Die Langertstraße wehrt sich

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Der eingerammte Pfahl markiert den Abstand der künftigen Bebauung zur Grundstücksgrenze. Links gleich hinter dem Zaun befindet sich das Wohnhaus des Ehepaars Ulrich und Andrea Schimek (beide links im Bild). Rechts Simon Schwarz, der erst vor einem Jahr i
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Warum Anwohner eines großen seither unbebauten Grundstücks im Zochental gegen das dort geplante Bauvorhaben protestieren.

Aalen

Sie haben bereits zum zweiten Mal Einspruch eingelegt: Neun Parteien, allesamt Angrenzer der großen Baulücke zwischen Langertstraße, Vogtlandstraße und Saarstraße. Jetzt, bei der zweiten Auslegung des Bebauungsplans „Südlich der Vogtlandstraße und östlich der Saarstraße“ haben sie erneut ihre Einwände geltend gemacht. „15 Häuser, darunter ein über 50 Meter langer Block mit acht Reihenhäusern. Das passt nicht in die Umgebung. Das ist eine zu massive Nachverdichtung“, sagt etwa Simon Schwarz.

Schwarz wohnt in der Langertstraße 94/2. Das Wohnhaus hat er erst im Mai 2020 erworben. Als im Februar 2020 auf der direkt angrenzenden Baulücke großflächig Bäume abgeholzt wurden, habe er sich bei der Stadtverwaltung nach dem Grund erkundigt. „Damals hieß es, man könne mir noch keine Antwort geben, weil noch nichts offiziell sei“, erzählt der junge Hausbesitzer. Wenn er damals schon eine Ahnung gehabt hätte von der geplanten massiv verdichteten Bebauung auf dem freien Nachbargrundstück, wäre er wohl im letzten Moment vom Hauskauf zurückgetreten.

Keine Sonne mehr

Es ist ein gewachsenes Wohngebiet aus den frühen 1960er Jahren. Viele der Bewohner sind hier bereits aufgewachsen und – mit kleinen Unterbrechungen – hier auch wohnen geblieben. So auch Ulrich Schimek. Zusammen mit seiner Frau Andrea bewohnt er das Haus Langertstraße 96. An Nachmittagen wie diesen genießen die beiden die Sonne auf der Terrasse. „Wenn der Bebauungsplan so, wie er vorgestellt wurde, durchgewunken wird, werden wir hier keine Sonne mehr sehen“, ist sich Schimek sicher.

Wie die anderen Anwohner fühlt sich das Ehepaar von der Stadtverwaltung nicht ausreichend gehört und ist enttäuscht darüber, dass das Vorhaben bereits in der ersten Gemeinderatssitzung nach der Sommerpause – also noch in den letzten Tagen der Amtszeit OB Thilo Rentschlers – durchgewunken werden soll.

Darum geht es: Ein Investor hat ein zum größten Teil unbebautes Grundstück zwischen Langertstraße und Saarstraße erworben. Die bestehende Villa wurde bereits abgerissen. Auf gut einem Drittel der Grundstücksfläche soll ein großes Einfamilienhaus entstehen, auf der restlichen Fläche acht Reihenhäuser und davor sechs Doppelhaushälften. Als Bauherr tritt i Live auf. „Nach der ersten Auslegung des Bebauungsplans hat der Investor aufgrund der Einwände seine Pläne nicht wesentlich geändert“, monieren die Anwohner. Lediglich der Abstand zur Grundstücksgrenze wurde von dreieinhalb auf fünfeinhalb Meter vergrößert. Die geplante Baumasse aber blieb unverändert.

Die Sorgen der Anwohner: eine erhebliche Verschattung der bestehenden Wohnhäuser. Denn: Das zur Langertstraße abfallende Gelände werde bis zu zweieinhalb Meter aufgeschüttet. Darauf würden dann sieben Meter hohe Doppelhäuser gebaut. „Wenn dann noch Solaranlagen aufs Dach kommen, sind wir bei einer Höhe von elf Metern“, rechnet Simon Schwarz vor. Zudem monieren sie die Zufahrt zu den neuen Häusern. Die Stichstraße von der Langertstraße sei zu eng und für den Verkehr nicht ausgelegt.

Was die Anwohner der Stadtverwaltung vorwerfen: Sie kritisieren, dass der Bebauungsplan „passgenau“ auf die Interessen des Investors zugeschnitten ist. „Hier wird einseitig zu Gunsten der Interessen des Investors geplant und die Belange der Nachbarn werden nicht ausreichend gehört“, sagt Katja Pascolo, ebenfalls Anwohnerin.

Die Anwohner wünschen sich eine gleichmäßigere Verteilung der Wohneinheiten auf die gesamte freie Fläche. Sie sind enttäuscht darüber, dass seitens der Stadtverwaltung auf diesen Vorschlag keine Resonanz kam. Und auch darüber, dass der Investor nach der ersten Auslegung auch nicht das Gespräch mit den Anwohnern gesucht habe.

„Wir stellen uns nicht grundsätzlich gegen eine Bebauung dieses seither unbebauten Grundstücks. Aber wir stellen uns gegen die beabsichtigte massiv verdichtete Bauweise“, stellt Pascolo klar.

Derweil steht für Andrea und Ulrich Schimek fest: „Wenn der Gemeinderat den Bebauungsplan wirklich so durchwinken sollte, sehen wir uns gezwungen, unser Haus zu verkaufen und wegzuziehen.“

Der städtische Bebauungsplanentwurf macht die Verteilung der Wohnbebauung auf dem Grundstück deutlich.
Baugebiet Zochental, Langertstraße, Saarstraße, Vogtlandstraße
Das bislang unbebaute Grundstück zwischen Langertstraße und Saarlstraße.
Blick von der bestehenden Bebauung auf das noch freistehende Grundstück.
Diese enge Stichstraße soll als Zufahrt zu den neuen Häusern ausgewiesen werden.

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