Die mit den wilden Wölfen spricht

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BUND-Ortsverband Aalen hat Wolfsexpertin Gudrun Pflüger nach Aalen geholt.

Aalen. Sie hat keine Angst vor dem Wolf: Gudrun Pflüger ist die Frau, deren Rat in Sachen Wolf von Wien bis Brüssel immer wieder eingeholt wird. Auf Initiative des BUND-Ortsverbands war sie jetzt im Aalener Berufsschulzentrum zu Gast.

Die etwa 120 erschienen Gäste, die in kleinen Gruppen oder im Abstand von 1,5 Meter voneinander in der Mensa des Berufsschulzentrums saßen, erfuhren Ergebnisse von Pflügers etwa 15-jähriger Forschungsarbeit in Kanada, den USA und Europa. Sie bot viele neue Einblicke in das Wesen des Wolfes, seine sozialen und kognitiven Fähigkeiten, seine Jagdgewohnheiten und seine Rolle für das Ökosystem sowie die Hintergründe zu seinem erneuten Auftauchen in Deutschland, genauer im Ostalbkreis. Pflüger betonte, dass 80 Prozent der Deutschen die Rückkehr des Wolfs begrüßten und nahm vorweg, dass nicht das Rudel, in dem eine Wolfsfamilie lebt, den Menschen gefährlich werden könne, sondern der halbstarke Einzelgänger-Wolf, der – vielleicht aus Unkenntnis – von Menschen gefüttert worden ist. Auf seiner Suche nach einem Partner und nach Schutz begebe sich ein Jungwolf auch in die Nähe von Dörfern und Städten, manchmal entlang von Straßen und Bahngleisen.

Isegrim als Verbündeter

Aber die Wolfs-Expertin erklärte auch, wieso Isegrim ein Verbündeter der Menschen im Kampf gegen Krankheiten, Klimaerwärmung und Artensterben sei: Er mache das schwache und kranke Wild aus und jage es, um seinen Hunger und den seiner Familie zu stillen. So blieben viele Bäume vor Wildverbiss, besonders durch Rot- und Damwild, verschont. In seiner Position am Ende der Nahrungskette dezimiere er den Bestand an Füchsen, Waschbären und anderer mittelgroßer Beutegreifer, wodurch andere Tierarten Verbreitung finden. Er leiste somit einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Biodiversität.

Da er extrem anpassungsfähig sei, habe die Forscherin ihn von der Subarktis bis in den Regenwald vorgefunden. Lange Strecken lege er zurück und könne bis zu 12 Kilometer ununterbrochen schwimmen. In Deutschland sei mit seinem Auftauchen jederzeit und überall zu rechnen, deshalb sollten Vorkehrungsmaßnahmen zu seinem Schutz und dem von Nutztieren getroffen werden: die Ausbildung und Anschaffung von Herdenschutzhunden und die Errichtung vonNachtpferchen für Nutztiere seien einige davon. Von den Hirten aus Italien, Rumänien und Spanien könne man lernen, da sie schon immer mit dem Wolf "Tür an Tür" wohnten und mit diesen Methoden gute Erfahrungen gemacht hätten. Einer Graphik aus der Power-Point-Präsentation ließ sich entnehmen, dass mehrere Wolfspopulationen sich aus dem Süden und Osten Europas auf den Ostalbkreis zubewegen.

Auf die Frage, wie man sich verhalten solle, wenn man einem Wolf, Wolfshund oder fremden Hund begegne, entgegnete die Expertin: Sich aufrecht mit breit ausgefahrenen Schultern hinstellen und ruhig mit dem Kaniden sprechen, wirke beruhigend auf diesen. "Weglaufen oder gar Heulen wie ein Wolf reizt ihn." Der Mensch auf zwei Beinen wirke auf ihn wie ein Bär, der für den Wolf gefährlich wäre.

Preisgekrönter Film

Wie umgänglich Wölfe sein können, zeigte der vielfach preisgekrönte Film "Auf der Spur der Küstenwölfe" im zweiten Teil des Abends. In einer atemberaubenden Szene sieht man Gudrun Pflüger inmitten eines Rudels wilder Wölfe, die mit ihr Kontakt aufnehmen, um sie herumtollen. Und es scheint, als wollten sie diese nach den gemeinsam verbrachten Stunden ungern wieder gehen lassen.

Der lang anhaltende Beifall honorierte den Informationswert der Veranstaltung und zollte der Wissenschaftlerin Respekt.

Der Film: "Auf der Spur der Küstenwölfe" mit Gudrun Pflüger ist am 28. Oktober ab 18 Uhr und am 4. November ab 17.30 Uhr im Kulturbahnhof zu sehen. Der Produzent des Films, Heinz von Matthey, wird mindestens beim ersten der beiden Termine dabei sein und auf Fragen des Publikums eingehen.

Seite an Seite mit Isegrim: Gudrun Pflüger.

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