Die kuriose Geschichte zweier Seeleute

  • Weitere
    schließen
+
Jürgen Pietsch (ganz rechts mit Sonnenbrille) und Joachim Höneke (2. Reihe/ 3. v. r.) bei der Marinekameradschaft.
  • schließen

Zur gleichen Zeit mit der Marine nach Argentinien – doch erst Jahre später lernen sich Joachim Höneke und Jürgen Pietsch durch Zufall kennen.

Aalen

In einem Raum, der der Kajüte auf einem Schiff ähnelt, treffen sich die beiden Freunde Joachim Höneke und Jürgen Pietsch aus Aalen. Beide waren 1970 zur selben Zeit mit der Marine auf großer Fahrt in Richtung Buenos Aires. Das Kuriose an der Geschichte: Sie wussten nichts voneinander. Erst Jahre später lernten sie sich durch Zufall in Aalen kennen.

Ihre Geschichte beginnt vor genau 50 Jahren, im Jahr 1970. Von 1968 bis 1972 war Joachim Höneke Soldat bei der deutschen Marine, Jürgen Pietsch von 1967 bis 1979. Am 18. April 1970 begann ihre große Reise. "Ich startete in Flensburg mit der Fregatte Emden", erzählt Höneke. Jürgen sei in Wilhelmshaven mit der Fregatte Köln gestartet.

Obwohl beide aus der gleichen Stadt kamen, hatten sie während der ganzen Reise nichts miteinander zu tun. Auf einer Fregatte sei es üblich, dass man mit seinen Kameraden die meiste Zeit verbringt. Wenn die beiden Schiffsbesatzungen aufeinandertrafen, dann nur in den jeweiligen Häfen, während der Liegezeit. Doch auch da verbrachten die Soldaten die meiste Zeit in ihrer Einheit. "Es ist eine Kameradschaft, bei der jeder für jeden einsteht", so Höneke.

Dennoch gab es auf der Reise Erfahrungen, die beide fast gleichzeitig machten. Die Äquatortaufe zum Beispiel, laut Höneke "eine einzigartige Erfahrung". "Sobald man den Äquator kreuzt, ist es bei der Marine Tradition, diese Taufe zu vollziehen", erklärt Höneke. Dies soll ein Dank an die Wassergötter sein. Die beiden jungen Soldaten mussten da auch durch. Dabei wurden sie mit Wasser aus einem Feuerwehrschlauch abgespritzt und mussten anschließend eine Flüssigkeit "mit allen Gewürzen aus der Küche trinken", erklärt Pietsch. Wenn das geschafft war, bekamen sie eine Urkunde überreicht.

Schließlich erreichten sie am 5. Mai 1970 Buenos Aires. "Der Grund für die Reise war die Vorstellung der Kriegsschiffe Emden und Köln", erklärt Pietsch. Zur damaligen Zeit habe die argentinische Marine keine solchen Kriegsschiffe in ihrem Bestand gehabt. "Ob die argentinische Marine die Schiffe damals wirklich gekauft hat, kann ich nicht sagen", sagt Pietsch.

Nachdem sie in Buenos Aires die Vorräte aufgefüllt und die Schiffe betankt hatten, traten sie am 24. Mai die Rückreise nach Flensburg beziehungsweise nach Wilhelmshaven an. Nach einem Stopp in Santa Cruz auf Teneriffa waren sie am 14. Juni 1970 zurück in ihren jeweiligen Häfen. Und hatten immer noch keine Ahnung, dass sie in der gleichen Stadt daheim waren.

Durch Zufall haben wir voneinander erfahren.

Joachim Höneke Ehemaliger Soldat bei der Marine

Der Zufall half kräftig mit

Erst 19 Jahre später stießen sie durch einen Zufall darauf, genau genommen durch die Mutter von Joachim Höneke. "Sie kam in meine Gaststätte ‘Anker Stuben' in Unterkochen, die hatte ich nach meinem Dienst eröffnet", erinnert sich Jürgen Pietsch. Man plauderte über die Marine, die große Fahrt nach Buenos Aires und "sie erzählte mir, dass ihr Sohn auch auf dieser Fahrt gewesen sei", so Pietsch. Ab da suchten die Männer Kontakt zueinander. Man traf sich regelmäßig, es wurde Freundschaft daraus.

Marinekameradschaft Aalen

Im Jahr 1989 gründete Jürgen Pietsch die Marinekameradschaft Aalen und Höneke war sofort dabei. "Das war die Gelegenheit, noch mehr Kameraden kennzulernen", sagt Pietsch. Insgesamt 52 Männer waren zu Spitzenzeiten im Verein. "Zum Schluss waren es aber nur noch fünf", so Höneke. Deshalb hat Pietsch im vergangenen Jahr beschlossen, den Verein aufzulösen. Trotz allem blieb die Freundschaft der beiden bestehen. Oft treffen sie sich privat, um über die gemeinsamen Erfahrungen zu reden.

Ein Ort, um sinnbildlich in die Vergangenheit zu reisen, ist der selbstgestaltete Raum von Jürgen Pietsch. Er ist einer Kajüte auf einem Schiff nachempfunden. Überall sind Andenken, Bilder, Bücher und Seemannsknoten zu sehen. Das Besondere ist der selbstgemachte Tisch aus Holz. Mit einem Kompass bringt er maritime Atmosphäre. "So etwas gibt es nicht überall", sagt Pietsch.

Ihre Geschichte begann mit einer Schiffsfahrt. Das Ergebnis ist eine Freundschaft, die schon seit 30 Jahren besteht.

Mit der Fregatte "Emden" war Joachim Höneke auf dem Weg nach Buenos Aires. Jürgen Pietsch mit der "Köln".
Jürgen Pietsch (ganz rechts mit Sonnenbrille) und Joachim Höneke (2. Reihe/ 3. v. r.) bei der Marinekameradschaft.

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL