat will auch die Kosten für die nötigen Arztfahrten übernehmen.

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